Stefan Retter im Portrait

Vom Auswärtigem zum OB in Mühlacker: Der "Blick von außen" macht den Unterschied

Stephan Retter wird der neue OB von Mühlacker (Enzkreis). Er war der einzige Kandidat, der nicht aus der Region kommt. Wie hat sich der Auswärtige durchgesetzt?

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Von Autor/in Annika Jost

Der frisch gewählte Oberbürgermeister von Mühlacker im Enzkreis, Stephan Retter, spielt leidenschaftlich gern Saxophon. Wenn er mal nicht arbeitet, findet man ihn im Übungsraum mit seiner Bigband, erzählt er. Gemeinsam standen sie mit ihrer Jazzmusik schon auf den großen und kleinen Bühnen der Region. Die große Bühne betritt der parteilose Stephan Retter jetzt auch in der Politik:

Wahl zum Oberbürgermeister in Mühlacker: Ein Auswärtiger gewinnt

Im ersten Wahlgang am 19. Oktober standen insgesamt sechs Kandidatinnen und Kandidaten zur Wahl des Oberbürgermeisters in Mühlacker. Der einzige, der nicht aus der Region kommt, ist Stephan Retter. Ein wahrer Auswärtiger und trotzdem setzte er sich durch. Die Stichwahl am Sonntag konnte er mit 55,63 Prozent für sich entscheiden.

Mühlacker

Entscheidung gefallen Nach Stichwahl in Mühlacker: Stephan Retter wird neuer Oberbürgermeister

In Mühlacker ist am Sonntag ein neuer Oberbürgermeister gewählt worden: Stephan Retter (parteilos) machte das Rennen und wird Nachfolger des langjährigen OBs Frank Schneider (FDP).

Aktuell spielt seine Musik nicht in Mühlacker, sondern in Erdmannhausen im Landkreis Ludwigsburg. Hier wohnt Stephan Retter mit seiner Familie. Das soll auch erstmal so bleiben, bis seine Tochter mit der Schule fertig ist. Für den Weg nach Mühlacker braucht er mit dem Auto ungefähr eine Stunde. Für Abendtermine will sich der zukünftige Oberbürgermeister zusätzlich eine Wohnung in Mühlacker anmieten. In der Entfernung zu seinem Wohnort sieht er kein Problem.

Mein Wohnort hat überhaupt nichts mit meiner Präsenz in Mühlacker zu tun. Ich werde dann in Mühlacker sein, wenn es erforderlich ist.

Neuer OB will mit allen Fraktionen im Gemeinderat Mühlacker zusammenarbeiten

Vielmehr ist für ihn die Entfernung und sein Blick von außen einer der Gründe, warum er sich gegen die anderen Kandidatinnen und Kandidaten durchsetzen konnte. "Ich glaube, was die Menschen in Mühlacker von mir als Außenstehenden erwarten, ist, dass ich keine Verbindungen und Verpflichtungen irgendwelchen Institutionen gegenüber habe. Und meine einzige Verpflichtung, die ich sehe, ist gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern, für die da zu sein", so Retter.

Ich kannte niemanden in Mühlacker und die Menschen haben mich so herzlich aufgenommen.

Auch im Gemeinderat muss er die richtigen Töne treffen. Zwangsläufig muss der Neue im Amt als Parteiloser auf die anderen Fraktionen zugehen. Das habe der 49-Jährige noch vor seinem Amtsantritt geplant. "Es gilt den Wahlkampf hinter sich zu lassen und nach vorne zu schauen", so Retter im SWR-Interview.

Stephan Retter im SWR-Interview:

Eins ist sicher: Zum Saxophonspielen wird er in Zukunft nicht mehr so oft kommen, denn es gibt viel zu tun in Mühlacker. Ein großes Thema, das Retter angehen will, ist die Haushaltsplanung. "Nur 40 Prozent der geplanten Investitionen wurden auch umgesetzt", erklärt er. Das sei zu wenig, auch weil man mit so vielen Ankündigungen auch Erwartungen bei den Bürgerinnen und Bürgern wecke, die dann enttäuscht würden. Fehler in der Haushaltsplanung will er seinem Vorgänger Frank Schneider (FDP) aber nicht vorwerfen. Es sei eben schwierig, alle Interessen unter einen Hut zu bringen.

Aufregerthema: Wie geht es weiter mit dem Loch in der Innenstadt von Mühlacker?

Ein weiteres großes Thema kann man fast nicht übersehen, wenn man sich in Mühlacker aufhält: Das "Mühleloch". Mitten in der Stadt am Kelterplatz liegen rund 4.000 Quadratmeter brach. Hier stand bis 2019 die Stadthalle, auch Mühlehof genannt. Mittlerweile ist das riesige Loch eine Sehenswürdigkeit auf Google Maps und gleichzeitig das Aufregerthema der Stadt.

Mühlacker

Brachfläche seit 2019 Dieses Loch mitten in Mühlacker hat es zur Sehenswürdigkeit bei Google Maps geschafft

Seit 2019 klafft ein riesiges Loch mitten in Mühlacker im Enzkreis. Die Baugrube ist schon zur Sehenswürdigkeit der Stadt geworden.

Stephan Retter hat für das Loch nicht die eine Lösung, die sofort umgesetzt werden kann. Vielmehr will er die Entwicklung der Innenstadt ganzheitlich betrachten. "Die Stadt und der Gemeinderat haben bereits ein integriertes Stadtentwicklungskonzept beschlossen, das starten soll. Und das könnte eine Grundlage dafür sein", so das zukünftige Stadtoberhaupt.

Man darf nicht immer nur in dieses Loch schauen. Sonst kommt man aus dem Loch auch gar nicht mehr raus.

Neuer OB von Mühlacker will Schulen sanieren

Stephan Retter, der seit 39 Jahren Saxophon spielt, steht jetzt also im politischen Rampenlicht - ohne Musikinstrument. Am Ende seiner Amtszeit in acht Jahren will er vor allem die Schulen vorangebracht haben. Er wünscht sich, "dass die Kinder gerne in die Schule gehen und dass auch die Lehrerinnen und Lehrer einen guten Arbeitsplatz haben". Daran wird er gemessen werden und dann zeigt sich, ob der Musiker auch als Oberbürgermeister anhaltenden Applaus und Standing Ovations der Bevölkerung bekommt.

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Autor/in
Annika Jost
SWR-Reporterin Annika Jost

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