Rund 40.000 Euro bis Ende des Jahres - so hoch beziffert Mathias Hirsch, Reiseunternehmer aus Karlsruhe, die Mehrkosten, die er durch den Krieg zwischen Israel, den USA und Iran hat. Der Grund: vor allem die gestiegenen Diesel-Preise. "Die hohen Spritpreise haben insbesondere die Auswirkung, dass unsere Kosten für Diesel, womit wir unsere Busse betanken, deutlich gestiegen sind", erklärt Hirsch. Bei seiner Kalkulation rechnet Hirsch damit, dass der Konflikt noch bis Ende des Jahres anhält.
"Wenn die Tankrechnung kommt, werden das etwa 24.000 Euro sein, plus Umsatzsteuer." Damit rechnet Hirsch mit der teuersten Tankrechnung seiner 77-jährigen Unternehmensgeschichte. Tanken müsse er seine vier Reisebusse etwa alle drei bis vier Wochen.
Teurer Kraftstoff: Mehrkosten von bis zu 70.000 Euro für Hirsch Reisen
Die Kosten an der Zapfsäule seien nur die Spitze des Eisberges. Denn als Kulturreiseanbieter bietet sein Unternehmen zwar zu etwa 80 Prozent Busreisen an - dazu kommen aber auch Fernreisen, die auch Flüge beinhalten. "Da nutzen wir im Zielgebiet die Busse unserer Buspartner. Die werden über kurz oder lang kommen und Aufschläge verlangen", sagt Hirsch weiter. Außerdem rechne das Unternehmen mit einer Erhöhung der Treibstoffzuschläge der Airlines für Flugreisen. Insgesamt kalkuliert der Unternehmer mit Mehrkosten von rund 70.000 Euro.
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Reiseunternehmer Hirsch gibt Preise nicht an Kunden weiter
"Wir haben uns natürlich überlegt, wie wir das auffangen. Und es ist so, dass es die Möglichkeit gäbe, dass wir unsere Preise anpassen, sprich erhöhen", erzählt Hirsch weiter. Doch man habe sich bisher dagegen entschieden und gestiegene Kosten für das Unternehmen nicht an die Kunden durchgereicht. Das werde man bis zum Ende der Saison noch beibehalten. Sollte der Krieg dann immer noch Auswirkungen auf das Geschäft haben, werde man Ende des Jahres neu evaluieren.
Wie lange kann sich das Unternehmen leisten, die Mehrkosten nicht an seine Kunden weiterzugeben? Hirsch glaubt: "Wenn die Auslastung gut ist, dann kann man das schon relativ lange machen." Sprich: So lange seine Reisen gut ausgebucht sind, macht Hirschs Unternehmen auch trotz der Mehrkosten noch Gewinn.
Hirsch: Kunden machen andere Reisen
Doch genau das ist ein Knackpunkt: Denn auch für die Kunden sind die Preise durch den Krieg im Nahen Osten gestiegen - sie zahlen mehr an der Zapfsäule. "Wir erleben zurzeit, dass unsere Kunden die Situation sehr genau beobachten und ihre Urlaubsentscheidungen danach ausrichten."
Und trotzdem: Die Kunden - laut Hirsch in der Regel Menschen zwischen 50 und 60 Jahren und kulturaffin - buchen bei dem Reiseveranstalter nicht weniger Reisen, erzählt Hirsch. Ganz im Gegenteil: Insgesamt sei sogar mehr gebucht worden in den vergangenen vier Wochen als im gleichen Zeitraum im vergangenen Jahr.
Liselotte Grimm, eine Stammkundin bei Hirsch Reisen, ist bereit, noch mehr Geld für ihren Urlaub auszugeben:
Wenn es jetzt nicht zu teuer wird für mich, weil ich mir auch eine Schmerzgrenze vorgenommen habe, werde ich auf jeden Fall weiter in den Urlaub fahren. Solange es meinen Gesundheitszustand zulässt, bin ich bereit, das Geld auch zu investieren. Weil ich tu mir ja was Gutes.
Auch Klaudia Ruf, die regelmäßig mit dem Busunternehmen unterwegs ist, kann sich vorstellen, mehr zu zahlen.
100 Euro pro Person, das wäre noch zu verkraften.
Tatsächlich gebe es eine Verschiebung bei den Reisezielen, erklärt Mathias Hirsch: "Seit Kriegsbeginn stellen wir fest, dass insbesondere die Reisen ins westliche und ins südwestliche Europa und nach Nordeuropa deutlich stärker gebucht werden, als das im vergangenen Jahr der Fall war." Auch Reisen innerhalb von Deutschland - besonders an die Nord- und die Ostsee - seien stark nachgefragt.
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Ausbau der Busflotte in Richtung E-Mobilität?
Für Hirsch Reisen sei die Situation angespannt - aber noch nicht existenzbedrohend, erklärt Hirsch. "Der Gewinn sinkt. Nach unserer jetzigen Kalkulation bleibt trotzdem noch Gewinn übrig." Das sei auch wichtig: Denn im Herbst wolle das Unternehmen seine Busflotte ausbauen. Man bleibe jedoch beim Verbrenner. Die Elektromobilität sei in der Reisebusbranche noch in den Kinderschuhen, erklärt Hirsch. Ein Umstieg auf Elektromobilität sei aus "technischen Gründen nicht beziehungsweise noch nicht möglich".
"Man muss sich vergegenwärtigen, dass ein Reisebus Etappen fährt von 700 bis 800 Kilometern und die sollten ohne Aufladen erfolgen, weil das Aufladen dann doch momentan noch zu viel Zeit kostet und die Reisezeit für die Kunden sich dadurch unverhältnismäßig stark verlängern würde."
Die Elektro-Reisebusse seien im Vergleich zu den Verbrennern noch zu teuer, die Ladeinfrastruktur in Europa noch nicht großflächig gegeben und die Reichweite noch zu gering, argumentiert Hirsch. "Deshalb muss der technische Fortschritt noch erfolgen, damit die Elektromobilität auch in dieser Hinsicht konkurrenzfähig wird zu den bisherigen Antrieben."
Soforthilfen der Politik gefordert
Von der Politik fordert Hirsch, die Mineralölsteuer zu senken. Er sagt: "Wenn man sich als Unternehmer darauf verlassen könnte, dass beispielsweise ab einem gewissen Spritpreis die Erhöhungen darüber gekappt würden, zum Beispiel durch eine Senkung der Mineralölsteuer, dann hätte das natürlich eine direkte Auswirkung auf unsere Kalkulation zugunsten niedrigerer Reisepreise oder zugunsten konstanter Reisepreise."
Diese Forderung stellt auch der Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmen - kurz WBO, dessen Mitglied auch Hirsch ist. Besonders kritisch bewertet der Verband die "strukturelle Ungleichbehandlung der Verkehrsträger". Hierzu heißt es in einer Pressemitteilung des Verbandes: Während der Schienenverkehr und der Luftverkehr von umfassenden steuerlichen Begünstigungen profitierten, trage der Busverkehr eine unverhältnismäßig hohe Abgabenlast. Dies führe zu Wettbewerbsverzerrungen.
Preissteigerungen lassen sich laut WBO nur begrenzt an die Kunden weitergeben, weil Reisen langfristig kalkuliert und gebucht werden, so der Verband. Durch die hohen Spritpreise meldeten allerdings viele Busunternehmen an den Verband zurück, dass sie die Preiserhöhungen zumindest teilweise an ihre Kunden weitergeben.
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Hirsch: "Auch mal loben, wenn es was zu loben gibt"
Hohe Preise und Skepsis bei den Kunden: Dennoch blickt der Karlsruher Reiseunternehmer Hirsch positiv in die Zukunft. Denn die Politik habe die Reiseveranstalter für die ausgefallenen Reisen monatelang in der Pandemie großzügig entschädigt - "angemessen, aber auch großzügig", blickt Hirsch zurück. Aufgrund dieser Erfahrung glaubt Hirsch, dass die Politik auch jetzt die Unternehmen nicht "im Regen stehen lassen wird". Und - so ist sich Hirsch sicher: "Man soll als Unternehmer nicht jammern, sondern man soll auch mal loben, wenn es was zu loben gibt."