Der Gemeinderat in Pforzheim hat am Dienstag mehrheitlich dafür gestimmt, sich für eine Landesgartenschau ab 2038 zu bewerben. In den kommenden eineinhalb Jahren soll nun ein Konzept erarbeitet werden. Die Entscheidung darüber, ob Pforzheim den Zuschlag bekommt - und für welches Jahr - soll im Jahr 2027 fallen.
Für die Idee hatte Oberbürgermeister Peter Boch (CDU) schon im Wahlkampf getrommelt. Vor zwei Wochen war das Vorhaben erstmals Thema im Umwelt- und Planungsausschuss des Gemeinderats. Mit neun Ja-Stimmen und einer Enthaltung stimmten die Fraktionsvertreter dafür, ein Konzept für eine Bewerbung zu erarbeiten.
Mit einem neuen Konzept startete vor gut einer Woche die Gartenschau in Freudenstadt und Baiersbronn:
Kretschmann lobt Zusammenarbeit Gartenschau Freudenstadt Baiersbronn eröffnet: Acht Kilometer den Fluss entlang
Am Freitag ist die Gartenschau im "Tal X" im Nordschwarzwald eröffnet worden. Das Konzept ist neu: Auf einer kilometerlangen Strecke können Besucher Blumen, Kunst, Essen entdecken.
Landesgartenschau soll Pforzheim Entwicklungsschub geben
Nach der ersten Gartenschau 1992, aus der der heutige Enzauenpark entstand, würde eine zweite Schau Pforzheim einen einmaligen Entwicklungsschub bescheren. Darin waren sich in der jüngsten Sitzung des Umwelt- und Planungsausschuss fast alle einig. Zumal dabei auch beträchtliche Fördergelder winkten, wie der Chef des Planungsbüros Planstatt Senner, Johann Senner, ausführte. Das Land bezuschusse bei Gartenschauen Projekte mit bis zu 60 Prozent. Hinzu kämen weitere mögliche Fördergelder von Bund und EU.
Gartenschauen sind zu 90 Prozent "Sowieso-Projekte" – Investitionen, die man sowieso irgendwann tätigen muss. In diesem Fall aber mit immensen Förderungen.
Das Büro Planstatt Senner gilt als Spezialist für die Planung von Gartenschauen. Bereits elf erfolgreiche Bewerbungen kann das Unternehmen mit Sitz in Überlingen vorweisen – darunter auch die Gartenschau 2015 in Mühlacker. Bürgermeister Tobias Volle bezeichnete die Planer gar als "Weltmarktführer für Gartenschaubewerbungen".
Blaues Band mit "Goldnuggets" soll sich durch die Stadt ziehen
Vier Suchräume haben die Spezialisten in Pforzheim identifiziert, auf denen eine Gartenschau stattfinden könnte: in der Oststadt, im Zentrum, im Westen und die Davoswiesen an der Nagold. Klare Präferenz, so Firmenchef Johann Senner, liege im Zentrum. Dort sehen die Planer in puncto Stadtentwicklung das größte Potenzial.
Den Schwerpunkt würde ein Areal rund um das Stadttheater zwischen Nagold, Enz und Zerrennerstraße bilden. Mit den Flüssen als eine Art blaue Kette, an der die Gartenschau-Höhepunkte "wie Goldnuggets" hängen: grüne Oasen, die durch Rundwege miteinander verbunden sind.
Ziel der Landesgartenschau: Mehr Lebensqualität in die Innenstadt bringen
Aber auch Schlossberg, Messplatz, die Kleingärten an der Habermehlstraße und die Davoswiesen Richtung Dillweißenstein könnten mit einbezogen werden. Ziele seien unter anderem, die Flussufer aufzuwerten und miteinander zu verbinden und mehr öffentliche Frei- und Grünflächen zu schaffen. Damit gehe auch eine ökologische und klimatische Aufwertung der Innenstadt einher. Grundsätzlich gelte es, mehr Lebensqualität in die City zu bringen.
Stadträte von ersten Ideen für Landesgartenschau in Pforzheim begeistert
Im Umwelt- und Planungsausschuss hinterließ die Präsentationen nachhaltigen Eindruck. Fast einstimmig war von einer einmaligen Chance die Rede, die Stadt nachhaltig aufzuwerten. Monika Descharmes von der FDP sprach von einem "Booster," also einem Entwicklungsschub für die Stadt.
Andere Redner erinnerten an die erfolgreiche Landesgartenschau 1992, aus der der heutige Enzauenpark entstand. Ein beliebtes Naherholungsgebiet, das keiner mehr missen wolle. Aber auch in der Überzeugung, dass man die Bevölkerung von Anfang an mit ins Boot nehmen und beteiligen müssen, waren sich die Räte einig.