Rund 300 Teilnehmer

Demonstration: Bündnis aus Karlsruhe fordert Rentenreform

Rund 300 Menschen haben sich in Karlsruhe an einer Demonstration für faire Renten beteiligt. Ein Bündnis aus Gewerkschaften und Sozialverbänden fordert, das Rentenniveau auf 53 Prozent zu erhöhen.

Teilen

Stand

Von Autor/in Johannes Stier, Sebastian Binz

Unter dem Motto "Wer Rentner*innen quält – wird nicht gewählt" hatte am Freitag ein breites Bündnis aus Gewerkschaften und Sozialverbänden zu einer großen Renten-Demonstration und Kundgebung in Karlsruhe aufgerufen. Rund 300 Menschen kamen laut Polizei zur Kundgebung - deutlich weniger als von den Organisatoren erwartet.

Demo für faire Renten in Karlsruhe
Bärbel Dennig aus Karlsruhe ist seit September 2024 in Rente. Sie nimmt an der Demonstration teil, weil sie mit ihre Rente unzufrieden ist.

Ich war 45 Jahre in der Pflege tätig und bin entsetzt, was ich an Rente bekomme.

Rund 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner dürfen am 23. Februar den Deutschen Bundestag wählen. Die Renten werden im Vorfeld der Wahl eher wenig thematisiert.

Alle Informationen zur Wahl gibt es hier:

Wenn die Rente kaum ausreicht

Roswitha Wagner aus Karlsruhe, gelernte Arzthelferin, hat jahrelange in der Pflege gearbeitet, zwei Töchter großgezogen, den kranken Ehemann gepflegt und ist körperlich schwer angeschlagen. Ihre Rentenrechnung nach 31 Arbeitsjahren:

Im Moment bekomme ich etwas über 800 Euro Erwerbsminderungsrente.

(Symbolbild) Eine ältere Frau öffnet ihr Portemonnaie. Zu sehen sind ihre Hände und ein Fünf-Euro-Schein.
Vor allem die geburtenstarken Jahrgänge treibt das Thema Rente um. Viele gehen in den kommenden Jahren in den Ruhestand. Doch auch junge Menschen sind beunruhigt.

Als ihr kranker Mann stirbt, bekommt die heute 60-Jährige, Bandscheibenvorfälle, erleidet Komplikationen mit der Wirbelsäule und ist bis heute körperlich schwer eingeschränkt. Nur weil sie die Wohnung der Mutter erbt und keine Miete zahlen muss, schafft sie es über die Runden.

Immer mehr Menschen in Deutschland reicht ihre Rente nicht zum Lebensunterhalt. Laut Statistischem Bundesamt gibt es einen Anstieg von rund 40 Prozent seit 2015.

Bündnis aus Karlsruhe fordert Reform beim Thema Rente

Um daran etwas zu ändern, fordert das Karlsruher Bündnis Reformen im deutschen Rentensystem. An ihm beteiligen sich unter anderem die Gewerkschaft ver.di, der Sozialverband VdK und der Deutsche Gewerkschaftsbund.

Die Politiker wären gut beraten, die Daseinsvorsorge der Bürgerinnen und Bürger ernster zu nehmen.

Das Bündnis fordert, das Rentenniveau "auf 53 Prozent" zu erhöhen. Die Mindestsicherung soll "deutlich verbessert" werden und die Rente soll sich allgemein an der Lohnentwicklung orientieren: "zumindest in Höhe der Inflation."

Demo für faire Renten in Karlsruhe

Alle sollen in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen

Und wer soll das bezahlen? Hans-Josef Hotz vom Sozialverband VdK hält die Finanzierung mit einer "solidarischen Versicherung aller Erwerbstätigen" für realistisch. Geht es nach Hotz, sollen die Versorgungswerke, wie das der Ärzte oder die Beamtenversorgung in die gesetzliche Rentenversicherung integriert werden.

Wenn alle in eine Versicherung zahlen, bedeutet das eine finanziell bessere Ausstattung der Rentenversicherung.

Zudem soll die Rentenkasse durch zusätzliche Steuergelder und eine höhere Beitragsbemessungsgrenze gefüllt werden. Eine Erhöhung des Renten-Eintrittsalters schließt das Bündnis aus.

Baden-Württemberg

SWR-Datenrecherche "Verrentungswelle" "Boomer"-Verrentung: Experte fordert deutliche Anhebung des Renten-Eintrittsalters

Wirtschaftswissenschaftler Bernd Raffelhüschen fordert angesichts der Verrentung der geburtenstarken Jahrgänge, das Rentenalter deutlich anzuheben. Andernfalls sieht er große Probleme auf BW und RLP zukommen.

Guten Morgen Baden-Württemberg SWR1 Baden-Württemberg

Flexirente & Co. Früher in Rente? Reicher in Rente? Neue Regeln clever nutzen

Welche Regelungen gelten, wenn man Rente bezieht und weiterarbeitet? Wie lassen sich Abschläge in Frührente ausgleichen?

Marktcheck SWR

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Johannes Stier
Sebastian Binz
Portrait Sebastian Binz