Unter dem Motto "Wer Rentner*innen quält – wird nicht gewählt" hatte am Freitag ein breites Bündnis aus Gewerkschaften und Sozialverbänden zu einer großen Renten-Demonstration und Kundgebung in Karlsruhe aufgerufen. Rund 300 Menschen kamen laut Polizei zur Kundgebung - deutlich weniger als von den Organisatoren erwartet.
Ich war 45 Jahre in der Pflege tätig und bin entsetzt, was ich an Rente bekomme.
Rund 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner dürfen am 23. Februar den Deutschen Bundestag wählen. Die Renten werden im Vorfeld der Wahl eher wenig thematisiert.
Alle Informationen zur Wahl gibt es hier:
Wenn die Rente kaum ausreicht
Roswitha Wagner aus Karlsruhe, gelernte Arzthelferin, hat jahrelange in der Pflege gearbeitet, zwei Töchter großgezogen, den kranken Ehemann gepflegt und ist körperlich schwer angeschlagen. Ihre Rentenrechnung nach 31 Arbeitsjahren:
Im Moment bekomme ich etwas über 800 Euro Erwerbsminderungsrente.
Als ihr kranker Mann stirbt, bekommt die heute 60-Jährige, Bandscheibenvorfälle, erleidet Komplikationen mit der Wirbelsäule und ist bis heute körperlich schwer eingeschränkt. Nur weil sie die Wohnung der Mutter erbt und keine Miete zahlen muss, schafft sie es über die Runden.
Immer mehr Menschen in Deutschland reicht ihre Rente nicht zum Lebensunterhalt. Laut Statistischem Bundesamt gibt es einen Anstieg von rund 40 Prozent seit 2015.
Bündnis aus Karlsruhe fordert Reform beim Thema Rente
Um daran etwas zu ändern, fordert das Karlsruher Bündnis Reformen im deutschen Rentensystem. An ihm beteiligen sich unter anderem die Gewerkschaft ver.di, der Sozialverband VdK und der Deutsche Gewerkschaftsbund.
Die Politiker wären gut beraten, die Daseinsvorsorge der Bürgerinnen und Bürger ernster zu nehmen.
Das Bündnis fordert, das Rentenniveau "auf 53 Prozent" zu erhöhen. Die Mindestsicherung soll "deutlich verbessert" werden und die Rente soll sich allgemein an der Lohnentwicklung orientieren: "zumindest in Höhe der Inflation."
Alle sollen in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen
Und wer soll das bezahlen? Hans-Josef Hotz vom Sozialverband VdK hält die Finanzierung mit einer "solidarischen Versicherung aller Erwerbstätigen" für realistisch. Geht es nach Hotz, sollen die Versorgungswerke, wie das der Ärzte oder die Beamtenversorgung in die gesetzliche Rentenversicherung integriert werden.
Wenn alle in eine Versicherung zahlen, bedeutet das eine finanziell bessere Ausstattung der Rentenversicherung.
Zudem soll die Rentenkasse durch zusätzliche Steuergelder und eine höhere Beitragsbemessungsgrenze gefüllt werden. Eine Erhöhung des Renten-Eintrittsalters schließt das Bündnis aus.
SWR-Datenrecherche "Verrentungswelle" "Boomer"-Verrentung: Experte fordert deutliche Anhebung des Renten-Eintrittsalters
Wirtschaftswissenschaftler Bernd Raffelhüschen fordert angesichts der Verrentung der geburtenstarken Jahrgänge, das Rentenalter deutlich anzuheben. Andernfalls sieht er große Probleme auf BW und RLP zukommen.