Fast pünktlich zum Schulstart nach den Sommerferien: Die Riesenrutschen in Calw stehen. 43 und 17 Meter lange Röhrenrutschen ziehen sich hintereinander vom höher gelegenen Stadtteil Wimberg durch den Stadtgarten bis fast in die Innenstadt. Statt Bus zu fahren oder zu laufen, können Schülerinnen und Schüler jetzt sogar in einem "Rutsch" nach Hause kommen. Beide Rutschen sind in den Hang des Stadtgartens hineingebaut.
Stadtgartenumbau mit Spaßfaktor
Der Bau der beiden Riesenrutschen ist Teil des Umbaus des sieben Hektar großen Stadtgartens. Die Idee zum Projekt kam bei einem bundesweiten Wettbewerb zustande. Es ging darum, ein Klimakonzept für den neuen Calwer Stadtgarten zu entwerfen. Architekt Patrick Humpert hat gewonnen.
Patrick Humpert möchte, dass die Schüler zum Beispiel vom Berufsschulzentrum oder der Realschule Calw Spaß und einen kurzen Heimweg haben. "Die Schüler sollen nach Hause rutschen können", so der Architekt.
Die Rutschen sollen vor allem Freude machen.
Rutschen gegen Eltern-Taxis
Oberhalb des Hangs, im Ortsteil Wimberg, gibt es einige Schulen. Für Schülerinnen und Schüler, die unterhalb des Hangs in Calw wohnen, ist der steile Weg durch den Stadtgarten ein kleines Hindernis gewesen.
Da der Umbau des Stadtgartens Teil eines Klimakonzepts ist, hatte Patrick Humpert die Idee, mit den Rutschen die Zahl der Eltern-Taxis zu verringern. "Die Schülerinnen und Schüler rutschen den Berg hinunter, und ihre Eltern holen sie erst unten in der Stadt ab."
Eröffnung am Freitagnachmittag: Erste Rutsch-Versuche
Am Freitagnachmittag sind die Ersten bereits die neuen Rutschen hinuntergerutscht. Egal, ob sechs oder 80 Jahre alt: Viele rutschen immer wieder. Auch der Architekt des neuen Stadtgartens ist zum ersten Mal gerutscht. "Besser, als den ganzen Berg runterzulaufen", sagt ein Berufsschüler.
Die Rutschen seien das i-Tüpfelchen des ganzen Stadtgarten-Umbaus, erzählt Florian Kling, Oberbürgermeister von Calw (SPD). Er habe viele Bürgerinnen und Bürger mehrmals daran erinnern müssen, dass der ganze Stadtgarten umgebaut und eröffnet wurde und nicht nur die Riesenrutschen.
Ich bin die große und die kleine gerutscht. Die große Rutsche hat eine gute Geschwindigkeit, das hat mich fasziniert.
Hans Frei hat die Riesenrutschen direkt nach der Eröffnung ausprobiert – gleich mehrfach – und war begeistert. Schade findet er aber, dass man trotzdem noch ein Stück in die Innenstadt laufen muss, wenn man am Ende der zweiten Rutsche angelangt ist.
Bis zu 35 km/h: Wie sicher sind die Rutschen?
Nach Angaben der Stadt kann mit bis zu 35 km/h gerutscht werden. Die Rutschen sind laut Stadt und Architekt aber DIN-konform und vom TÜV abgenommen. Natürlich müssen wie bei jeder Rutsche auch ein paar Regeln beachtet werden.
Das steckt hinter dem neuen Stadtgarten-Konzept in Calw
Der Umgestaltung des Stadtgartens ist Teil eines Klimakonzepts. Der Stadtgarten wurde für etwa 1,5 Millionen Euro umgestaltet, inklusive Bepflanzungen. Es wurden neue Pflanzen gepflanzt, Entsiegelungs- und Renaturierungsmaßnahmen umgesetzt und eine Frischluftschneise für die Innenstadt. Die Rutschen seien das, was dann auch Touristen, Gästen und Wanderern ein Naturerlebnis bieten würde, erzählt Oberbürgermeister Florian Kling.
Laut dem Architekten stehe auch Ressourcenschonung im Vordergrund. Fast alle Steine, die bei den Bauarbeiten im Stadtgarten eingesetzt werden, seien recycelt. Auch Bänke und sonstige Materialien habe man gesammelt. Das Projekt wird vom Bund mitfinanziert, Calw trägt die Kosten nicht allein.
Ob die Rutschen wirklich zum "schnellen Heimweg" der Schülerinnen und Schüler oder dem ein oder anderen Berufstätigen werden, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.