An Rosenmontag werden in der badischen Gemeinde Forst Straßen gesperrt und Geschwindigkeitsmesser aufgebaut. Aber nicht, um den Verkehr zu regeln und Raser zu bestrafen, sondern ganz im Gegenteil: In der kleinen Gasse ist das Rasen am Rosenmontag ausdrücklich erwünscht. Vorausgesetzt, die Fahrer sitzen auf einer Couch.
In Forst mit Strategie ins Ziel
Seit 14 Jahren veranstaltet der Fastnachtsverein in Forst das Internationale Couch-Rennen. Die Teams müssen dabei eine handelsübliche Couch mit Rollen durch einen Parcours schieben. Wichtig dabei: Ein Team-Mitglied muss sich zu jeder Zeit auf der Couch befinden.
Titelverteidiger sind die "Forschter Schlotter". Die wollen in diesem Jahr nicht nur den ersten Platz machen, sondern auch ihren eigenen Rekord brechen. 50 Sekunden und 78 Millisekunden war das im vergangenen Jahr. Das geht nicht ohne Strategie: "Wir haben den Schwersten auf der Couch sitzen für den möglichst tiefen Schwerpunkt", erklärt Holger Diefenbach.
Unser Ziel: Zum einen überleben und zum anderen den Rekord brechen. Wie das letzte Mal. Dafür sind wir da!
Fast alles erlaubt beim Couch-Rennen in Forst
Was die "Forschter Schlotter" von ihrer Mission trennt sind knapp 200 Meter und einige Heuballen - der Hindernis-Parcours. Doch bevor es damit losgeht, überprüft eine "qualifizierte technische Abnahmekommission" zuerst die fahrbaren Sitzgelegenheiten. Zwei Regeln gibt es nämlich zur Zulassung der Couches: Sie dürfen nicht mit Seilen gezogen werden und die Rollen müssen groß genug sein.
Die drei Couches für das Internationale Couch-Rennen 2025 sind zugelassen und abfahrbereit. Holger Diefenbach und die "Forschter Schlotter" auch. Wie es sich für ein traditionsbewusstes Sportereignis gehört, wird zuerst die Nationalhymne angestimmt, also das Badener Lied, bevor Holger Diefenbach auf der Couch Platz nimmt und sich der Rest seines Teams auf Startpositionen begibt.
Alles geben, um Forster Couch-Weltmeister zu bleiben
Sie lauschen angespannt dem Countdown des Publikums. "3...2...1", und dann schieben sie los, schmeißen sich in die Kurve und um den ersten Heuballen herum, biegen wieder auf die Hauptstrecke ab und meistern auch den zweiten Zirkel. Auf der Zielgeraden geben sie nochmal alles - 12 Stundenkilometer zeigt der Geschwindigkeitsmesser an. Sie überqueren die Ziellinie und Rennleiter Franz Retzlaff verkündet die Zeit. 50 Sekunden und etwas über 40 Millisekunden. Damit haben die "Forschter Schlotter" den Streckenrekord gebrochen.
"Weisheit mit Löffeln fressen reicht nicht, man muss auch mal rennen können. Und das haben wir geschafft!"
Zumindest beim Internationalen Couch-Rennen in Forst ist das so. 2011 entstand das Rennen aus einer Schnapsidee, erzählt Fastnachtspräsident Dirk Becker. Das "Schlumpen" hätte am Rosenmontag in Forst schon immer dazugehört. Das ist eine Art unorganisierter Faschingsumzug von allen, die eben mitmachen wollten. 2010 wurde einer der Feiernden auf einer Couch durch Forst geschoben, und so war das internationale Event geboren.
Wir haben uns sofort gedacht: Da können wir doch einen Wettkampf draus machen!
Das Couch-Rennen in Forst: Ein internationales Großereignis?
International sei das Rennen übrigens deshalb, weil auch schon Mal ein niederländisches Team mitgemacht habe, erzählt der Präsident. Wer wird aber denn jetzt zum Forster Weltmeister? Nach den "Forschter Schlottern" war der Wettkampf schließlich noch nicht vorbei.
Sieben Teams treten an die Startlinie. Und immer, wenn Rennleiter Franz Retzlaff die Rundenzeiten verliest, hebt Holger Diefenbach seinen Becher. Nur ein anderes Team schafft den Parcours unter einer Minute. Keines kommt unter die von ihnen vorgelegte Zeit.
Das war Weltklasse mit dem Team! Wir kamen, sahen, siegten und nächstes Jahr sehen wir uns wieder!