Etwa neun Tonnen Feuerwerk hat Thomas Kist in Achern (Ortenaukreis) in einem Bunker gelagert. Es ist der Grund, warum an Silvester in Kappelrodeck (Ortenaukreis) die Menschen weniger selbst böllern: Statt vieler kleiner Feuerwerke gibt es in der Gemeinde ein großes Höhenfeuerwerk - finanziert durch Spenden von den Leuten aus dem Ort und den Nachbargemeinden. Es ist inzwischen ein richtiges Event und eine lieb gewonnene Tradition in Kappelrodeck und Umgebung.
Pyrotechniker machen Feuerwerk in Kappelrodeck im Wechsel
Thomas Kist ist seit neun Jahren ausgebildeter Pyrotechniker. Erst hatte er in Kappelrodeck mit einem eigenen kleineren Feuerwerk angefangen. Nach und nach seien dann Nachbarn auf ihn zugekommen und wollten sich am Feuerwerk beteiligen. Das Feuerwerk wurde über die Jahre hinweg immer größer. Im Rathaus und in der Sparkasse stehen inzwischen für das Feuerwerk Spendenboxen bereit.
Bis zum vergangenen Jahr gab es in Kappelrodeck und Umgebung immer zwei größere Feuerwerke. Eines um 22:30 Uhr von Thomas Kist und eines um 00:15 Uhr von seinem Pyrotechnikerkollegen Nico Wiegert. Ab diesem Jahr wechseln sich die beiden Pyrotechniker ab, um die viele Arbeit zu reduzieren. Den Anfang macht Thomas Kist. Neben dem Feuerwerk betreibt er kurz vor Silvester auch einen Feuerwerksfachhandel.
Ich stehe an Silvester bis um zwölf Uhr noch an der Ladentheke und mache mich dann direkt auf, das Feuerwerk aufzubauen.
Direkt danach folgt dann der Abbau. Und auch am 1. Januar ist er damit beschäftigt, den Rest wegzuräumen und die Ausrüstung zu putzen. Das alles macht er nebenberuflich. Das Jahr über arbeitet er in seinem eigentlichen Job als Wirtschaftsinformatiker. Dem Pyrotechniker mache es aber Spaß, die Reaktion der Leute zu sehen - vor allem das Glänzen in den Kinderaugen. In seinem Job habe er immer mit Problemen zu tun, die er lösen müsse. Ein Feuerwerk mache er hingegen immer zu freudigen Anlässen. Das mache mehr Spaß.
Rückhalt von Gemeinde für großes Silvesterfeuerwerk
Der Bürgermeister von Kappelrodeck, Stefan Hattenbach, begrüßt das Höhenfeuerwerk. Denn Gemeinden hätten mit falsch genutzten Böllern vor allem vier Probleme: "Umweltverschmutzung sowie Müll, Verletzungen beim Abbrennen der Feuerwerke, Brandgefahr und missachteter Tierschutz. All diese Probleme werden mit Profi-Feuerwerk, das aus privater Initiative in Kappelrodeck entsteht, minimiert." Der Bürgermeister unterstützt die beiden Pyrotechniker inzwischen auch bei der Pressearbeit.
Auch in der direkten Nachbarschaft gibt es für das Feuerwerk sehr viel Zuspruch. "Fantastisch, großartig, so bekommt man es persönlich nie hin - finanziell und auch technisch", sagt Katharina Grün. Ein großer Teil ihrer Familie schaut sich an Silvester das Feuerwerk in Kappelrodeck an. Seitdem sie in ihrer Kindheit einen Unfall miterlebt hat, fürchtet sie sich davor, selbst Raketen anzuzünden. Das große Feuerwerk sei ihr da lieber, erzählt sie.
Millionen Menschen unterzeichnen Petition für Böller-Verbot Diskussion um Feuerwerk an Silvester: Welche Wege die Städte im Land gehen
Ab Montag darf bis zum 31. Dezember Feuerwerk verkauft werden. Raketen und Böller dürfen nur an Silvester und Neujahr gezündet werden. Die Diskussion um ein Verbot wird lauter.
Feuerwerk zieht auch Personen aus dem Umland an
Für den Weihnachtsbaumverkäufer Manfred Lamm hätte der ganzen Gegend nichts Besseres passieren können: "Wenn man sieht, was für Leute kommen. Das ist schon gigantisch." Auch aus den umliegenden Dörfern kommen einige, um sich das Feuerwerk anzuschauen, zum Beispiel Julia Spinner. Sie mag es, dass man einfach nur zuschauen braucht: "Besser als wenn man die eigenen Raketen auf dem Boden im Dunkeln anzünden muss. Man kann einfach den Jahreswechsel genießen."
Bedarf, selbst zu böllern, sehen die Leute wegen des großen Feuerwerks nicht. Holly Matchett kauft zum Beispiel höchstens noch ein paar Knallerbsen. Sie verstehe aber auch diejenigen, die an Silvester selbst etwas zünden wollen. Auch Hermann Huschel kauft schon seit Jahren kein eigenes Feuerwerk mehr. Das große Feuerwerk findet er richtig toll: "Das gehört öfter gemacht. Dann hätte man auch die Umweltverschmutzung nicht so."