Invasive Art im Landkreis Karlsruhe

Kampf gegen Ochsenfrosch: So sollen Spürhunde und Tracker jetzt helfen

Nördlich von Karlsruhe wird seit Jahren der invasive Ochsenfrosch bekämpft. Ein Forschungsprojekt mit Trackern und Hunden soll dabei helfen, die Population unter Kontrolle zu bringen.

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Von Autor/in Maximilian Stokburger

In Linkenheim-Hochstetten (Kreis Karlsruhe) wird der Jäger an diesem Sommerabend selbst zum Gejagten. Am Baggersee Streitköpfle machen sich pünktlich zur Dämmerung 19 ehrenamtliche Sporttaucher mit Keschern auf den Weg in den dunklen See. Ihr Ziel ist es, möglichst viele Kaulquappen des Ochsenfrosches einzusammeln. Die invasive Art breitet sich schnell aus.

Am Badesee Streitköpfle in Linkenheim-Hochstetten sind Taucher auf der Suche nach den Kaulquappen des Ochsenfrosches.
Nächtliche Aktion: Ehrenamtliche Taucher suchen am Bagersee Streitköpfle nach den Kaulquappen des Ochsenfrosches.

Einer der freiwilligen Taucher an diesem Abend ist Andre Baumann, Staatssekretär im baden-württembergischen Umweltministerium. Er macht im Rahmen seiner Sommertour an dem Baggersee halt. Die Bekämpfung invasiver Arten sei eine Landesaufgabe mit höchster Priorität. Der Ochsenfrosch stelle eine Gefahr für heimische Arten dar und verdränge diese. Außerdem nutze der Frosch auch Fische, Vögel und Reptilien aufgrund seiner Größe als Nahrung, so Baumann.

Er hat keinerlei Fressfeinde und deshalb wäre es am besten, wenn wir den Ochsenfrosch komplett zurückdrängen.

Der Staatssekretär des baden-württembergischen Umweltministerium sammelt am Baggersee die Kaulquappen des Ochsenfrosches.
Staatssekretär Andre Baumann (rechts) leert seine gefangenen Kaulquappen in einen Eimer. Er ist selbst begeisterter Taucher.

Landkreis Karlsruhe: So läuft die Bekämpfung des Ochsenfrosches

Der Ochsenfrosch wird auf verschiedene Arten bekämpft: Neben Sporttauchern im Wasser sind auch regelmäßig Teams, die aus Biologen bestehen, mit speziell dafür hergestellten Kleinkaliberwaffen im Einsatz und jagen die Ochsenfrösche. Seit 2016 geht das Regierungspräsidium Karlsruhe gegen die invasive Art vor. Das Land stellt dafür jährlich rund 100.000 Euro bereit. Das Gebiet rund um den Baggersee Streitköpfle in Linkenheim-Hochtetten mit seinen verschiedenen Gewässern, Seen und Teichen gilt als Gebiet, in dem sich die Amphibien besonders stark vermehren.

Taucher haben in zwanzig Minuten rund 330 Kaulquappen des Ochsenfrosches aus dem See gefischt.
Taucher haben in zwanzig Minuten rund 330 Kaulquappen des Ochsenfrosches aus dem See gefischt.

Neues Forschungsprojekt mit Sendern und Spürhunden

Ein Forschungsprojekt, das bis 2026 läuft, soll jetzt neue Erkenntnisse bringen. Im Rahmen des Projekts sollen Ochsenfrösche bald mit Sendern ausgestattet werden. Sie können dann im Wasser geortet und abgefangen werden. "Wir wollen mit neuen Methoden das Verhalten und die Bewegungen der Ochsenfrösche nachvollziehen, um so mehr über ihr Wander- und Überwinterungsverhalten zu erfahren", sagt der Leiter des Forschungsprojekts Ralph Schill.

Außerdem sollen ab Herbst speziell ausgebildete Artenspürhunde im Einsatz sein. Sie sollen Ochsenfrösche in ihren Winterquartieren an Land oder am Gewässerrand finden.

Durch das Entnehmen der fortpflanzungsfähigen Weibchen kann laut Schill das Legen tausender Eier verhindert werden.

Jagd auf Ochsenfrosch: Angler äußern Kritik

Ob Maßnahmen wie die Bejagung und Entnahme der Amphibien sinnvoll sind, wird von manchen Anglern bezweifelt. Udo Metz ist Gewässerwart beim Anglerverein Linkenheim. Auch sein Verein sei an der Bejagung des Frosches beteiligt gewesen, mittlerweile mache man aber nicht mehr mit, weil es keinen Sinn ergebe, erzählt er dem SWR. Metz spricht von einem "Tropfen auf den heißen Stein". Jährlich würde nur ein ganz kleiner Teil des Ochsenfrosch-Bestandes entnommen. Gleichzeitig wachse die Population rasant, weil ein Weibchen bis zu 20.000 Eier legen könne.

Ich bin kein Freund des Frosches, aber man sollte sich eingestehen, dass man den Kampf verloren hat. Aus meiner Sicht stehen die hohen Kosten der Bejagung in keinem Verhältnis zum Nutzen der Aktion.

Regierungspräsidium: Maßnahmen sind wichtig

Das Regierungspräsidium Karlsruhe sieht das anders. Es sei die gesetzliche Pflicht, den von der EU als invasive Art eingestuften Ochsenfrosch zu bekämpfen. Seit 2020 habe man jährlich im Schnitt rund 4.500 Kaulquappen aus dem Baggersee Streitköpfle entnommen. Die Ochsenfrosch-Population nördlich von Karlsruhe sei als stabil anzusehen. Konkrete Zahlen zur Größe der Population gibt es aber nicht.

Wir gehen davon aus, dass wir die Ausbreitung durch unsere Maßnahmen eindämmen können und der Ochsenfrosch so nicht in andere Gebiete übergeht.

Ein Ausrotten des Ochsenfrosches werde aber vermutlich nicht mehr gelingen, so Susanne Diebold vom Regierungspräsidium Karlsruhe. Trotzdem sei es wichtig, dass man weiter gegen die invasive Art vorgehe und immerhin die Ausbreitung verlangsame. Neue Impulse und Erkenntnisse erhoffen sich die Verantwortlichen jetzt von der Besenderung der Ochsenfrösche.

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