Von Beruhigung keine Spur. Nach dem Heimspiel am 4. Mai gegen den 1. FC Kaiserslautern sprach Fußball-Zweitligist Karlsruher SC von einem "unverhältnismäßigen Polizeieinsatz". Karlsruher Fans wurden vor Anpfiff im Wildparkstadion mit Gewalt und Schlagstock zurückgedrängt.
Der Fan-Dachverband Supporters legte in dieser Woche gegen die Polizei nach. In einer Mitteilung schrieb er von "unberechenbaren und intransparenten Einsatztaktiken". Die Polizei erneuerte ihre Kritik an angeblich laschen Einlasskontrollen. Ein gemeinsames klärendes Gespräch am Montag sei "konstruktiv" verlaufen, heißt es.
Darum geht's:
- Verbotene Pyro - Einlasskontrollen im Wildparkstadion in der Kritik
- Ermittlungen der Polizei laufen - Anzeigen gegen Fans des KSC drohen
- Gegenseitige Vorwürfe von Karlsruher SC und Polizei
- Klärendes Gespräch "konstruktiv" - Stillschweigen über Inhalte
Verbotene Pyro - Einlasskontrollen im Wildparkstadion in der Kritik
Auslöser für die Spannungen ist der Pyro-Skandal vom 12. November 2022 im Wildparkstadion. Damals wurden bei einer Aktion von KSC-Ultras vor dem Heimspiel gegen den FC St. Pauli elf Menschen teilweise schwer verletzt.
Die diesjährigen Begegnungen gegen den 1. FC Köln oder Schalke 04 haben gezeigt, dass die aktive Fanszene offensichtlich weiterhin in der Lage ist, nicht nur vereinzelt, sondern auch in größeren Mengen Pyrotechnik an den Einlasskontrollen vorbei ins Stadion zu bringen.
In der Folge haben Polizei und Ordnungsamt Nachbesserungen bei den vom KSC durchgeführten Einlasskontrollen gefordert. Dennoch hat es nach Einschätzung der Karlsruher Polizei keine Verbesserung gegeben. Auch am 4. Mai überprüfte die Polizei die Einlasskontrollen und forderte den Verein auf, diese zu intensivieren. Dabei kam es zu den teils gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und KSC-Fans.
Für die Begegnung gegen den 1. FC Kaiserslautern stand aufgrund der dem Spiel innewohnenden Brisanz sowie der angemeldeten Choreografie (Chaos Intro) der Einsatz von Pyrotechnik im Raum.
Ermittlungen der Polizei laufen - Anzeigen gegen Fans des KSC drohen
Zwei Tage nach dem Vorfall hatte sich ein Mann per Mail bei der Polizei gemeldet und angegeben, dass er und sein Bruder durch Reizgas verletzt worden seien. Nach SWR-Informationen wurden bei der Polizeiaktion auch vier Ordner des Karlsruher SC verletzt.
Aktuell finde eine polizeiliche Auswertung von Videoaufzeichnungen statt, um einzelne Straftaten sowie Verdächtige zu identifizieren, teilte die Karlsruher Polizei am Freitag auf SWR-Anfrage mit. Eine abschließende Aussage könne derzeit noch nicht gemacht werden. Die polizeilichen Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen.
Von Anzeigen gegen mehrere Stadionbesucher muss ausgegangen werden.
Die Polizei bestätigte die Beschwerde einer Person über die Verletzung durch Reizstoff. Es gebe allerdings nach wie vor keine Erkenntnisse über den Einsatz von Pfefferspray durch Beamte.
Es gebe auch keinen Anlass zu Ermittlungen gegen die Einsatzleitung der Polizei, heißt es gegenüber dem SWR weiter. Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe sei über die Grundzüge des Geschehens informiert worden.
KSC weist Kritik zurück Auseinandersetzung mit KSC-Fans - Polizei kritisiert mangelhafte Einlasskontrollen
Der Karlsruher SC wehrt sich gegen Kritik der Polizei an den Einlasskontrollen. Am Rande des Spiels gegen den 1. FC Kaiserslautern war es zu einer Auseinandersetzung mit Fans gekommen.
Gegenseitige Vorwürfe von Karlsruher SC und Polizei
Der Karlsruher SC und seine Fans auf der einen und die Polizei auf der anderen Seite machen sich gegenseitig für die Verwerfungen verantwortlich. Mit der Neubesetzung in der Einsatzleitung bei der Polizei vor vier Jahren habe ein Bruch stattgefunden, heißt es in der Pressemitteilung des Fan-Dachverbands Supporters.
Der regelmäßige Dialog wurde eingestellt, die Kommunikation mit dem “3-Säulen-Modell” [KSC, Fanprojekt und Supporters] ist quasi nicht mehr vorhanden.
Tatsächlich hat der zuständige Einsatzleiter der Polizei nach Informationen des SWR an üblichen Kooperationsgesprächen zwischen Verein und Polizei vor Heimspielen des KSC nicht teilgenommen.
Die Polizei betont ihrerseits, dass sich der Dialog mit der Fanszene nach den Ereignissen 2022 durch den Rückzug des Fanprojekts Karlsruhe aus den Gesprächsrunden mit der Polizei deutlich erschwert habe.
Die Kritik der Supporters weist die Polizei zurück. Die Einsatzmaßnahmen am 4. Mai im Wildparkstadion seien angekündigt gewesen. Insofern könne man den Vorwurf, mit "unberechenbaren und intransparenten Einsatztaktiken" zu arbeiten, nicht nachvollziehen, so das Polizeipräsidium Karlsruhe.
Klärendes Gespräch "konstruktiv" - Stillschweigen über Inhalte
In einem gemeinsamen Gespräch haben Vertreter des Karlsruher SC, der Stadt und der Polizei am Montag versucht, die Wogen zu glätten. Nach SWR-Informationen hat die Polizei dem Wunsch des Vereins nach Teilnahme von Polizeipräsidentin Caren Denner nicht entsprochen. Dennoch wird der Austausch in einer zweizeiligen gemeinsamen Mitteilung von KSC und Polizeipräsidium als "konstruktiv" bezeichnet.
Ziel war es hierbei, derartige Ereignisse [die Ereignisse beim Fußballspiel vom 4. Mai] künftig zu vermeiden und vor diesem Hintergrund die kooperative Zusammenarbeit auszuweiten.
Über den weiteren konkreten Inhalt des Gesprächs wurde von allen Beteiligten Stillschweigen vereinbart. Es sei beabsichtigt, die gemeinsamen Absprachen vor den Heimspielen im Wildparkstadion wieder zu intensivieren, gerade auch vor dem letzten Heimspiel der Saison am Sonntag gegen Paderborn.
Nach der Saison werde es einen weiteren Austausch geben, heißt es in der gemeinsamen Mitteilung weiter, um "die kommende Spielzeit gemeinsam und bestmöglich vorzubereiten".