Lamm Henry hat es sich auf den Füßen von Sabine Zenker gemütlich gemacht. Während seine Ersatzmama in ihrem Büro im Rat von Enzklösterle (Kreis Calw) mit einer neuen Mitarbeiterin spricht, kaut er an ihren Schnürsenkeln. Viel Zeit zum Rumliegen hat er heute aber nicht, weil der Tag einer Bürgermeisterin prall gefüllt ist und Henry ist natürlich überall dabei.
Erst im Rathaus, dann Wettrennen im Kindergarten
Beim Besuch im Waldkindergarten wollen zwanzig Kinder gleichzeitig Henry streicheln. Doch es wird ihm schnell zu viel und er versteckt sich hinter Sabine Zenker. Das Wettrennen mit den Kindern macht ihm dann viel mehr Spaß. Und die Kinder haben noch etwas über Schafe gelernt.
Das ist für viele Kinder ein ganz, ganz tolles Erlebnis und dafür steht eigentlich auch unser Kindergarten.
Am liebsten ist Henry auf Terminen draußen dabei und kann nach Lust und Laune toben. Weiter geht es mit dem Auto zu einer neu gebauten Aussichtsplattform mitten im Wald. Während die Bürgermeisterin die Bauabnahme des ehrenamtlichen Projekts macht, springt Henry von Felsen zu Felsen und knabbert an Heidelbeerbüschen.
Henry ist da zum Glück sehr unkompliziert. Er darf in den Kofferraum und kam mit auf die Heidelbeer-Plattform dazu.
Lamm nach Greifvogelangriff gerettet
Der kleine Henry ist vier Wochen alt. Sabine Zenker zieht ihn von Beginn an mit der Flasche auf, nachdem er bei einem Greifvogelangriff auf der Weide von seiner Mutter getrennt wurde. Seitdem weicht Henry seiner Ersatzmama nicht mehr von der Seite. Auch bei ihren Aufgaben als Bürgermeisterin nimmt sie ihn einfach überall mit hin.
Doch der Kleine benimmt sich nicht immer so, wie er eigentlich sollte. "Henry kommt grundsätzlich auf sehr blödsinnige Ideen", sagt Sabine Zenker. "Zum Beispiel haben wir relativ schnell im Rathaus festgestellt, dass sämtliche Zimmerpflanzen eine Etage höher stehen sollten. Wir haben auch die Steckdose für ihn unerreichbar gemacht. Und er liebt es, Papierkörbe auszuräumen." Gemeinsam mit seiner besten Freundin, Hündin Malu, stellt Henry das Leben der Bürgermeisterin auf den Kopf.
Büroarbeit findet Lamm Henry langweilig
Am Nachmittag will die Bürgermeisterin Papierkram erledigen. Aber ihr Ziehsohn hat etwas anderes vor und pinkelt auf den Teppichboden im Büro. Der Teppichboden ist das Erste, was eine Grundreinigung bekommt, wenn der nicht stubenreine Henry wieder bei seiner Herde ist.
Unser Henry ist halt ein Auslaufmodell. Das heißt er pieselt überall hin, wo er grad steht und geht.
Alles fürs Lämmchen: Bürgermeisterin auch nachts im Einsatz
Das Lamm bringt das Bürgermeisterinnen-Leben von Sabine Zenker ganz schön durcheinander: Alle zwei Stunden muss er sein Fläschchen bekommen - auch nachts. Doch das soll keine Dauerlösung werden.
Henry werde schon jetzt an eine Schafsherde gewöhnt, so Sabine Zenker. Denn wenn er kein Fläschchen mehr braucht, soll er bei seinen Artgenossen leben - wie ein ganz normales Schaf. "Er wird langsam erwachsen. Wenn er in die Pubertät kommt, hat er eigentlich kein großes Interesse mehr an seiner Mama, also an mir. Er nabelt sich langsam ab", erklärt die Bürgermeisterin.
Noch zwei bis drei Monate kann man die zwei im Doppelpack sehen. Sabine Zenker freut sich drauf, wenn danach wieder ein bisschen Ruhe im Rathaus einkehrt.