Thema im Gemeinderat

Teil der Energiewende: EnBW prüft Bau von neuem Gaskraftwerk in Karlsruhe

Die EnBW prüft den Bau eines neuen Gaskraftwerks am Karlsruher Rheinhafen. Der Gemeinderat beschäftigt sich bereits mit dem Thema. Klimaaktivisten üben deutliche Kritik.

Teilen

Stand

Das Energieversorgungsunternehmen EnBW prüft den Bau eines zusätzlichen Gas- und Dampfturbinenkraftwerks am Rheinhafen in Karlsruhe. Der Karlsruher Gemeinderat soll in seiner Sitzung Ende April zu dem Vorhaben Stellung beziehen. Klimaaktivisten üben bereits deutliche Kritik.

Viertes Kraftwerk am Rheinhafen in Karlsruhe

Es wäre das vierte Kraftwerk am Karlsruher Rheinhafen. Ein Kohlekraftwerk (RDK7) und ein Gaskraftwerk (RDK4) stehen dort seit vielen Jahren, befinden sich aber im sogenannten Reservebetrieb. Sie werden nur hochgefahren, wenn es Engpässe bei der Energieversorgung gibt. Das einzige aktive Rheinhafendampfkraftwerk ist das Kohlekraftwerk RDK8. Laut EnBW soll es noch bis 2028 laufen.

Karlsruhe

Karlsruher Kohlekraftwerk nur noch Reserve EnBW nimmt eins von zwei Rheinhafen-Dampfkraftwerken aus dem Regelbetrieb

Im Karlsruher Rheinhafen ging am Sonntag nach 39 Jahren eine Ära zu Ende. Eins von zwei Kohlekraftwerken der EnBW wurde aus dem Regelbetrieb genommen.

SWR4 BW am Samstagmorgen SWR4 Baden-Württemberg

EnBW prüft Standorte unter anderem in Karlsruhe

Die EnBW prüfe derzeit alle ihre Kraftwerksstandorte, um die Möglichkeiten für neue Projekte zu sondieren, sagte eine Unternehmenssprecherin gegenüber dem SWR. Das neue Gaskraftwerk sei Bestandteil der Energiewende. Es könnte schnell hochgefahren werden, wenn Strom aus regenerativer Erzeugung ausbleibt, weil Wind oder Sonne fehlen.

Auch wenn Karlsruhe für eine neue Gas- und Dampfturbinenanlage sicher prädestiniert ist, ist dennoch keine Entscheidung gefallen.

Das neue Rheinhafendampfkraftwerk (RDK9) würde die Energieversorgung langfristig sichern, so das Energieunternehmen.

EnBW: Entscheidung abhängig von Bundespolitik

Auf einen Zeitpunkt für den möglichen Baubeginn wollte sich die Sprecherin allerdings nicht festlegen. Die Umsetzung hänge maßgeblich von der Politik ab. Die neue Bundesregierung müsse zeitnah ein Kraftwerksicherungsgesetz auf den Weg bringen, sonst wäre ein solches "H2-ready"-Gaskraftwerk nicht wirtschaftlich zu betreiben. Erst mit dieser gesetzlichen Grundlage könne die Planung für das Kraftwerk entscheidend vorangetrieben werden, so die EnBW weiter.

Nach der Inbetriebnahme soll das Gaskraftwerk bis zu 850 Megawatt netto produzieren. Das sind 16 Megawatt mehr, als das Kohlekraftwerk RDK8 momentan produziert. Ab Mitte der 2030er-Jahre soll das neue Gaskraftwerk laut EnBW auf klimaneutralen Wasserstoff umgestellt werden und so Strom und Fernwärme erzeugen.

Kritik: Kraftwerk soll mit fossilen Energiequellen betrieben werden

Die Pläne der EnBW stoßen auf Kritik von Umweltverbänden. Das Klimabündnis Karlsruhe kritisiert, dass das geplante Gaskraftwerk nicht grünen Wasserstoff aus erneuerbaren Energien zur Energiegewinnung nutze, sondern blauen Wasserstoff aus fossilen Energiequellen.

Blauer Wasserstoff wird aus Erdgas gewonnen. Er gilt als klimaneutral, weil das bei der Erzeugung entstehende CO2 im Boden gelagert werden soll und somit nicht in die Atmosphäre gelangt. Es sei allerdings nicht klar, wie lange das CO2 wirklich im Boden bleibt, kritisiert das Klimabündnis Karlsruhe.

Das Klimabündnis Karlsruhe warnt vor vorschnellen Entscheidungen und weist darauf hin, dass es momentan keinen Handlungsdruck gäbe. Es sei nicht klar, welche energiepolitischen Veränderungen die neue Bundesregierung anstrebe.

Es ist absehbar, dass sowohl die Kraftwerksstrategie als auch der Netzentwicklungsplan mit der neuen Regierung verändert werden.

Wie steht Karlsruhe zum Vorhaben der EnBW?

Der Hauptausschuss des Karlsruher Gemeinderats hat am Dienstag über die Pläne beraten. Am 29. April steht das Thema auf der Tagesordnung des Gemeinderats, das Gremium soll dann mit einem Beschluss Stellung beziehen. Erste Gespräche mit der Stadt über die Bauplanung hat es bereits gegeben.

In der Beschlussvorlage für den Gemeinderat wird die Bedeutung eines weiteren Gaskraftwerks für die Stadt und für die ganze Region hervorgehoben. Der Standort würde im Fall eines Neubaus zukunftsfähig ausgebaut und dauerhaft gesichert, heißt es dort.

Freiburg

Studie Fraunhofer-Institut Freiburg Photovoltaik und Batteriespeicher erzeugen günstigsten Strom

Auch in Kombination mit Batteriespeichern sind erneuerbare Energien, etwa Photovoltaik-Anlagen, wohl die günstigste Art der Stromerzeugung.

SWR Aktuell Baden-Württemberg mit Bodensee Aktuell SWR BW

Energie Wozu brauchen wir grünen Wasserstoff?

Grünen Wasserstoff werden wir in Deutschland und in jedem Industriestaat in größeren Mengen brauchen – nicht zum Verheizen, sondern als Rohstoff. Von Werner Eckert | Text und Audio dieses Beitrags stehen unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-NC-ND 4.0.

Produktion und Infrastruktur Das ist für grünen Wasserstoff notwendig

Grüner Wasserstoff gilt als wichtiger Energieträger einer klimafreundlichen Zukunft. Doch Erzeugung und Transport sind aufwändig.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW