Eine jüdische Gedenksäule am Willy-Brandt-Platz in der Innenstadt von Baden-Baden war Anfang dieser Woche umgeworfen und zerstört worden. Das rund zwei Meter hohe Mahnmal aus Sandstein und Beton erinnert an die Verfolgung von Juden in der Zeit des Nationalsozialismus. Nun hat es eine Mahnwache gegeben. Die Jüdische Gemeinde hatte dazu aufgerufen. Viele verschiedene Gruppierungen und die Stadt Baden-Baden waren dem Aufruf gefolgt. Etwa 150 Menschen waren gekommen.
Viele Parteien und Vereine hatten sich spontan zusammengetan und der Mahnwache angeschlossen. Nicht nur Menschen jüdischen Glaubens, sondern auch junge und ältere Bürgerinnen und Bürger kamen zusammen. Sie zeigten ihre Bestürzung über das zerstörte Denkmal. Einige Menschen legten weiße Rosen auf der Gedenkstelle ab.
Bürgermeister Tobias Krammerbauer bezeichnete die Tat als feige.
Es war ein Angriff auf unsere offene Gesellschaft. Diese Mahnwache ist ein Zeichen, dass in unserer Gesellschaft Vielfalt und Respekt nicht verhandelbar sind.
Antisemitismus sei in Deutschland nicht überwunden und aktuell wieder präsent. Die Schändung dieses Mahnmals sei für uns als Gesellschaft ein Schlag, so Krammerbauer.
Jüdische Gemeinde in Baden-Baden zeigt sich bestürzt
Joachim Knöpfel, Vorstand der Jüdischen Gemeinde zeigte sich tief betroffen:
Wir haben uns bisher sehr sicher gefühlt in unserer internationalen und sehr offenen Stadt. Aber sowas schockiert uns sehr. Wir hoffen, dass sich sowas nicht wiederholt.
Knöpfel sagte, dass antisemitische und rassistische Gedanken unsere Gesellschaft vergifteten. Die Mahnwache solle nicht nur an Ereignisse aus der Nazizeit erinnern, sondern auch ermahnen, dass eine lebendige Demokratie davon lebe, dass man solchen antisemitischen und rassistischen Aktionen Gegenwehr leiste. Für die Zukunft des zerstörten Denkmals hat Knöpfel bereits einen Plan: "Wir werden diese Säule wieder aufstellen und damit lauter als zuvor gegen Antisemitismus und Intoleranz vorgehen."
Auch Rabbiner Daniel Naftoli Surovtsev von der Jüdischen Gemeinde Baden-Baden war an der Mahnwache beteiligt.
Wir und unsere Gemeindemitglieder sind schockiert. Wir konnten uns nicht vorstellen, dass so etwas in Baden-Baden passieren kann.
Er sei dankbar, dass sich so viele Parteien und Vereine an der Mahnwache beteiligen, das bringe ihnen ein Gefühl von Sicherheit und Zusammenhalt. Er als Privatperson fühle sich weiterhin sicher in der Stadt, er trage Kippa in der Öffentlichkeit. Daniel Naftoli Surovtsev sagte, er wünsche sich, dass auf einer neuen Gedenksäule an die aktuelle Tat erinnert wird.
Gedenken an die Novemberpogrome 1938
Die Gedenksäule stand ursprünglich in einem Blumenbeet am Rande des begrünten Platzes in der Innenstadt. Im Jahr 1988 hatte die Stadt Baden-Baden die Gedenkstätte errichtet. Sie erinnert an die Verfolgung von Jüdinnen und Juden im Nationalsozialismus. Die Inschrift der Gedenktafel erinnert an die Reichspogromnacht vom 10. November 1938. Damals wurden in Baden-Baden Menschen jüdischen Glaubens in der Sophienstraße zusammengetrieben. Dort mussten sie dann mit ansehen, wie die benachbarte Synagoge geplündert und in Brand gesetzt wurde.
Gedenksäule soll wieder aufgebaut werden
Die Polizei geht davon aus, dass der Gedenkstein gezielt beschädigt wurde. Der Staatsschutz ermittelt. Die Täter sind bisher unbekannt. Die Stadt Baden-Baden hat den beschädigten Gedenkstein bereits abholen lassen. Ein Steinmetz soll ihn restaurieren. Die Gedenkstätte soll schnell wieder aufgebaut werden - in welcher Form, soll noch diskutiert werden, so der Bürgermeister. Die Stadt kommt für die Wiederinstandsetzung auf. Wann das Denkmal wieder aufgestellt wird, ist noch offen.