Hermann Müller ist der Mummelseekönig. Bei gutem Wetter läuft er in seinem Kostüm um den See, erschreckt Erwachsene und schenkt Kindern Süßigkeiten. Die Besucherinnen und Besucher machen Fotos mit ihm als Andenken. Mittlerweile wird diese Rolle für den 70-Jährigen aber immer anstrengender. Insbesondere, weil er auf Stelzen läuft.
Es ist schade auf einer Seite. Aber was will man machen. Meine Knie machen nicht mehr mit. Wenn du drei, vier Stunden hier oben stehst, merkst du das schon gewaltig.
30 Jahre König vom Mummelsee
Mit Unterbrechungen hat Hermann Müller 30 Jahre lang den Mummelseekönig gespielt. Am liebsten hat er die Leute erschreckt. Aber nur die Erwachsenen. Für Kinder habe er immer Süßigkeiten dabeigehabt.
Jedes Mal musste er sich zuerst schminken. Das Gesicht grün und die Augen blau. Das war zu Beginn gar nicht so einfach, erzählt seine Frau Margitta Müller, während Hermann sich das letzte Mal in seine Rolle begibt.
Am Anfang bin ich mit hochgefahren und habe ihn geschminkt. Das wurde mir dann aber zu lästig. Immer zu warten, bis er fertig war. Und dann habe ich ihm gesagt, das musst du jetzt selbst machen.
Zum Outfit gehören der Seegrasmantel, ein Dreizack und eine Krone. Außerdem steht er auf Stelzen. Die sehen von außen aus wie die Schuhe des Königs. Gerade das sei besonders herausfordernd.
Schwarzwald bekannt für Mythen und Sagen
Überall am See weisen Schilder und Skulpturen auf die Sagen rund um den See hin. Etwa von wunderschönen Nixen oder Mümmlein, die nachts aus dem Wasser steigen und im Mondschein auf der Wiese tanzen. Sie sollen in einem kristallenen Schloss auf dem Grunde des Sees leben. Zusammen mit dem Mummelseekönig oder dem Mummelseegeist, je nach Erzählung. Übrigens soll man keine Steine in den See werfen. Das könne ein gewaltiges Unwetter auslösen.
Der Mummelseekönig trägt dazu bei, die Mythen nicht zu vergessen
Das Kostüm gehört dem Hotel am See. Für den Hotelchef Karl-Heinz Müller, nicht verwandt mit dem König, ist ein umherstreifender Mummelseekönig wichtig für den See und seine Sagen. Er ziehe die Menschen an und begeistere auch die Kinder.
Die Sage vom Mummelseekönig gehört zum See dazu. Oft hört man auch von Gästen, von früher: "Ich habe noch ein Bild vom Mummelseekönig mit mir als Kind." Er war schon immer da, und es wäre natürlich schön, wenn er das in Zukunft wieder sein würde.
Seit zwei Jahren kein passender Nachfolger gefunden
Es ist schon über zwei Jahre her, seitdem Hermann angekündigt hat, die Rolle abzulegen. Seitdem sucht Karl-Heinz Müller vom Hotel nach einem Nachfolger. Das gestalte sich aber schwierig. Oft müsse man am Wochenende spontan zum See kommen. Ein potenzieller Nachfolger müsse gut mit Kindern umgehen können und Spaß an der Sache haben. Zwar habe es einige Bewerbungen gegeben - ein passender Kandidat sei bislang aber nicht dabei gewesen.
Nachfolge aus der eigenen Familie?
Enkel Ben hat seinen Großvater schon sein ganzes Leben als Mummelseekönig erlebt. Die Figur gehöre schon zur Familie. Im Gespräch verrät er, dass er es sich vorstellen könnte, als Nachfolger in die sehr großen Schuhe des Königs zu schlüpfen.
Das wäre jetzt schon schade, das sterben zu lassen. Das gehört ja hier zum Mummelsee dazu. Das wäre auch einfach die Traditionsweiterführung von meinem Opa, weil er es jetzt schon so lange gemacht hat.
Dass sich sein Enkel vorstellen könnte, die Rolle zu übernehmen, macht Hermann Müller stolz. Auch Karl-Heinz Müller hat vom Interesse des Enkels, den König zu spielen, gehört. Anfang nächsten Jahres wollen beide miteinander sprechen. Aus jetziger Sicht spreche nichts dagegen, dass die Tradition des Mummelseekönigs mit Enkel Ben in der Hauptrolle weitergeführt werden könnte.