Analog statt digital - dank Dorfbott

Nachrichten wie im Mittelalter: Warum in Unzhurst diese Tradition weiterlebt

Einmal im Monat lebt in Unzhurst eine alte Tradition wieder auf. Dann ist ein Mann mit den Nachrichten unterwegs - ganz analog und er bringt dabei auch noch die Menschen zusammen.

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Von Autor/in Greta Hirsch

In Unzhurst, einem Ortsteil von Ottersweier (Landkreis Rastatt), wird seit einigen Jahren eine fast vergessene Tradition wiederbelebt: Wie im Mittelalter zieht dort ein Dorfbott, also ein Dorfbote, durch die Straßen. Seine Mission: Jung und Alt zusammentrommeln, um ihnen die neuesten Nachrichten zu überbringen.

Im Ottersweierer Ortsteil Unzhurst wird seit einigen Jahren die Tradition des Dorfbotts wieder zum Leben erweckt.
Nachrichten sind sein Hobby: Rolf Meier ist als Dorfbott in Unzhurst unterwegs - und trotzt dabei Wind und Wetter.

Dorfbott wie im Mittelalter: In Unzhurst gibt es Nachrichten wieder analog

Rolf Meier fährt dafür als Dorfbott am späten Nachmittag auf seinem Fahrrad durch die Straßen von Unzhurst. Er ruft währenddessen immer wieder "Bekanntmachung! 18 Uhr!" und macht dazu Lärm mit einer großen Glocke. "Ich will, dass die Leute wissen: Aha, jetzt ist Dorfbott-Zeit", erklärt er. Sie alle sollen sich auf den Weg machen zum gemeinsamen Treffpunkt im Schulhof.

Die Nachrichten dafür bereitet er zusammen mit einem Team aus Ehrenamtlichen vor. Alles, was es in Unzhurst zu berichten gibt, findet dort einen Platz: Neuigkeiten aus dem Rathaus, den Vereinen oder der Kirche. "Klar, man findet auch viel im Gemeindeblatt", gibt der 55-Jährige zu. "Aber viele haben das Gemeindeblatt auch nicht mehr." Verschiedene Vereine kümmern sich an den Dorfbott-Abenden außerdem um die Bewirtung.

Es wird getrunken, geschwätzt, gegessen und gelacht. Das ist das Konzept, für das brennen wir einfach.

Im Ottersweierer Ortsteil Unzhurst wird seit einigen Jahren die Tradition des Dorfbotts wieder zum Leben erweckt.
Gute Vorbereitung ist alles: Jeden Monat tragen Ehrenamtliche die neuesten Nachrichten aus Unzhurst zusammen.

Gegenentwurf zum Digitalen: Mehr Kommunikation im echten Leben

Der Dorfbott soll die Menschen wieder häufiger zusammenbringen. Analog und abseits von Smartphones und Social-Media-Berieselung. "Die Leute kommunizieren häufig digital miteinander", verdeutlicht es Ottersweiers Bürgermeister Jürgen Pfetzer (CDU). "Und dazu wollten wir einen Gegenentwurf machen."

Als wir begonnen haben, hat man uns vorausgesagt, dass das kurze Zeit währen würde, und dann wird das Interesse der Leute nachlassen. Und das Gegenteil ist der Fall.

Im Ottersweierer Ortsteil Unzhurst wird seit einigen Jahren die Tradition des Dorfbotts wieder zum Leben erweckt.
Wenn der Dorfbott spricht ... Bild in Detailansicht öffnen
Im Ottersweierer Ortsteil Unzhurst wird seit einigen Jahren die Tradition des Dorfbotts wieder zum Leben erweckt.
... hören die Bürgerinnen und Bürger von Unzhurst interessiert zu. Bild in Detailansicht öffnen
Im Ottersweierer Ortsteil Unzhurst wird seit einigen Jahren die Tradition des Dorfbotts wieder zum Leben erweckt.
Häufiger die Menschen zusammenbringen: Das ist das Ziel des Dorfbotts. Bild in Detailansicht öffnen
Im Ottersweierer Ortsteil Unzhurst wird seit einigen Jahren die Tradition des Dorfbotts wieder zum Leben erweckt.
Ottersweiers Bürgermeister Jürgen Pfetzer steht hinter dem ehrenamtlichen Projekt. Bild in Detailansicht öffnen

"Was Besonderes von unserem Dorf": Dorfbott kommt in Unzhurst gut an

Neuigkeiten und nette Gespräche bei Bratwurst, Langos und Glühwein: Das kommt bei den Einwohnerinnen und Einwohnern offensichtlich gut an. Rund 200 Menschen sind der Einladung des Dorfbotts an diesem Abend gefolgt. Gut ein Zehntel der Einwohner von Unzhurst. Einmal im Monat findet das Event statt. "Das ist einfach was Besonderes von unserem Dorf", sagt Besucherin Emma Reith.

Das macht Unzhurst in gewisser Weise einzigartig.

Am Handy kann man jederzeit sein, findet Martin Gerlinger. "Aber sich mal treffen: Das ist das Tolle an dem Ganzen." Es gebe Leute, die etwas machen und da müsse man hin und das unterstützen. Und solange es diese Menschen in den nächsten Jahren noch gibt, solange wird dem Dorfbott die Arbeit sicher auch nicht ausgehen.

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Autor/in
Greta Hirsch
SWR-Redakteurin Greta Hirsch Autorin Bild

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