Vor sieben Jahren entdeckte und entfernte Hornissenfachberater Harald Wiedemann aus Karlsruhe eins der ersten Nester der Asiatischen Hornisse in Deutschland: Er fand es in Ubstadt-Weiher im Landkreis Karlsruhe. Seitdem wird er landesweit immer häufiger als Hornissenfachberater um Hilfe gebeten. Seit dem Frühjahr testet er eine neue Bekämpfungsmethode, die laut Wiedemann umweltfreundlich und deutlich effektiver ist, als alle bisher angewandten Methoden zur Bekämpfung der invasiven Hornisse. Hier war er an einem Bruchsaler Steinbruch im Einsatz:
Hornissenbekämpfung auf Schulgelände in Kraichtal
Im Kraichtaler Ortsteil Münzesheim wartet der nächste Einsatz auf Harald Wiedemann und seinen Kollegen, den Wissenschaftler Manfred Verhaagh, der bis vor wenigen Monaten bis zu seinem Ruhestand am Naturkundesmuseum in Karlsruhe gearbeitet hat. Es geht um ein Nest der Asiatischen Hornisse auf einem Schulgelände in knapp 10 Metern Höhe.
Der Kraichtaler Bürgermeister Tobias Borho (parteilos) kommt sogar persönlich vorbei, um sich die neue Bekämpfungsmethode anschauen. "Auch in Kraichtal werden immer mehr Nester gemeldet", sagt er. Die Hornisse ist vor allem eine Gefahr für den Bienenbestand, aber auch für einige Pflanzenarten.
Es ist ein sehr schönes Tier und baut schöne große Nester, aber bedroht eben unsere heimische Tierwelt.
Kraichtal: Mit heißem Wasserdampf gegen invasive Hornissen
Harald Wiedemann füllt unterdessen Wasser in eine Art Kompressor. Währenddessen stehen viele Kinder an den Fensterscheiben ihres Klassenraums und beobachten, was es da draußen nur wenige Meter neben ihrer Schule Spannendes zu sehen gibt. Sie können beobachten, wie Harald Wiedemann über eine meterlange Rohrkonstruktion den heißen Wasserdampf direkt in das Nest hineinsprüht. Aus dem Flugloch des medizinballgroßen, runden Nests steigt ein weiße Dampfwolke auf.
Das ganze Vermehrungsprotential ist umweltverträglich innerhalb von zwei Minuten auf einen Schlag vernichtet.
Bei Temperaturen von bis zu 100 Grad haben die Hornissen und ihre Brut keine Überlebenschance. Denn bereits ab 46 Grad wird es für erwachsene Tiere eng, meint der Biologe Manfred Verhaagh, für die Brut wahrscheinlich schon früher.
Durch die Feuchtigkeit wird das Nest immer schwerer. Nach wenigen Minuten fällt es schließlich von alleine zu Boden. Das Spektakel für die Schüler in der ersten Beobachterreihe ist damit schon wieder vorbei.
Wasserdampf: Asiatische Hornissen werden von Bekämpfung überrumpelt
Laut Harald Wiedemann und Manfred Verhaagh ist diese Bekämpfungsmethode schnell, umweltfreundlich und effektiv. Die meisten Tiere sind so schnell tot, dass sie gar keine Gelegenheit haben, einen Botenstoff an ihre Artgenossen außerhalb des Nests zu schicken, um sie zu warnen und in Alarmstimmung zu versetzen. Einen Schutzanzug trägt Harald Wiedemann zunächst nicht. Den zieht er erst an, wenn er die übriggebliebenen, herumschwirrenden Hornissen dann mit einem Staubsauger einsaugt.
Invasive Art auf dem Vormarsch Frank Steinacher: Der Kampf gegen die Asiatische Hornisse ist fast verloren
Die Asiatische Hornisse breitet sich auch bei uns aus und wir haben mit dem Hornissen-Experten Frank Steinacher aus Freimersheim über den Kampf gegen die invasive Art gesprochen.
Das ist der Unterschied zu herkömmlichen Bekämpfungsmethoden
Seit ein paar Jahren haben Harald Wiedemann und Manfred Verhaagh an der Methode getüftelt. Doch es habe lange gedauert, bis man einen geeigneten Hersteller für die gesamte Apparatur gefunden habe, so Verhaagh.
Die Idee war jahrelang vorhanden, im Frühjahr gab's die ersten Tests und jetzt ist es schon sicher.
Demnächst könnten Gemeinden oder Imkervereine sich solche Gerätschaften selbst anschaffen, um den Nestern der invasiven Insektenart zu Leibe zu rücken. Seit Anfang des Jahres testen die beiden Hornissenexperten die Methode, die im kommenden Jahr die Marktreife erreichen soll.