Tag der Organspende

Zwischen Leben und Tod: Wie ein Spenderherz Patrick Pirih ein zweites Leben schenkte

Für Patrick Pirih hat 2004 sein zweites Leben begonnen: Der 59-Jährige aus Sinzheim lebt seit 21 Jahren mit einem Spenderherz. Und ist dankbar für jeden Tag, den er dadurch geschenkt bekam.

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Von Autor/in Fabiola Germer

Patrick Pirih und seine Frau Elke sitzen auf ihrer Terrasse in Sinzheim (Kreis Rastatt). Alte Fotos und Zeitungsartikel liegen vor ihnen auf einem Tisch. 21 Jahre ist es nun her, dass Patrick Pirih nach einer schweren Herzerkrankung ein Spenderherz bekam. Der 59-Jährige hält eines der Fotos in den Händen und lächelt gerührt. "Ohne dieses Herz wäre ich gestorben."

Organspende hat sein Leben gerettet

Am 16. April 2004 bekam Patrick Pirih seinen "neuen Motor", wie er sein Spenderherz humorvoll bezeichnet. Dass das schon knapp über 20 Jahre her ist, kann das Ehepaar nicht so richtig glauben. Für beide steht fest: Durch die Organspende hat Patrick Pirih ein zweites Leben geschenkt bekommen und dafür sind sie jeden Tag dankbar.

Insgesamt acht Jahre war der 59-Jährige herzkrank. Eine Herzmuskelentzündung, ausgelöst durch eine Grippe, hatte sein Herz über Jahre hinweg stark geschwächt. "Ich musste fünf Jahre lang bis zu 25 Tabletten am Tag nehmen", erzählt er. Das sei nicht nur eine körperliche Belastung, sondern auch eine organisatorische Herausforderung gewesen. Seine Frau habe ihm jeden Tag geholfen, die benötigten Tabletten zu sortieren. Seine mentale und körperliche Leistungsfähigkeit haben in dieser Zeit immer mehr abgenommen, bis er nur noch zehn Prozent Herzleistung hatte. Und dem Tod näher war als dem Leben.

Tag der Organspende: Patrick Pirih lebt seit 21 Jahren mit einem Spenderherz
Fabiola Germer

Für die Ärzte war klar: Patrick Pirih braucht ein neues Herz, sonst stirbt er. 18 Monate stand er auf der Warteliste für eine Organspende. Und dann ging alles ganz schnell. In einer fünfstündigen Operation wurde ihm ein zweites Leben geschenkt. "Ohne Spenderherz wäre fertig gewesen", sagt Patrick Pirih mit Tränen in den Augen. Auch noch 20 Jahre später berührt ihn seine eigene Geschichte.

Ich habe gelacht und gestrahlt, als ich in den OP geschoben worden bin.

Elf Tage lag er nach der Operation in der Uniklinik Freiburg auf der Intensivstation. Danach musste er sich langsam in sein Leben zurückkämpfen. Geistig und körperlich hatte er schwer abgebaut. Die Muskulatur war weg. "Es war nicht leicht, wieder in alles reinzukommen", sagt Patrick Pirih. Aber: Sein starker Wille war sein ständiger Begleiter. Seine größte Unterstützung damals wie heute ist seine Frau Elke. Sie war immer an seiner Seite. Etwa ein bis zwei Jahre habe es gedauert, bis seine Leistungsfähigkeit wieder hergestellt war.

Tag der Organspende: Patrick Pirih lebt seit 21 Jahren mit einem Spenderherz
Patrick Pirih, seine Frau Elke und die beiden Kinder ein paar Wochen nach der Operation. Es war der erste Ausflug mit seinem neuen Herz. Fabiola Germer

Sicherheit, ob sein Körper das neue Herz akzeptiert, gab es für ihn nicht. Doch seine Chancen standen gut. "Ich war ansonsten kerngesund, das erhöht die Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche Transplantation." Das erste Jahr sei das wichtigste bei einer Organtransplantation, wegen der Infektionsgefahr und möglichen Abstoßungsreaktionen. Doch er hatte Glück, sein Körper hat das Spenderherz nicht abgestoßen. Trotzdem muss er heute noch alle zwölf Stunden Medikamente nehmen, damit das auch so bleibt. Alle sechs Monate muss er zur Kontrolle in die Uniklinik nach Freiburg.

Patrick Pirih führt ein ganz normales Leben

Heute führt er mit seiner Familie ein ganz normales Leben. Pirih ist sportlich aktiv, fährt regelmäßig Fahrrad und ist vor allem seiner Leidenschaft für Musik treu geblieben. Nur bei Alkohol und rohen Lebensmitteln müsse er aufpassen, weil die Infektionsgefahr zu groß sei. Auch achtet er mehr auf seine Zahnhygiene und regelmäßiges Händewaschen. "Weil das Immunsystem durch die Medikamente unterdrückt wird, ist die Gefahr einer Infektion immer sehr hoch."

Tag der Organspende: Patrick Pirih lebt seit 21 Jahren mit einem Spenderherz
Fabiola Germer

Patrick Pirih hat nach der Transplantation begonnen, bewusster zu leben - und sein Hobby zum Beruf gemacht. Er leitet als Dirigent vier Orchester, gibt Musikunterricht und spielt selbst Tuba. Auf die Frage, ob er dafür nicht besonders viel Luft brauche, lächelt er stolz und sagt: "Das geht alles".

Jeder Tag ist ein Geschenk.

In Deutschland gibt es zu wenige Organspenden

In Deutschland gibt es noch immer zu wenige Organspenden, sagt Ärztin Stephanie Hirner vom Städtischen Klinikum in Karlsruhe. Sie ist eine von sechs Transplantationsbeauftragten im Klinikum und spricht von einem "Organmangel". Im Klinikum in Karlsruhe werden Organe nicht transplantiert, sondern nur Organspendern entnommen und dann an andere Kliniken verschickt. Laut Stephanie Hirner gab es in Karlsruhe im vergangenen Jahr sieben Organspenden, im Jahr davor waren es doppelt so viele. Viel zu wenig, sagt sie. "Eigentlich bräuchten wir in Deutschland vier mal so viele Organe, um die Patienten auf den Wartelisten abzudecken."

Damit in Deutschland ein Organ entnommen und gespendet werden kann, muss die Person aktiv zu Lebzeiten einer Organspende zugestimmt haben und für hirntot erklärt werden. Das erfordert eine Reihe von Untersuchungen unter genau definierten Umständen. Als Hirntod gilt eine Person, wenn sie einen "irreversiblen Hirnfunktionsausfall" hat, sagt Hirner. Also, dass die Funktionen des Gehirns nicht mehr wiederhergestellt werden können. "Es gibt klinische Anzeichen dafür, dass das Gehirn aufgehört hat zu arbeiten. Bestimmte Reflexe funktionieren nicht mehr und als letztes hört der Patient auch auf zu atmen."

Das Atemzentrum sitzt ganz tief im Gehirn, erklärt Hirner, und wenn das betroffen ist, ist der Punkt erreicht, dass der Prozess unumkehrbar ist. Ein Mensch, der dann nicht beatmet wird, würde sterben, weil er nicht mehr atmet. "Dann folgen viele Prüfungen, Untersuchungen und klare Regeln, die zu zweit abgearbeitet werden", erklärt Stephanie Hirner. Diese Untersuchungen müssen dann noch einmal bestätigt werden. Erst dann könne der Todeszeitpunkt festgestellt werden.

Organspende: Patrick Pirih fordert andere Regelung

Dass es in Deutschland immer noch Menschen gibt, die keinen Organspendeausweis haben, kann Patrick Pirih nicht verstehen. Er fordert eine andere Regelung, so, wie es beispielsweise schon in Frankreich gemacht wird. Jeder ist dort potentieller Organspender. Wer dagegen ist, muss seinen Widerspruch aktiv in einer Agentur hinterlegen oder gegenüber den Angehörigen äußern.

"Jeder kann in die Situation kommen, dass er eine Organspende brauchen kann und das ist ein elendiges Leid, wenn ein Organ nicht mehr funktioniert. Es wäre vermeidbar."

Brackenheim

Sportler mit Spenderherz

Der 26 Jahre alte Brackenheimer Pascal Kobia hat schon viel erlebt. Eine unheilbare Herz-Diagnose mit 20 Jahren, Hoffen auf ein passendes Spenderherz und schließlich die erfolgreiche Transplantation vor zwei Jahren. Seither trainiert er als Tennisspieler für die World Transplant Games im August 2025 in Dresden. Im Interview erzählt er, was ihm Hoffnung gab.

Landesschau Baden-Württemberg SWR BW

Mainz

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