In den Weinbergen des Baden-Badener Reblands steht das Schloss Neuweier. Es ist eine der ältesten Wasserburgen Deutschlands. Ihre Geschichte reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Hier wohnten bereits Ritter und Adelige. Jetzt sucht Schlossbesitzer Robert Schätzle einen Nachfolger.
Eine Zugbrücke führt über den Wassergraben des Schlosses. Das große Eingangsportal wird von Fackeln beleuchtet. Eine Klingel gibt es nicht. Dafür einen schwarzen Löwenkopf zum Anklopfen. Auch im Schloss gibt es bei über 2.200 Quadratmetern Wohnfläche viel zu entdecken.
Mein persönliches Highlight ist die Zusammenstellung von Büchern und Dokumenten über die Jahrhunderte - gekoppelt mit den Räumen. Man kann den Zeitgeist viel besser verstehen.
Schloss Neuweier: Historischer Charme und moderner Komfort
Eine Kapelle, ein Gartenzimmer mit Springbrunnen, ein Musikzimmer mit Steinweg-Flügel oder eine Bibliothek mit Erstausgaben: Es gibt viele Besonderheiten in Schloss Neuweier. Ein besonderer Hingucker ist das Jagdzimmer. Die Möbel sind aus Horn und Elfenbein. Die Decke aus Leder. Das Jagdzimmer wurde bei der Weltausstellung in Paris 1878 gekauft, so Robert Schätzle.
Eine steinerne Wendeltreppe mit rotem Teppich führt bis ins Turmzimmer. Wer es bequemer mag, kann den nachträglich angebauten Aufzug nutzen. Im historischen Kellergewölbe gibt es einen Spa-Bereich mit Schwimmbecken, Sauna und Blick auf den Wassergraben.
Einen privaten Einblick hinter die Schlossmauern gibt es hier:
Was könnte der Traum vom eigenen Schloss kosten?
In den 1990er Jahren wurde das Schloss von den Vorbesitzern, dem Architekten-Ehepaar Joos, umfassend saniert und modernisiert. Seit ihrem Tod wohnt hier niemand mehr. Vor 13 Jahren übernahm Robert Schätzle das Schloss mitsamt Weingut. Aber selbst einzuziehen, sei für ihn nie eine Option gewesen, erklärt der Winzer.
Im Schloss fühlt sich Robert Schätzle wie Hausmeister, Museumsführer und Entdecker zugleich. Jetzt möchte er sich wieder ganz dem Weingut widmen. Einen festen Kaufpreis gibt es nicht. Der hänge vom Nutzungszweck ab, so der Besitzer. Ob privates Wohnhaus, Hotel- oder Restaurantbetrieb - vieles sei denkbar.
Verkauf an neue Besitzer: Schloss Neuweier in gute Hände abzugeben
Für Robert Schätzle ist wichtig, dass das Schloss in gute Hände kommt. Über die Generationen sei viel Liebe und Arbeit in den Erhalt geflossen, betont er. Jetzt wünscht er sich einen Nachfolger, der das wertschätzt. Auch Karl Keller vom Historischen Verein für Mittelbaden blickt mit gemischten Gefühlen auf den Verkauf.
Das Schloss ist ein Stück weit Identität hier vom Rebland.
Bis jetzt hätten alle Besitzer dieses Bauwerk und seine Geschichte sehr geschätzt, so Karl Keller. Ein Besitzerwechsel bringe Chancen, aber auch Risiken. "Man weiß ja nie, was kommt", betont er. Sein Wunsch: Dass Schloss Neuweier wieder mit Leben gefüllt wird.