Er ist sein Lebenswerk: der Biergarten "Seegugger" am Epplesee in Rheinstetten im Kreis Karlsruhe. Betreiber Harald Sieder, genannt Harry, fing hier Ende der 80er Jahre an. Damals war es noch ein Imbisswagen beim FKK-Strand. Im Lauf der Jahre kam immer mehr dazu: Bar, Pizzeria, Salaterie, Eisdiele - der "Seegugger" hatte viele Fans aus nah und fern.
Doch am 25. September 2025 der Schock: Der "Seegugger" brannte ab, mitten in der Nacht. Durch einen technischen Defekt in der Küche, ergab später das Gutachten. Harald Sieder stand vor einem Trümmerhaufen. Der Schock saß erstmal tief.
Ich war geschockt damals. Ich habe zwei Monate gebraucht, bis ich das überhaupt registriert, bis ich das verarbeitet habe.
Doch er ließ sich nicht unterkriegen. Auch, weil er so viel Zuspruch bekam. Anrufe, Zuschriften, es gab sogar eine Unterschriftensammlung. Er beschloss, den "Seegugger" wieder aufzubauen, zunächst provisorisch. Erst mal ein Imbisswagen - wie ganz am Anfang. Doch dann merkte er, dass dieser zu klein war. Er kam auf die Idee, zwei Holzhütten aufzubauen, wie sie sonst auf Weihnachtsmärkten stehen.
"Das war mein Paradies" Aufgeben ist keine Option: Gastronom vom "Seegugger" kämpft um sein Lebenswerk
Vor einem Monat ging das Lebenswerk von Harald Sieder in Flammen auf: der Biergarten "Seegugger" am Epplesee in Rheinstetten. Jetzt kämpft er für den Neuanfang.
Alle packen mit an, um den "Seegugger" wieder aufleben zu lassen
Viel Improvisationstalent war gefragt, von ihm und seinem Personal. Es sind jetzt nicht so viele Speisen wie früher im Angebot. Auf alle Fälle kriegt man hier aber wieder die spezielle "Seegugger"-Bratwurst mit Sauerkrautanteil. Unter anderem auch noch die klassische rote Wurst, ein Steak, Pommes frites. Und natürlich jede Menge Getränke.
Am 1. Mai bei der Wiedereröffnung war der Andrang riesig - ein gelungener Neuanfang. Allerdings ist das Geschäft stark wetterabhängig. Regen, Gewitter oder auch zu starke Hitze, alles im Wechsel. Das Klima habe sich gegenüber früher geändert, sagt Harald Sieder. Doch trotz aller Sorgen hat er viel Herzblut und Energie in den "Seegugger" gesteckt. Und die treuen Fans freuen sich, dass der Biergarten wieder geöffnet ist. Manche finden es jetzt sogar gemütlicher als vorher.
Der "Seegugger" in Rheinstetten lockt mit besonderem Flair
Eine Gruppe von Radlern aus Rheinstetten macht hier gerade eine Trinkpause. Sie kennen den "Seegugger" schon lange. Und genießen jedes Mal die traumhafte Aussicht auf den Epplesee. Ralf Speck findet es besonders schön, dass man hier am späten Abend noch baden kann - und danach im Biergarten etwas trinken und Freunde treffen. Hut ab, sagt er, vor dem, was Harry aufgebaut hat. Schon früher und jetzt erst recht nach dem Brand.
Der "Seegugger" ist halt der "Seegugger", schon immer. Der ist bekannt bis Pforzheim, Stuttgart, Freiburg.
Die Zukunft des Biergartens ist offen
Doch in die Freude über die Neueröffnung mischt sich auch Wehmut. Denn Harald Sieder muss nach dieser Saison aufhören. Zum 15. Oktober endet sein Pachtvertrag. Bei der Stadt Rheinstetten läuft ein Bewerbungsverfahren zur künftigen Verpachtung. Doch Sieder ist nicht mehr im Spiel. Er selbst sagt, er habe sein Konzept bei Gesprächen dargelegt. Er sei aber nicht zur Vorstellung der Bewerber im Gemeinderat gekommen, da er wollte, dass zuerst Klauseln aus seinem bestehenden Vertrag herausgenommen werden. Eine schließt nach seiner Interpretation aus, dass man mit ihm nach Ablauf des Vertrags weiter zusammenarbeite.
Die Stadt Rheinstetten entgegnet in einer Stellungnahme, rechtlich habe keinerlei Regelung im bestehenden Pachtvertrag einer Vorstellung im Gemeinderat entgegen gestanden. Da der Pächter nicht daran teilgenommen habe und auch seine Bedingungen nicht zu erfüllen gewesen seien, komme er als geeigneter Kandidat nicht mehr infrage.
Es ist so schade, dass es dieses Jahr enden soll. Aber wir genießen bis zum Schluss.
Harald Sieder hat die Hoffnung aber noch nicht ganz aufgegeben. Er würde immer noch gerne weitermachen und sei jederzeit offen für ein Gespräch mit der Stadt. Ansonsten ist er zur Zeit auf der Suche nach einem anderen See, wo er wieder einen Biergarten eröffnen kann. Den Namen "Seegugger" will er mitnehmen, den habe er sich rechtlich schützen lassen.
Es wird ihm sehr schwer fallen, mit dem Biergarten am Epplesee aufzuhören. Hier war sein Paradies. Der See sei eine Wucht, sagt er. Mit hervorragender Wasserqualität. Und einem Lebensgefühl wie im Urlaub am Mittelmeer.