In der Großbaustelle der A8 bei Pforzheim rollt der Verkehr seit drei Wochen durch den neuen Lärmschutztunnel. Aktuell teilen sich Autofahrer in Fahrtrichtung Stuttgart und Karlsruhe eine Tunnelröhre. Die zweite Röhre soll noch dieses Jahr entstehen. Mehrmals in den letzten Tagen hat es im Tunnel gekracht. Die Autobahn wurde voll gesperrt. Ein neuer Unfall-Hotspot in der Region?
So haben wir vergangene Woche über einen Auffahrunfall im neuen Lärmschutztunnel auf der A8 bei Pforzheim berichtet:
Mehrere Fahrzeuge beteiligt Erneut Unfall in Tunnel auf A8 bei Pforzheim
Auf der A8 ist am Freitag im neuen Tunnel bei Pforzheim erneut ein Unfall passiert. Die Autobahn ist nach einer Sperrung wieder frei. Erst am Donnerstag gab es dort einen Unfall.
Eindrücke eines Autofahrers: Unfallrisiko Mittelleitplanke?
Fast jeden Tag fährt Jürgen Dräger mit seinem Auto von seinem Wohnort im Enzkreis nach Stuttgart und zurück. Er hat das Gefühl, dass sich seit der Umlegung des gesamten Verkehrs auf die Richtungsfahrbahn Stuttgart die Unfälle im Baustellenbereich häufen. "Die Vielzahl der Unfälle legt den Rückschluss nahe, dass Autofahrer mit der Strecke überfordert sind", schreibt er in einer E-Mail an den SWR.
Die neue Verkehrsführung ist stellenweise gefühlt noch enger und verlangt noch mehr Konzentration als die alte.
Das gelte insbesondere für den neuen, 380 Meter langen Lärmschutztunnel. Dort sieht der Autofahrer aus dem Enzkreis besonders in der grauen Mittelleitplanke ein Unfallrisiko. Sie sei bei starkem Gegenverkehr und eingeschalteten Scheinwerfern des Gegenverkehrs nicht wirklich gut zu erkennen.
Es handele sich um Schutzeinrichtungen mit Reflektoren, wie sie bundesweit an vergleichbaren Stellen eingesetzt werden, so die zuständige Autobahn GmbH. Man behalte die Situation jedoch im Blick, um gegebenenfalls etwas zu verbessern, heißt es gegenüber dem SWR.
Lärmschutztunnel auf A8 laut Polizei keine besondere Gefahr
Tatsächlich gab es laut Polizei in Pforzheim seit dem 13. Januar im Lärmschutztunnel vier Verkehrsunfälle mit Sachschaden, außerdem gab es zwei Fehlalarme und ein Auto mit einer Panne. Ursache für die Unfälle war nach aktuellem Stand der Ermittlungen der nicht eingehaltene Mindestabstand.
Wenn sich jeder Verkehrsteilnehmer an die Vorschriften halten würde, käme es auch zu keinen Unfällen.
Es könne grundsätzlich keine besondere Gefahr von der sogenannten Einhausung ausgehen, so die Polizei weiter. Schließlich sei es auch schon vor der Inbetriebnahme zu Verkehrsunfällen gekommen. Die Polizei weist stattdessen auf ein anderes Problem hin.
Bei Unfällen: Polizei wünscht sich zusätzliche Warnsignale
Wenn es im Lärmschutztunnel kracht, versuchen Polizei und Rettungskräfte so schnell wie möglich an den Unfallort zu kommen. Wegen der engen Fahrstreifen in der Baustelle ist es nicht möglich, eine Rettungsgasse zu bilden. Also fahren Einsatzkräfte im Moment über die Anschlussstelle Pforzheim-Ost auf der Richtungsfahrbahn Stuttgart, also entgegen der Fahrtrichtung. Damit dieses Konzept funktioniert, werden beide Fahrtrichtungen gesperrt. Der Verkehr wird noch vor dem Tunnel mit roten Ampeln gestoppt. So jedenfalls in der Theorie.
In der Praxis funktioniert das laut Polizei nur teilweise. Denn manche Autofahrer fahren einfach weiter. Die Folge: Solange der Verkehr in Richtung Stuttgart weiter rollt, können die Einsatzkräfte nicht einfahren und kommen nur sehr schwer und spät am Unfallort an. Die Polizei hält deshalb ein orangefarbenes Blinklicht als zusätzliches Warnsignal und eine weitere Ampel für notwendig.
Autobahn GmbH: Abstimmung über mögliche Maßnahmen
Die Autobahn GmbH will nach Lösungen für das Problem auf dem neuen A8-Abschnitt suchen. Man überprüfe zum Beispiel, ob eine vom Unfall nicht betroffene Richtungsfahrbahn künftig schneller freigegeben werden kann, heißt es auf SWR-Anfrage. Die Ampelanlage am Tunnel funktioniere jedenfalls grundsätzlich.
Hinweise der Polizei auf vereinzeltes Missachten des Rotlichts fließen in die gemeinsame Lagebewertung ein.
Der Betrieb rund um den neuen Lärmschutztunnel sei mehrere Tage beobachtet worden. Nun gebe es eine Abstimmung zwischen Polizei, Rettungskräften, Tunneltechnik und Projektleitung, so die Autobahn GmbH. Zu möglichen Maßnahmen könne man noch keine Aussagen treffen.
2026 im Fokus: Bau der dreispurigen Trasse Richtung Karlsruhe
Nach Angaben der Autobahn GmbH ist die Großbaustelle auf der A8 bei Pforzheim das derzeit größte Autobahn-Infrastrukturprojekt im Südwesten. Noch in diesem Jahr sollen die dreispurige Trasse Richtung Karlsruhe inklusive Brücken und die zweite Röhre des Lärmschutztunnels im Fokus der Bauarbeiten stehen. Die Fertigstellung des neuen Autobahnabschnitts ist für Ende 2027 geplant.