Nach monatelanger Ruhe kommt in das Geothermieprojekt in Graben-Neudorf wieder Bewegung. Ein Langzeittest soll die Produktivität der 3.600 Meter tiefen Bohrung sicher stellen. Die Deutsche Erdwärme verspricht sich viel von diesem Test, der zwei bis drei Wochen lang laufen soll.
Kommt genügend heißes Thermalwasser aus Bohrloch in Graben-Neudorf?
Im Grunde geht es um die Frage: Ist die Erdwärme-Bohrung so produktiv, wie von der Karlsruher Geothermiefirma erhofft. In dem Langzeittest soll Wasser in den Untergrund gepumpt werden. Dann folgen seismologische Messungen und Druckuntersuchungen. Die Experten der Geothermiefirma wollen heraus finden, unter welchen Bedingungen eine zukünftige Geothermieanlage sicher betrieben werden kann. Dazu wurden bereits am Montag rund 700 Kubikmeter Grundwasser in den Untergrund gepumpt.
Behutsame Tests sollen Erdbeben vermeiden
Einen solchen Langzeittest habe es in Deutschland und in der Rheinebene noch nicht gegeben, erklärt der Geschäftsführer der Deutschen Erdwärme, Herbert Pohl. Man orientiere sich bei dem Versuch möglichst an den Druckverhältnissen im Untergrund. Diese Vorgehensweise sei neu. Im Verlauf der Tests sollen mehrmals größere Mengen Wasser in den Untergrund gepumpt werden.
Erdwärme als Beitrag zur Klimawende Geothermie-Testlauf in Graben-Neudorf: Wie Erdwärme die Wärmewende vorantreiben soll
in Baden-Württemberg gelten die geologischen Voraussetzungen zur Nutzung der Geothermie als herausragend. Am 5. November 2025 startet in Graben-Neudorf ein entscheidender Testlauf.
Es gehe darum, möglichst behutsam das kalte Grundwasser in die um fast 200 Grad heißeren Regionen in rund 4.000 Metern Tiefe zu pumpen. Dabei wird Druck angewendet, aber nur soviel, dass keine größeren seismischen Folgen entstehen. Damit will man auch Vorfälle wie in Basel oder Landau verhindern, wo es in der Vergangenheit zu kleineren Erdbeben kam.
Geothermie: Verhandlungen über Fernwärmeversorgung noch nicht abgeschlossen
Die Deutsche Erdwärme will auf diese Weise sicher stellen, dass sie in Zukunft genügend Wärme für ein regionales Fernwärmenetz bereitstellen kann. Mindestens die Gemeinde Graben-Neudorf soll versorgt werden. Ebenso die Stadt Bruchsal. Außerdem ist das Karlsruher Geothermieunternehmen mit weiteren Stadtwerken in Verhandlung. Weitere Bohrungen sind im nur wenige Kilometer entfernten Dettenheim vorgesehen. Dort müssen aber noch die Rahmenbedingungen geklärt werden.
Graben-Neudorf: Zweite Bohrung im nächsten Jahr?
Wenn alles nach Fahrplan verläuft, folgt in Graben-Neudorf im nächsten Jahr die zweite Bohrung. Sie ist notwendig, um die Anlage überhaupt betreiben zu können. Einen genauen Termin dafür gibt es aber noch nicht. Nach Angaben der Deutschen Erdwärme stehen für solche Tiefenbohrungen nur wenige Spezialgeräte in Europa zur Verfügung. Erst wenn wieder ein Bohrgerät frei ist, kann in Graben-Neudorf weiter gearbeitet werden.
Durch das erste Bohrloch wird auch im Regelbetrieb künftig kühleres Wasser in die Tiefe gepumpt, über das neue Bohrloch soll dann ab 2029 heißes Thermalwasser aus der Tiefe gefördert werden. Bis dahin muss in Graben-Neudorf auch noch ein Kraftwerk auf dem Bohrgelände gebaut werden.
Wärme aus dem Boden - Mobile Anlage pumpt Wasser in den Untergrund
Ein neuer Förderturm wird in Graben-Neudorf zunächst aber noch nicht installiert. Vielmehr werden die Versuche mit einem Pumpwagen vorgenommen. Per Schlauch wird das Wasser in den Untergrund geleitet. Graben-Neudorf gilt als heißeste Thermalwasserquelle Deutschlands. Um das extrem heiße Wasser zu fördern, musste die Firma eine spezielle hitzeresistente Technik installieren, die so ursprünglich gar nicht vorgesehen war.