Erdwärme als Beitrag zur Klimawende

Geothermie-Testlauf in Graben-Neudorf: Wie Erdwärme die Wärmewende vorantreiben soll

Unter Baden-Württemberg liegt ein riesiger Wärmeschatz. Ein Projekt in Graben-Neudorf soll beweisen, dass Erdwärme die Heizung der Zukunft sein kann.

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Von Autor/in Frank Wittig

Die Nutzung von Erdwärme kann einen entscheidenden Beitrag zur Klimawende leisten. In Graben-Neudorf beginnt jetzt ein Testlauf zur Wärmegewinnung an einer geothermischen Tiefenbohrung.

Schon seit Jahrzehnten wird Geothermie in Graben-Neudorf untersucht

In dem fortgeschrittenen Projekt geht es nun darum, die nachhaltige Förderung aus dem Wärmereservoir zu sichern und Betriebsabläufe zu simulieren. Erste systematische Untersuchungen zur Geothermie des Standortes starteten schon vor über 30 Jahren.

Mit tonnenschweren "Vibrotrucks" wurden die entscheidenden Informationen aus dem geologischen Untergrund im Oberrheingraben gewonnen. Empfindliche Messtechnik fängt das Schwingungs-Echo aus der Tiefe auf.

Truck mit Rüttelplatte, die Schwingungen in den Boden trommelt - In Baden-Württemberg gelten die geologischen Voraussetzungen zur Nutzung der Geothermie als herausragend.
Die Trucks stützen sich auf ihre Rüttelplatten (in der Mitte des Fahrzeugs zwischen den Rädern) und trommeln Schwingungen in den Boden.

Gewinnung von Geothermie in Baden-Württemberg hat Potenzial

Nach der Auswertung der Daten per Computer ist klar: Die Nutzung von Tiefenwärme hat in Baden-Württemberg ein riesiges Potenzial. Darüber freut sich auch Thomas Kohl, Geothermie-Fachmann am Karlsruher Institut für Technologie: "Wir haben hier in Baden-Württemberg ein einmaliges Geschenk der Natur vor uns liegen. Wir haben eine riesige Temperatur-Anomalie im Oberrheingraben. Die weltweit im nicht-vulkanischen Gebiet relativ einzigartig ist mit 180 Grad in drei Kilometer Tiefe."

Um die Wärme zu nutzen, wird Wasser ins heiße Gestein gepumpt. Das erhitzt sich und transportiert die Wärme nach oben, wo sie zur Gebäudeheizung genutzt werden kann.

Grafik, die zeigt wie Wasser in den Boden geleitet und Wärme mit ihm nach oben gelangt. Gute Voraussetzung zur Nutzung von Geothermie in Graben-Neudorf
Nach unten gepumptes Wasser nimmt die Wärme auf und bringt sie mit nach oben.

In der Vergangenheit Erdbeben durch Tiefengeothermie - und Proteste

In den Nullerjahren gab es Probleme mit Mikroerdbeben durch Tiefengeothermie. Vor allem in Basel und in Straßburg, aber auch im Südwesten Deutschlands gab es massive Proteste in der Bevölkerung.

Auch heute noch meldet sich die Bürgerinitiative gegen Geothermie kritisch zu Wort. Die Fachleute aber sagen, sie hätten aus den Fehlern gelernt. Mit einer Anpassung der Technik an die geologischen Bedingungen seien die Risiken heute beherrschbar, erklärt auch Thomas Kohl vom Karlsruher Institut für Technolgoe (KIT): "Wir studieren auch diese Prozesse im Detail und haben auch Lösungen für diese Prozesse. Die sind bekannt und sind in der Community auch schon umgesetzt."

Große Chance für die Klimawende

In Baden-Württemberg lockt vor allem die im Oberrheingraben schlummernde Wärmequelle:  Ein enormer Energie-Schatz, der mit Geothermie-Bohrungen an die Oberfläche geholt werden kann.

Das entspräche der Energie für 500.000 Haushalte über dreißig Jahre oder über 250.000 Tankladungen Erdöl. Von daher: eine riesige Energiemenge, die unter unseren Füßen liegt.

Mit diesen Voraussetzungen gilt die Geothermie in Baden-Württemberg als eine der Schlüsseltechnologien für die Wärmewende. Eine außergewöhnliche Möglichkeit die Emission von schädlichen Klima-Gasen beim Heizen deutlich zu reduzieren.

Graben-Neudorf

Neue Tests im bisher heißesten Bohrloch Deutschlands Am Geothermie-Bohrloch in Graben-Neudorf wird wieder gearbeitet

Nach mehrmonatiger Pause wird am Geothermie-Bohrloch in Graben-Neudorf wieder gearbeitet. Die Deutsche Erdwärme bereitet Tests vor, mit denen die Ergiebigkeit untersucht werden soll.

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Graben-Neudorf hat das heißeste Bohrloch Deutschlands Wärme aus dem Boden für tausende Menschen - Härtetest für Geothermie

Auf dem Geothermiegelände in Graben-Neudorf im Landkreis Karlsruhe startet am Montagnachmittag ein Langzeittest. Die Deutsche Erdwärme will so reelle Produktionsbedingungen simulieren.

SWR4 am Montag SWR4

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Autor/in
Frank Wittig
Frank Wittig, Reporter für SWR Wissen aktuell
Onlinefassung
Leila Boucheligua

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