Zwischen den Christdemokraten und den Kirchen knirscht es. Steffen Bilger, erster parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag, sagte im SWR-Videopodcast "Zur Sache! intensiv": "Es gibt da schon eine gewisse Enttäuschung über manche sehr politischen Aussagen." Die Führungen der evangelischen und katholischen Kirche hätten bei den politischen Positionierungen oft "Schlagseite" Richtung grüner oder linker Positionen.
Hier müssten die Kirchen ihre Haltung überdenken: "Ich habe den Eindruck, dass es nicht jedem wichtig ist, die Breite seiner Kirchenmitglieder anzusprechen."
Im Videopodcast "Zur Sache! intensiv" äußert sich Bilger ab Minute 22:25 zu den christlichen Kirchen:
Bilger: Kirchen sollen sich einmischen
Es gehöre für ihn dazu, dass die Kirchen sich einmischen, sagte Bilger, der selbst evangelisch ist. Sie dürften die Union auch gerne kritisieren. "Es sollte schon auch auf Grundlage der christlichen Botschaft passieren und nicht so, dass man den Eindruck hat, da werden einfach politische Positionen von bestimmten Parteien übernommen." Er sei der Meinung, dass manche Beiträge aus den Kirchen dazu führen, "dass viele austreten".
Der Ludwigsburger CDU-Abgeordnete erwartet nach eigenen Worten nicht, dass die Kirche nur CDU-Positionen vertritt. Aber: "Wenn sich so viele zum Beispiel in der CDU in manchen Debatten vor den Kopf gestoßen fühlen, dann könnte man ja mal darüber nachdenken, ob die vielleicht einen Punkt haben." Er appellierte an die Kirchen: "Man sollte schon gucken, dass man beieinander bleibt."
CDU-Politiker kritisiert Forderung nach Tempolimit
Konkret kritisierte Bilger die Haltung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zu Umweltthemen. "Wenn die Kirche wahrgenommen wird mit einer Petition für ein Tempolimit oder in Berlin die Klimakleber ihre Zentrale in einer Kirchengemeinde machen konnten", sei das leider schon oft nahe an den grünen Positionen. "Das finde ich dann sehr schade, weil es nicht nur mich, sondern auch andere vor den Kopf stößt."
Auch katholische Kirche stoße CDU-Politiker vor den Kopf
Der CDU-Politiker erinnerte auch an die Kritik, die das Präsidium des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) Anfang des Jahres an der Unions-Migrationspolitik geübt hatte. Wegen der Art und Weise der Kritik war die frühere CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer aus dem ZdK ausgetreten. Bilger sagte dazu: "Es ist ja eigentlich schade, dass es immer wieder die kirchlich gebundenen Politiker sind, die da auch vor den Kopf gestoßen werden." Das ZdK-Präsidium hatte damals - kurz vor der Bundestagswahl - den Entwurf für das Zustrombegrenzungsgesetz kritisiert. Dieser sei "eine einzige Anti-Integrationskampagne", hieß es.