Lebensmittelkontrolleure haben in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr mehr Betriebe wegen ekelerregender Zustände geschlossen als noch ein Jahr zuvor. Wie aus dem aktuellen Jahresbericht der Lebensmittelüberwachung hervorgeht, wurden im Jahr 2024 insgesamt 956 Betriebsschließungen verhängt. 2023 waren es noch 800 gewesen.
Insgesamt überprüften die Kontrolleure im vergangenen Jahr rund 70.000 Betriebe und stellten bei den insgesamt mehr als 110.000 Kontrollbesuchen rund 9.500 Verstöße fest - etwa 400 weniger als im Jahr zuvor. Bei fast jedem zweiten Verstoß handelte es sich dem Bericht zufolge um allgemeine hygienische Zustände. Diese seien von den Verantwortlichen häufig sofort abgestellt worden. Passiere das nicht, würden weitere Maßnahmen ergriffen - bis hin zur Betriebsschließung.
"Urig": Kneipe muss wegen Hygienemängel geschlossen werden
Als Beispiel führen die Kontrolleure in dem Bericht eine Kneipe an, die laut Rezensionen im Internet als "urig" bezeichnet worden sei. Diesen Begriff habe der Betreiber offenbar auch auf Küchenräume und Geräte angewendet, heißt es weiter. So seien Schneidebretter, Schüsseln und eine Eiswürfelmaschine derart vernachlässigt worden, dass Speisen nicht mehr zum Verzehr geeignet gewesen seien. Die Eiswürfel hätten nach Küche und Rauch gerochen und seien massiv mit Keimen belastet gewesen. Auch an den Düsen der Gastro-Kaffeemaschine hätten Ablagerungen und Verkrustungen nach längerer Zeit des Nichtreinigens "zur Bildung stalaktit-ähnlicher Formationen geführt", wie es im Bericht wörtlich heißt. In Google-Bewertungen sei die Crema des Hauses besonders gerühmt worden.
Trotz intensiver Beratungen und einer Strafanzeige habe sich der Zustand bei einer erneuten Kontrolle nicht verbessert gehabt. "Zu den bereits bestehenden Mängeln kamen noch verdorbene Lebensmittel im Kühlschrank hinzu", heißt es in dem Bericht. Ein Eimer mit Hirtenkäse habe innen und außen Beläge aufgewiesen, Cevapcici hätten grünlich ausgesehen und muffig gerochen.
Weitere im Bericht dargestellte Beispiele drehten sich etwa um Betriebe, die vom Betreiber bereits abgemeldet wurden, allerdings noch weiter bei Lieferdienstportalen im Internet gelistet werden, sogenannte Ghost-Kitchens. Als weiteres Beispiel einer von der Lebensmittelüberwachung geschlossenen Betriebs wurde ein Döner-Imbiss erwähnt. Dessen Gebäude sackte über die Zeit um zwölf Zentimeter ab, weswegen der Fall aus Gründen der Gebäudesicherheit dicht gemacht wurde.