Vom 14. bis 30. April durchquert die Erde die Staubspur des Kometen C/1861 G1 Thatcher. Dabei entstehen Sternschnuppen, die aus der Richtung des Sternbildes Leier (lateinisch: Lyra) zu kommen scheinen - daher der Name Lyriden. Ob sich ein Blick in den Himmel über Baden-Württemberg lohnt - und wann und wo - erklärt Carolin Liefke vom Haus der Astronomie in Heidelberg.
- Wie viele Sternschnuppen sind über BW zu sehen?
- Wann lassen sich die Sternschnuppen beobachten?
- Tipps für die optimale Sternschnuppen-Sichtung
- Seltene Super-Ereignisse der Lyriden
Wie viele Sternschnuppen sind über BW zu sehen?
Die Lyriden erreichen ihr Maximum in der Nacht vom 22. auf den 23. April. Berechnungen zufolge könnte es dann circa 20 Sternschnuppen pro Stunde geben. Zum Vergleich: Bei den Perseiden im August liegt der Wert bei bis zu 100 Sternschnuppen. Solche Angaben seien aber sehr theoretisch, so Astronomin Carolin Liefke, sie gelten demnach nur unter optimalen Beobachtungsbedingungen - wenn das Sternbild zum Maximum hoch am Himmel steht und weder Wolken noch künstliche Lichtquellen die Sicht beeinträchtigen.
Und trotzdem: "Die ein oder andere Sternschnuppe kriegt man sicherlich zu Gesicht", so Liefke. Gerade weil die Bedingungen zum Maximum der Lyriden dieses Jahr nicht so schlecht seien. Ob aber auch das Wetter mitspielt, ist aktuell noch nicht vorhersehbar.
Wann lassen sich die Sternschnuppen in BW beobachten?
Berechnungen zufolge soll das Maximum der Lyriden gegen 22 Uhr am 22. April stattfinden. Doch gerade bei den Lyriden, die als etwas unberechenbar gelten, könne das variieren, so Liefke weiter: "Also da gibt es eine gewisse Unsicherheit - das geht schon am späten Nachmittag los bis hin zu weit nach Mitternacht."
Zum Zeitpunkt des berechneten Maximums steht das Sternbild der Leier noch am Osthorizont. Da es aber bereits dunkel ist, wird es bei freier Sicht und ohne Lichtverschmutzung gut zu sehen sein. Im Laufe der Nacht steigt das Sternbild dann am Himmel, wodurch die Beobachtungsbedingungen für Sternschnuppen besser werden - auch wenn zu späterer Stunde möglicherweise weniger Sternschnuppen auftreten. Der zunehmende Mond würde in diesem Jahr ab Mitternacht keine nennenswerte Störquelle darstellen, so die Astronomin.
Tipps für die optimale Sternschnuppen-Sichtung
Wer sich in der Nacht vom 22. auf 23. April auf Sternschnuppen-Jagd machen möchte, sollte diese Punkte beachten:
- Künstliche Lichtquellen meiden: Für eine klare Sicht empfiehlt es sich, in eine ländliche Region zu fahren, fernab von Straßenlaternen oder anderen Lichtquellen. Außerdem benötigen die Augen etwas Zeit, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. Vermeiden Sie daher während der Beobachtung den Blick auf das Handy.
- Freie Horizontsicht: Die Sternschnuppen ziehen normalerweise über den gesamten Nachthimmel, so Liefke. Gebäude, Bäume oder andere Hindernisse können die Sicht einschränken. Suchen Sie sich einen Ort mit möglichst freiem Blick auf den gesamten Himmel.
- Bequemes Nachtlager: Bei den Lyriden könnte etwas Geduld gefragt sein. Carolin Liefke empfiehlt, es sich mit einem Liegestuhl gemütlich zu machen. Mit einer Thermoskanne, warmer Kleidung und Decken lässt sich der Anblick des Nachthimmels besonders genießen.
- Keine Hilfsmittel notwendig: Für die Beobachtung der Lyriden benötigen Sie keinerlei Teleskope oder Ferngläser. Die Sternschnuppen sind mit bloßem Auge sichtbar.
Seltene Super-Ereignisse der Lyriden
Besonders starke Lyriden entstehen, wenn die Erde einen besonders dichten Teil der Staubspur des Kometen C/1861 G1 Thatcher durchquert. Dann ist mit bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde zu rechnen. Das war zuletzt 1982 der Fall. Für dieses Jahr gebe es jedoch keine Hinweise darauf, dass die Lyriden außergewöhnlich stark ausfallen werden, so Liefke.