Auf dem Gelände der ehemaligen Campbell Barracks in Heidelberg lässt der Heidelberger Unternehmer Hans-Jörg Kraus gerade drei Häuser errichten: Prototypen in den Größen S, M und L (klein, mittel und groß). Sie sollen als Vorlage für den serienmäßigen Bau von "gedruckten" Wohnanlagen dienen. Kraus ist Bauherr des Projekts und erster Kunde der Anbieter des Serien-Verfahrens. Denn nach Angaben des Herstellers baut ein 3D-Drucker Gebäude wesentlich schneller und "zehn Prozent günstiger als ein herkömmliches Mehrfamilienhaus".
3D-Drucker stellt die Wände her
Die drei Prototypen in Heidelberg werden mit Spezialbeton gebaut. Der 3D-Drucker stellt einen Quadratmeter Wand in nur fünf Minuten her – so das Versprechen. Die Häuser in Heidelberg werden den Angaben zufolge jeweils drei Geschosse haben, mit Platz für bis zu 12 Wohnungen. Allerdings fertigt der 3D-Drucker nur die Wände an. Die Bodenplatten und die Decken der Häuser werden auf herkömmliche Weise betoniert, so Bauherr Hans-Jörg Kraus. Außerdem gibt es keine Tiefgarage und keinen Keller.
Bau mit 3D-Drucker soll günstiger sein
Der Quadratmeterpreis im 3D-Druck-Haus liegt bei rund 2.900 Euro - und somit sei er zehn Prozent günstiger als bei herkömmlicher Bauweise. Allerdings könne man auch mit der 3D-Technologie nicht alle Probleme beim Wohnungsbau aus der Welt schaffen, gibt auch der Hersteller des 3D-Druckers zu.
Es ist nicht der Heilige Gral, der alles lösen wird. Wir haben da durchaus noch andere Baustellen, die auch mit bearbeitet werden müssen.
Aber man sei dennoch der Überzeugung, dass der 3D-Druck in Zukunft eine entscheidende Rolle spielen werde, um das Problem der Wohnungsnot und des Fachkräftemangels zu bekämpfen, sagt Meyer-Brötz weiter.
Experten: Eine Lösung von mehreren in Zukunft
Vom Bauantrag bis zu Fertigstellung in weniger als einem Jahr: Das soll beim 3D-Haus möglich sein. Experten halten es für realistisch, dass sich das Verfahren neben dem Fertighausbau durchsetzen könnte - allerdings als eine Lösung von mehreren. Aber durch den Einsatz von 3D-Druckern könnten sich die Baustellen in Zukunft verändern, erklärt Agemar Manny vom Institut für Massivbau und Baustofftechnologie am Karlsruher Institut für Technologie (KIT).
Wir werden neue Berufsbilder sehen. Der klassische Maurer, die klassische Maurerin, so wie wir sie kennen - das wird nicht ganz der Vergangenheit angehören. Wir werden aber mehr Digitales im Bauprozess sehen.
Häuser in Heidelberg für Geschäftskunden gedacht
Studien zufolge gibt es bundesweit rund eine halbe Million zu wenig Wohnungen. Der beschleunigte 3D-Druck könnte hier möglicherweise helfen. In Heidelberg werden allerdings erst einmal Unternehmen und Geschäftsreisende die neu gebauten 3D-Druck-Häuser nutzen: Sie sind als sogenannte möblierte Boarding-Häuser zum Wohnen auf Zeit gedacht. Laut Bauherr Hans-Jörg Kraus werden sie im Frühsommer 2026 bezugsfertig sein.