Im ehemaligen Heidelberger Gefängnis "Fauler Pelz" in Heidelberg endet am Mittwoch der Maßregelvollzug für suchtkranke Straftäter. Die letzten Insassen werden nach Calw verlegt. Das Land hatte den "Faulen Pelz" für eine befristete Zeit in Anspruch genommen. Zwei Jahre lang waren rund 60 suchtkranke Straftäter mitten in der Altstadt untergebracht und behandelt worden. Laut Landesregierung war das nötig, weil es zeitweise zu wenig Plätze für Maßregelvollzug im Land gab.
Maßregelvollzug im "Fauler Pelz" endet
Das Sozialministerium hatte das landeseigene Gebäude für elf Millionen Euro saniert, weil die Zahl der Einweisungen suchtkranker Straftäter in den Jahren zuvor sprunghaft angestiegen war. Die Befürchtung in Heidelberg war zunächst groß, dass sich die Unterbringung der Suchtkranken zu einem Dauerzustand ausweiten könnte. Der Auszug des Landes wurde deshalb eindeutig in einem Vertrag festgeschrieben.
Der "Faule Pelz" in Heidelberg wird nun nicht mehr gebraucht, weil die Zahl der Therapieplätze im Land erhöht wurde und die Einweisung von suchtkranken Straftätern in den Maßregelvollzug nach einer Änderung des Strafrechts sank.
Die Universität Heidelberg zieht ein
Jetzt hat das Land den Faulen Pelz für eine Nutzung durch die Universität freigemacht. Das frühere Gefängnis wird künftig von der Universität genutzt und in Teilen für die Öffentlichkeit zugänglich sein.
Das ist ein Gewinn für die Universität und für das gesamte Altstadt-Quartier, das die meisten Touristen auf ihrem Weg zum Schloss durchqueren
Situation durch Gesetzesänderung entspannt
Das Land hat neue Plätze für die Unterbringung suchtkranker Straftäter unter anderem in Calw im Nordschwarzwald geschaffen. Im Januar ist dort ein Erweiterungsbau im Zentrum für Psychiatrie (ZfP) eingeweiht worden, mit 56 neuen Therapieplätzen.
Die Situation habe sich auch durch die Änderung des Paragraphen 64 des Strafgesetzbuches zum 1. Oktober 2023 entspannt, bestätigte der Medizinische Direktor Matthias Wagner vom Zentrum für Psychiatrie Calw, das für Heidelberg zuständig war. Die Voraussetzungen für eine Einweisung in den Maßregelvollzug sind enger gefasst worden, damit nur wirklich behandlungsbedürftige und auch behandlungsfähige Täter in den Maßregelvollzug eingewiesen werden.
Vor der Reform hatten Gerichte Jahr für Jahr mehr suchtkranke Menschen in den Maßregelvollzug eingewiesen, die straffällig geworden waren. Dieser Trend ist jetzt offenbar gestoppt. Dabei muss zwischen suchtkranken Straftätern nach Paragraph 64 Strafgesetzbuch und psychisch kranken Straftätern nach Paragraph 63 unterschieden werden.
Einen Überblick über die neuen Kapazitäten in Baden-Württemberg für beide Bereiche des Maßregelvollzugs gibt es in folgendem SWR-Artikel.
Zu viele Patienten, zu wenige Ressourcen Maßregelvollzug am Limit - Ausbau reicht nicht aus
Trotz geplanter Neubauten bleibt der Maßregelvollzug in Baden-Württemberg überlastet. Welche Herausforderungen stehen der Landesregierung noch bevor?
Heftige Kritik nach Tod eines 27-Jährigen
Die Unterbringung der suchtkranken Straftäter im Faulen Pelz verlief nicht ohne Störung. Anfang 2024 wurde heftige Kritik an den Zuständen dort laut, der SWR berichtete nach dem Tod eines 27-Jährigen in Verbindung mit der Einnahme von synthetischen Cannabinoiden. Es ging dabei um die Frage, wie der Mann an die Drogen gekommen war und um die als miserabel empfundene Essensversorgung. Das Thema hatten Anwälte der Insassen in die Öffentlichkeit getragen.
Lange war das 1848 fertig gestellte Gefängnis, landläufig der "Faule Pelz" genannt, in der Heidelberger Altstadt funktionsgemäß ein unzugänglicher und abweisender Block. Das wird sich ändern. Der Gemeinderat hat 2024 einen Bebauungsplan verabschiedet.
Ein Haus für die Geisteswissenschaften
Das frühere Gefängnis soll den Geisteswissenschaften zur Verfügung stehen. Im Innenhof soll nach Plänen des Büros "Atelier 30 Architekten" auf dem heutigen Sportplatz zudem ein Neubau für das Institut für Europäische Kunstgeschichte der Universität entstehen, inklusive der Bibliotheken, der Forschungsstelle Antiziganismus und einer Professur für Osteuropäische Geschichte. Baubeginn soll 2027 sein, die Übergabe an die Universität ist für 2029 geplant.
Die Fassade aus rotem Sandstein passt sich nach den Plänen dem Altstadt-Ensemble an. Die dicken Gefängnismauern werden durchbrochen. So sollen neue Zugänge und Verbindungswege entstehen.