Sterblichkeit deutlich gesunken

Hilfe aus dem Drucker: 3D-Herz macht Operationen in Heidelberg bei Kindern sicherer

Etwa eines von 100 Kindern kommt mit einem angeborenen Herzfehler zur Welt. Es ist die häufigste angeborene Organfehlbildung. Wie ein 3D-Modell aus dem Drucker dabei helfen kann.

Teilen

Stand

Von Autor/in Sabrina Mann

Der Tag des herzkranken Kindes am 5. Mai macht jedes Jahr auf die Lebenssituation von Kindern mit angeborenem Herzfehler aufmerksam. Fast jedes 100. Neugeborene wird mit einem Herzfehler geboren. Darunter: die dreijährige Filippa. Sie wurde im Heidelberger Uniklinikum behandelt. Das Besondere: Die Mediziner haben eine neue Technik angewendet. Um Komplikationen vorzubeugen, haben die Kinderherzchirurgen den komplizierten Eingriff mit Hilfe eines Modells aus dem 3D-Drucker simuliert.

Seit wir diese 3D-Modelle, diese Zwillingsherzen nutzen, ist die Sterblichkeit deutlich gesunken. Und zwar unter die Drei-Prozent-Barriere, was uns besonders stolz macht.

Premiere: 3D-Herzmodell ebnet Weg für lebensrettende Operation

Die dreijährige Filippa war die erste Patientin, deren Herz als 3D-Version vor der Operation ausgedruckt wurde. Sie hatte bei Geburt gleich mehrere Herzfehler und hätte ohne Operation nicht überlebt. Um zu sehen, was sie erwartet, haben die Kinderherzchirurgen in Heidelberg den Eingriff mehrmals am Modell geübt. Das ist möglich, weil es eine genaue Nachbildung ist. Außerdem ähnelt das Material dem Herzgewebe eines Menschen.

Ein 3D-Drucker druckt ein Modell.
Ein 3D-Drucker druckt ein Modell.

Die Operation an Filippas Herz dauerte trotzdem noch sechs Stunden, verlief aber optimal. Das war vor drei Jahren. Heute ist die Dreijährige ein kerngesundes kleines Mädchen, das seine Eltern auf Trab hält. Filippa hat dank der Operation keine gesundheitlichen Einschränkungen mehr. Sogar ihre Narbe ist kaum noch zu sehen.

Es fühlt sich nach einem sehr normalen Leben an. Etwas Besseres gibt es nicht.

Heidelberg: Herzmodelle helfen auch im Medizinstudium

Neben der Behandlung nutzen die Heidelberger Zwillingsherzen aus dem Drucker auch Studierende aus ganz Europa. Denn immer weniger junge Menschen wollen Herzchirurgen werden, so der Leiter der Kinderherzchirurgie in Heidelberg, Tsvetomir Loukanov. Inzwischen kommen die angehenden Mediziner für kostenlose Workshops nach Heidelberg, um an den 3D-Herzen zu trainieren. Einer von ihnen ist Tyrese Neumann-Hamid.

Normalerweise bedeutet Chirurgie, dass man mindestens sechs Jahre studiert, mindestens sechs Jahre Facharztausbildung macht und dann fängt man an, die ersten eigenen Eingriffe selbstständig durchzuführen.

Studierende üben am 3D-Modell
Studierende üben am 3D-Modell

Das Training, so Loukanov, soll für mehr Sicherheit sorgen, aber auch den Herzchirurgen-Nachwuchs begeistern. Das spezielle OP-Training soll außerdem die praktische Ausbildung verbessern und vielleicht in Zukunft sogar auch verkürzen.

Medizin Virtual Reality gegen Schmerzen nach der Herz-OP

Eine Studie an der amerikanischen Mayo-Clinic konnte zeigen, dass Herz-Patienten davon profitieren, wenn sie vor der Operation für ein Entspannungsprogramm in die virtuelle Realität abtauchen.

Impuls SWR Kultur

Fit und gestärkt  Leben nach dem Herzinfarkt: So wichtig ist die kardiologische Reha

Nach dem Herzinfarkt zählen die schnelle Hilfe und die richtige Nachsorge. Eine kardiologische Rehamaßnahme hilft, Risiken zu senken, Fitness zu stärken und Ängste zu bewältigen.

Doc Fischer SWR

Stuttgart

Nach Bypass-Operation schneller wieder fit Stuttgart: Neue schonende Herz-OP-Methode am Robert Bosch Krankenhaus

Wenn wegen verkalkter Herzkranzgefäße ein Bypass nötig wird, müssen Herzchirurgen dafür oft das Brustbein aufsägen. Mit der minimal-invasiven TCRAT-Methode ist das nicht mehr nötig.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Sabrina Mann

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!