Nach Bypass-Operation schneller wieder fit

Stuttgart: Neue schonende Herz-OP-Methode am Robert Bosch Krankenhaus

Wenn wegen verkalkter Herzkranzgefäße ein Bypass nötig wird, müssen Herzchirurgen dafür oft das Brustbein aufsägen. Mit der minimal-invasiven TCRAT-Methode ist das nicht mehr nötig.

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Von Autor/in Katja Trautwein

Sind Herzkranzgefäße durch Ablagerungen verengt, kann ein Herzinfarkt drohen. Die ausreichende Blutversorgung des Herzmuskels können Ärzte mit sogenannten Bypässen wiederherstellen. Bei der konventionellen Operation sägen die Herzchirurgen das Brustbein auf und operieren am weit geöffneten Brustkorb. Mit der neuen TCRAT-OP-Methode, die seit Kurzem am Stuttgarter Robert Bosch Krankenhaus angewandt wird, reicht hingegen ein nur etwa acht Zentimeter langer Schnitt zwischen zwei Rippen. Die Patienten erholen sich danach viel schneller.

Herzchirurg Professor Bartosz Rylski begutachtet die OP-Narben von Patient Eberhard Pflumm.
Professor Bartosz Rylski, Chefarzt der Abteilung für Herz- und Gefäßchirurgie am Robert Bosch Krankenhaus in Stuttgart, begutachtet die OP-Narben seines Patienten Eberhard Pflumm. Er war einer der ersten Patienten, die Professor Rylski nach der minimal-invasiven TCRAT-Methode operiert hat. Katja Trautwein

Eberhard Pflumm aus Reutlingen war einer der ersten Patienten am Robert Bosch Krankenhaus, den der Herzchirurg Professor Bartosz Rylski minimal-invasiv mit Bypässen versorgt hat. Die Operation war Anfang Juni, inzwischen habe er kaum noch Beschwerden, lediglich eine der Narben steche manchmal noch ein bisschen, sagt Pflumm.

TCRAT-Methode: Die Knochen bleiben alle intakt

Direkt nach der OP habe er sich natürlich schlecht gefühlt, aber es sei zügig bergauf gegangen. "Als ich dann aufs Zimmer kam, durfte ich schon mal die ersten Schritte machen, aufstehen und links und rechts gehen". Nach acht Tagen habe er das Krankenhaus verlassen und vier Wochen Reha gemacht. Dort hat er andere Bypass-Patienten kennengelernt, die nach der konventionellen Methode mit aufgesägtem Brustbein operiert wurden, wie Pflumm erzählt.

"Und die waren viel früher operiert als ich und waren immer noch nicht so fit wie ich."

Ein Patient, der nach der konventionellen Methode operiert wird, hat nach dem Eingriff einige Einschränkungen. "Er kann nichts Schweres tragen, er soll alle Bewegungen möglichst symmetrisch machen, er soll möglicherweise im Bett nur auf dem Rücken liegen", zählt Professor Rylski beispielhaft auf. Das sollten Patienten und Patientinnen zum Teil bis zu neun Monate lang beachten.

Bei der neuen Operation sei das anders. "Zwar leiden die Rippen, zwischen denen operiert wird durch das Aufspreizen", erklärt Professor Rylski, aber durchtrennt werde nur Bindegewebe und Muskulatur. "Er kann quasi, sobald er hier unser Krankenhaus verlässt, alles machen", so Professor Rylski weiter. Dennoch werde den Patienten und Patientinnen ein Reha-Aufenthalt empfohlen.

Wir empfehlen Reha, weil auch die minimal-invasive Herzchirurgie immer noch ein großer Eingriff ist. Das ist eine Operation, häufig mit Herz-Lungen-Maschine, natürlich mit Beatmung, mit Narkose.

Eine Herz-Lungen-Maschine bei einer Bypass-OP
Bei der TCRAT-OP im Robert Bosch Krankenhaus kommt eine Herz-Lungen-Maschine zum Einsatz. Sie ersetzt die Pumpfunktion des Herzens und die Sauerstoffversorgung, während das Herz für die OP stillgelegt ist. Auch bei konventionellen Bypass-OPs wird sie eingesetzt. Katja Trautwein

Weniger Schmerzen nach der Operation

Die minimal-invasive Operationsmethode birgt laut Robert Bosch Krankenhaus außerdem nicht nur ein geringeres Infektions- und Schlaganfallrisiko, auch entstünden dem Patienten weniger Schmerzen. Eberhard Pflumm kann das bestätigen: "Richtig dolle Schmerzen hatte ich eigentlich nie."

700 bis 800 Bypass-Operationen werden laut Chefarzt Professor Rylski am Robert Bosch Krankenhaus jährlich durchgeführt. Rund zehn Mal hat Professor Rylski bisher die TCRAT-Methode angewandt. "Ich bin mir sicher, dass diese Technik uns noch weiter nach vorne bringt und dass wir mehr Patienten besser helfen können", so der Herzspezialist. Er rechne damit, dass an seinem Krankenhaus künftig mindestens 50 Prozent der Bypass-Operationen nach der TCRAT-Methode durchgeführt werden.

Ein Arzt hält bei einer Operation eine aus dem Bein entnommene Vene in der Hand.
Professor Rylski präpariert eine aus dem Bein des Patienten entnommene Vene. Sie wird als einer der Bypässe am Herzen angenäht und fungiert dann als Umleitung an den verengten oder verstopften Gefäßen vorbei. Katja Trautwein

"Für den Patienten besser, für den Operateur etwas anstrengender"

Für den Operateur sei die neue Methode etwas anstrengender, weil die Öffnung im Brustkorb deutlich kleiner ist. "Es ist anspruchsvoller, die Gefäße gut darzustellen, sodass wir die Bypass-Operation sicher und gut durchführen können", so Professor Rylski.

Im Zweifelsfall könne während der OP aber jederzeit auf die konventionelle Methode umgestiegen werden: "Wir haben alle Instrumente im Saal, die dafür notwendig sind. Wir haben auch Personal im Saal. Wir können innerhalb von einer Minute den normalen Zugang etablieren."

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Zwar gab es auch zuvor schon eine minimal-invasive Bypass-Operation ohne Brustbeinöffnung - die MIDCAB-Methode - mit ihr waren aber nicht alle Stellen des Herzens erreichbar. Laut Professor Rylski konnten die Operateure so maximal zwei Gefäße als Bypässe am Herzen anschließen. Bei der neuen TCRAT-Technik bringt der Chirurg an der Hauptschlagader sowie an zwei Venen Schlingen am Herzen an und kann es darüber etwas drehen. So kann er umfassend Bypässe annähen, auch an der Herzhinterwand.

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Autor/in
Katja Trautwein
Katja Trautwein

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