Er habe Frauen auf der Toilette gefilmt und eine Joggerin in Mannheim angegriffen - unter anderem deswegen muss sich ein 26 Jahre alter Mann von Montag an vor Gericht verantworten. Zu Beginn der Verhandlung räumte der 26-Jährige über seinen Verteidiger einen Großteil der Vorwürfe ein.
Frauen von angeblich "defekter" Toilettenkabine gefilmt
Der 26-Jährige ließ seinen Verteidiger eine Erklärung verlesen, in der er einräumte, im Mai vergangenen Jahres mehrere Frauen auf einer Damentoilette der Uni Mannheim gefilmt zu haben. Dabei ist er laut Anklage wie folgt vorgegangen: Er soll ein Schild mit der Aufschrift "Defekt" auf eine mittlere Toilettenkabine angebracht haben, um dann mit einem Handy die Frauen in den Kabinen nebenan von unten und oben zu filmen.
Auch räumte der Angeklagte über seinen Verteidiger ein, im Juni eine zum Tatzeitpunkt 15-jährige Joggerin am Mannheimer Neckarufer in ein Gebüsch gezerrt und gewürgt zu haben. Er habe dann versucht, sie zu vergewaltigen, so die Staatsanwaltschaft. Er hatte dann aber von der Joggerin abgelassen, als zufällig eine Passantin vorbeigekommen und eingeschritten war. Eine Mannheimer Rechtsanwältin vertritt die Joggerin im Prozess in der Nebenklage.
26-Jähriger fiel auch mit exhibitionistischen Handlungen auf
Ein paar Wochen später soll der Angeklagte in Neckargerach (Neckar-Odenwald-Kreis), Eberbach (Rhein-Neckar-Kreis) und Heidelberg sowie in einer S-Bahn jeweils mit exhibitionistischen Handlungen aufgefallen sein. Laut Anklage hat der 26-Jährige in der S-Bahn ejakuliert - und zwar in das Gesicht einer jungen Frau sowie auf einen Sitzplatz. Den Vorfall in der S-Bahn räumte der 26-Jährige über seinen Verteidiger im Prozess ein.
Auch in Mainz soll der Mann aufgefallen sein: Im Juni hatte er der Anklage zufolge nachts eine Frau verfolgt und auf einen Parkplatz gezerrt - die Frau habe Hilfe gerufen und hatte flüchten können. Dazu machte der 26-Jährige im Verfahren keine Angaben.
Der Verteidiger betonte in der Erklärung, dass sein Mandant die Handlungen bereue. "Wenn er könnte, würde er die Taten gerne rückgängig machen", so der Rechtsanwalt.
Prozess in Mannheim: Angeklagter sei "psychisch auffällig"
Der Angeklagte ist laut Staatsanwaltschaft "psychisch auffällig". Deswegen ist auch ein psychiatrischer Sachverständiger im Prozess mit dabei. Die Mutter des Anklagten sagte am ersten Prozesstag aus. Ihr Sohn habe sich schon vor längerer Zeit zurückgezogen. "Er war immer traurig, aber er hat nicht mit mir gesprochen", erklärte die Mutter.
Die beiden lebten zeitweise zusammen. Oft habe er sich in seinem abgedunkelten Zimmer eingeschlossen. Eines Tages habe sie die Polizei rufen müssen, als ihr Sohn den Wäscheständer nach ihr geschmissen habe. "Ich habe nicht gedacht, dass es so weit kommt zwischen meinem Kind und mir." Irgendwann habe der heute 26-Jährige nicht mehr bei ihr gewohnt. "Er ist aggressiv geworden und dann von alleine gegangen", so die Mutter. Nach einer Suchaktion habe sie ihn in einer Unterkunft für Wohnungslose in Mainz gefunden.
Entscheidung Anfang April erwartet
Die Mutter sagt, dass sie und ihr Sohn sich immer wieder Hilfe bei verschiedenen Beratungsstellen und Kliniken gesucht hätten - bis zur Festnahme im Oktober sei er im Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim, kurz ZI, auch medikamentös behandelt worden.
Zuletzt studierte er in Mannheim Informatik. Er sitzt in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Mannheim in Untersuchungshaft. Eine Entscheidung wird Anfang April erwartet.