WG-Zimmer fast so teuer wie eine kleine Wohnung

MLP-Studentenwohnreport 2026: Heidelberg bleibt ein teures Pflaster

Höhere Mieten, weniger Wohnungen - für viele Studierende ist die Lage auf dem Immobilienmarkt zum Start des Wintersemesters dramatisch. In Heidelberg ist es besonders teuer.

Teilen

Stand

Von Autor/in Dagmar Kwiatkowski

Die Mieten auf dem studentischen Wohnungsmarkt steigen weiter an. Gleichzeitig wird weniger gebaut. Darauf weist der MLP Studentenwohnreport hin, der am Mittwoch veröffentlicht wurde.

Sophie Hoerd studiert in Heidelberg Jura, im dritten Semester. Die 21-Jährige, die aus Frankreich stammt, ist eine von über 32.000 jungen Menschen, die ein Dach über dem Kopf brauchen. Sophies Wohnsituation ist typisch für viele Kommilitonen in der Universitätsstadt am Neckar.

Sophie Hoerd
Jura-Studentin Sophie Hoerd hatte bei der Wohnungssuche in Heidelberg Glück.

Zum Studienstart vor einem Jahr hatte Sophie Hoerdt Glück: Sie fand eine Unterkunft im Stadtteil Neuenheim. Die Zusage kam allerdings sehr kurzfristig, zwei Tage vor dem Studienstart war das, aber immerhin. Dann hatte Sophie leider Pech: Wenige Monate nach ihrem Einzug brannte es in dem Gebäude und ihre kleine Bleibe wurde durch das Feuer unbewohnbar. Aber am Ende hatte sie dann doch wieder Glück: Sophie fand in Heidelberg eine Übergangslösung zum Wohnen - "bei netten Menschen", wie sie erzählt.

WG-Zimmer oder kleine Wohnung: Suche beginnt von vorne

Die Suche nach einer Dauerlösung ging für Sophie von Neuem los. Erst schaute sie sich nach einem WG-Zimmer um, weil sie annahm, das sei günstiger, als alleine zu wohnen. Inzwischen aber hat sie eine kleine Wohnung gefunden, 30 Quadratmeter groß - 650 Euro zahlt die Studentin dafür. Das ist sogar günstiger als ein normales WG-Zimmer, denn hier hätte sie zwischen 700 und 900 Euro zahlen müssen - das zumindest ist ihre persönliche Erfahrung bei der Suche.

Grafik zum Wohnungsmarkt in Heidelberg

MLP-Studentenwohnreport: Günstig ist es nur in Chemnitz

Laut dem jetzt veröffentlichten MLP-Studentenwohnreport können sich Studierende mit der BAföG-Wohnkostenpauschale von 380 Euro nur an einem von 38 untersuchten Hochschulstandorten eine 30-Quadratmeter-Wohnung leisten, nämlich in Chemnitz. Dabei handelt es sich um eine sogenannte Musterwohnung, also eine typische Studentenwohnung. Denn, so heißt es im Report, die Mieten auf dem studentischen Wohnungsmarkt steigen ausgehend von einem bereits hohen Niveau weiter an. Gleichzeitig geht die Bautätigkeit an vielen Standorten zurück. Die Folge: Bestehende Angebotsengpässe können sich künftig weiter verschärfen.

Günstige Wohnheimzimmer oft Mangelware

Vergleichsweise günstig wohnen kann man in den meisten Uni-Städten allenfalls noch in Studierendenwohnheimen. In Tübingen zum Beispiel zahlt man für ein Wohnheimzimmer im Schnitt rund 312 Euro - allerdings steigen dort ab diesem Semester die Nebenkosten bei Neuverträgen um drei Prozent an. Und: Ein Zimmer im Wohnheim zu bekommen, ist alles andere als selbstverständlich. Die Wohnheime in Tübingen sind für das kommende Semester bereits voll belegt. Beim Tübinger Studierendenwerk sind derzeit noch immer 235 Studierende als zimmersuchend registriert.

Spätestens ab dem Jahr 2028 sollen in Tübingen 150 weitere Wohneinheiten und perspektivisch auch ein weiteres Wohnheim mit 350 Plätzen für Studierende entstehen. Kurzfristig hilft diese Aussicht den Wohnungssuchenden aber natürlich nicht weiter.

Studenten sitzen in einem Hörsaal.
Volle Hörsäle sorgen für großen Andrang auf dem studentischen Wohnungsmarkt. picture alliance/dpa | Uwe Anspach

Auch in anderen baden-württembergischen Uni-Städten wie etwa Konstanz ist der Wohnungsmarkt für Studierende angespannt. Laut dem MLP-Studentenwohnreport gibt es nur wenige Angebote und die Mieten sind hoch. Demnach zahlen Studierende in Konstanz für ein WG-Zimmer rund 560 Euro Warmmiete, für eine 30 Quadratmeter-Wohnung sind es etwa 600 Euro. Damit liegt Konstanz im Vergleich mit den im Report untersuchten 38 deutschen Hochschulstandorten preislich im Mittelfeld, eher etwas über dem Durchschnitt. Und der Mietpreis steigt jährlich um rund vier Prozent. 

Teures Heidelberg: Warmmiete rund 700 Euro pro Monat

Heidelberg gehört dagegen zu den teuersten Universitätsstädten Deutschlands. Für eine typische studentische Wohnung mit 30 Quadratmetern fallen laut Berechnung rund 700 Euro Warmmiete pro Monat an. Damit liegt Heidelberg bundesweit auf Rang 6 und noch vor Städten wie Stuttgart oder Düsseldorf. Ein typisches WG-Zimmer kostet rund 690 Euro.

Heidelberg: 100 Einwohner, 23 Studierende

Heidelberg ist nicht nur eine teure Stadt zum Wohnen für Studierende, sondern auch sehr stark von ihnen geprägt. Auf 100 Einwohner kommen rund 23 Studierende. Das ist bundesweit einer der höchsten Werte und zeigt die große Bedeutung der Studierenden für die Stadt.

Mannheim ist günstiger als Heidelberg

Mannheim ist deutlich günstiger als Heidelberg, aber ebenfalls weit von der BAföG-Realität entfernt. Die kalkulierte Warmmiete für die 30-Quadratmeter-Musterwohnung liegt in der Quadratestadt bei 550 Euro, ein Muster-WG-Zimmer kostet rund 500 Euro.

Der Fall der Heidelberger Jurastudentin Sophie bestätigt die Zahlen des MLP-Studentenwohnreports: Sie hat sich für eine kleine Wohnung entschieden, weil sie letzten Endes günstiger ist als ein vergleichbares WG-Zimmer.

Heidelberg

Studentenwohnreport veröffentlicht Miete in BW: Studierende zahlen in Heidelberg am meisten

Heidelberg bleibt für Studenten die teuerste Stadt in Baden-Württemberg und auch in Deutschland nach den großen Städten. Doch auch andere Unistädte im Land sind nicht günstig.

Ispringen, Freiburg, Mannheim

"Zugehört" - Serie zur Kommunalwahl BW 2024 Hohe Mieten, steigende Immobilienpreise: Was tun für bezahlbares Wohnen in BW?

In den Städten Baden-Württembergs ist bezahlbarer Wohnraum Mangelware. Aber auch im ländlichen Raum ist fast nichts mehr zu finden. Was können Kommunen tun? Ein Blick ins Land.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Heidelberg

Bund und Stadt unterzeichnen Absichtserklärung Keine "klassische militärische Nutzung": Was auf ehemaliger US-Armee-Fläche PHV in Heidelberg entstehen soll

Die Bundeswehr plant, nur Teilflächen des früheren US-Geländes Patrick-Henry-Village in Heidelberg zu nutzen. Eine Kaserne soll es dort nicht geben. Was außerdem geplant ist.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Dagmar Kwiatkowski
Dagmar Kwiatkowski

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!