Der Neckar-Odenwald-Kreis hat allein in den vergangenen zehn Jahren mehr als 67 Millionen Euro an seine kreiseigenen Kliniken in Mosbach und Buchen überwiesen, um deren Überleben zu sichern. Derart hohe Ausgleichszahlungen seien auf Dauer nicht mehr zu leisten, sagt dazu der Neckar-Odenwälder Landrat Achim Brötel (CDU). Brötel ist auch Aufsichtsratsvorsitzender der Kliniken.
Kreistag befasst sich mit Gutachten
In seiner nächsten Sitzung Ende September soll sich nun der Kreistag erstmals mit einem neuen Gutachten befassen, bei dem es um die konkrete Zukunft der beiden Krankenhäuser geht. Das Gutachten ist vom Aufsichtsrat der Kliniken in Auftrag gegeben worden.
Die Gutachter haben zahlreiche Szenarien durchgespielt: vom Erhalt beider Häuser in ihrer bisherigen Form über eine mögliche Umwandlung beider Häuser bis hin zu einem Szenario, in dem eines der beiden Häuser geschlossen wird. Das Gutachten prüfte auch die Schließung beider Standorte zugunsten eines Neubaus in zentraler Lage.
Gutachter bevorzugen den Erhalt beider Häuser
Laut Kreisverwaltung bevorzugen die Gutachter die Variante, bei der beide Häuser bestehen bleiben, Buchen dabei als Standort deutlich ausgebaut und Mosbach zu einem sogenannten "sektorenübergreifenden Versorger" verkleinert wird. Die sektorenübergreifenden Versorger sind grob gesagt Häuser, in denen stationäre und ambulante Versorgung kombiniert werden und die so eine ganzheitliche Versorgung der Patienten ermöglichen sollen.
"Wir wollen größtmögliche Transparenz in der Diskussion."
Am 24. September wird das Gutachten erstmals dem Kreistag vorgestellt, die Gutachter selbst werden dann Rede und Antwort stehen. "Damit ist aber noch nichts entschieden", sagt Landrat Brötel. Auch von Seiten des Aufsichtsrates der Neckar-Odenwald-Kliniken gebe es noch keine Bewertung der Ergebnisse des Gutachtens, betont er.
Der Diskussionsprozess solle so transparent wie möglich gestaltet werden. Auch das Land als zuständige Behörde für die Krankenhausplanung soll sich äußern. "Erst danach werden wir im Aufsichtsrat und im Kreistag das Gutachten bewerten und die Ergebnisse diskutieren", so Achim Brötel.
"Da werden sehr viele Emotionen mit im Spiel sein"
Laut Brötel haben die Neckar-Odenwald-Kliniken im Jahr 2024 ein Defizit von "deutlich mehr als zehn Millionen Euro". Auch für das laufende Jahr 2025 müsse mit entsprechend hohen Verlusten gerechnet werden. Seit Jahren leistet der Kreis jährlich Ausgleichszahlungen. "Ohne die gäbe es die Kliniken schon nicht mehr", so Brötel. Das Geld des Kreises kommt über die Kreisumlage von den Neckar-Odenwälder Städten und Kommunen. Und auch die sind finanziell alles andere als auf Rosen gebettet.
"Wir stehen vor einer schwierigen Entscheidung", so Brötel. "Da werden sehr viele Emotionen mit im Spiel sein." Der Kreis müsse sich aber dennoch diesen unbequemen Themen stellen: "Ob wir wollen oder nicht."