Staatsanwaltschaft fordert mehrjährige Freiheitsstrafe

Mathe, Physik, Chemie: Falsche Lehrerin muss sich in Heidelberg vor Gericht verantworten

Im Prozess gegen eine Frau, die sich als Lehrerin ausgegeben haben soll, sind am Donnerstag die Plädoyers gesprochen worden. Auf die 41-Jährige kommt wohl eine Freiheitsstrafe zu.

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Von Autor/in Stephanie Ley

Seit Montag muss sich eine 41-jährige Frau vor dem Landgericht Heidelberg verantworten, weil sie Hochschulzeugnisse sowie ein polizeiliches Führungszeugnis gefälscht und sich als Lehrerin ausgegeben haben soll. Sie unterrichtete jahrelang Mathe, Chemie und Physik an Privatschulen in Heidelberg und im saarländischen Homburg. Außerdem soll sie mit manipulierten Einkommensnachweisen versucht haben, Bankkredite zu erschleichen. Die Staatsanwaltschaft wirft der Angeklagten unter anderem gewerbsmäßigen Betrug und Urkundenfälschung vor, teilte eine Gerichtssprecherin mit.

Staatsanwaltschaft fordert mehrjährige Freiheitsstrafe

Die Staatsanwaltschaft forderte in ihrem Plädoyer am Donnerstag zwei Gesamtstrafen: Für ihre mutmaßlich erschlichene Tätigkeit als Lehrerin in Heidelberg eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten. Für den vorgeworfenen Betrug einer Bank und die Lehrertätigkeit im Saarland eine zusätzliche Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten. Die Verteidigung forderte hingegen eine Gesamtstrafe von zwei Jahren und acht Monaten. Ein Urteil wird am Montag erwartet.

Privatschule in Heidelberg kündigte Frau wegen gefälschter Atteste

Die Frau soll laut Anklage in Heidelberg von 2021 bis 2024 einen Bruttolohn in Höhe von über 190.000 Euro erschlichen haben, in Homburg waren es rund 11.000 Euro Gehalt. Die Privatschule in Heidelberg hatte der Frau fristlos gekündigt, nachdem sie offenbar monatelang wegen einer angeblichen Krebserkrankung krankgemeldet war und dafür gefälschte Atteste vorgelegt hatte. Die Angeklagte zog daraufhin ins Saarland und arbeitete dort an einer anderen Privatschule.

Prozessauftakt am Heidelberger Landgericht - falsche Lehrerin
Der Vorsitzende Richter Markus Krumme (2. von rechts) leitet die Verhandlung.

41-Jährige flog bei der Beantragung eines Kredits auf

Die 41-Jährige flog nach Informationen der Staatsanwaltschaft auf, nachdem sie 2024 einen Kredit in Höhe von 25.000 Euro bei einer Bank beantragt hatte. Ein Mitarbeiter war bei einer internen Prüfung stutzig geworden. Die Frau soll bei dem Geldinstitut gefälschte Gehaltsnachweise mit einem zu hohen Gehalt vorgelegt haben. Die Bank brachte den Fall zur Anzeige, die Ermittlungen kamen ins Rollen. Auch in einem weiteren Fall soll die Angeklagte ein Darlehen über 30.000 Euro aufgenommen haben.

Angeklagte räumt Vorwürfe vor Gericht ein

Bei Prozessauftakt am Montag las der Anwalt der Frau eine Erklärung vor, in der die 41-Jährige alle Vorwürfe einräumte. Die Frau wirkte gebrochen und war bei ihren Schilderungen mehrfach den Tränen nahe. Sie schäme sich für das, was sie getan habe, sagte sie.

Vor Gericht erzählte die Frau, sie sei im Gymnasium eine der Klassenbesten gewesen und habe ein Abitur mit einem Schnitt von 1,3 gemacht. Sie habe unter anderem Mathe und Chemie auf Lehramt studiert, sei aber durch die erste Matheklausur gefallen und habe sich dadurch nutzlos gefühlt. Als Schülerin litt sie an einer Essstörung, später machten ihr Depressionen zu schaffen. Um schlafen zu können, habe sie zahlreiche Medikamente genommen - manchmal bis zu 20 Tabletten am Tag. Schließlich habe sie das Studium abgebrochen.

Die Angeklagte stammt aus einem Lehrerhaushalt. Auch ihre Eltern und der Bruder waren beziehungsweise sind als Lehrer tätig.

Schüler erlebten Frau als kompetente Lehrerin

Ehemalige Schüler und Schülerinnen verfolgten die Verhandlung im Gerichtssaal. Zwei junge Frauen erklärten dem SWR am Rande des Prozesses, sie hätten die Angeklagte als "kompetente Lehrerin" in Mathe, Chemie und Physik erlebt. Sie galt als "sehr empathisch", war als "Vertrauenslehrerin" eingesetzt und fuhr auch bei Klassenfahrten mit. Ihre Festnahme habe sie beide "völlig überrascht".

Wir haben das im Unterricht überhaupt nicht gemerkt. Uns tut sie irgendwie leid.

Die Frau war bereits 2021 in Rheinland-Pfalz zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Sie hatte sich mit gefälschten Universitätsabschlüssen Zugang zum Referendariat erschlichen. Ende 2023 war sie zudem in Heidelberg zu einer weiteren Bewährungsstrafe wegen Urkundenfälschung verurteilt worden.

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Stephanie Ley
Stephanie Ley aus dem SWR Studio Mannheim

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