Xavier Naidoo hatte gerade seine Comebacktour gestartet, jetzt irritiert der Mannheimer Sänger am Rande einer Demonstration in Berlin erneut mit seinen Aussagen. Vor dem Bundeskanzleramt sprach er am Dienstag von "Menschenfressern und Kannibalen" und behauptete, alle Anwesenden hätten unwissentlich schon "Menschenfleisch gefressen". Das geht aus Videos hervor, die auf mehreren Kanälen veröffentlicht wurden, wie YouTube und "X". Das Management von Xavier Naidoo hat auf eine Anfrage des SWR mit Bitte um Stellungnahme bisher nicht reagiert.
Naidoo spricht von "Menschenfressern" und "Kannibalen"
Xavier Naidoo äußerte sich am Dienstag am Rande einer Demonstration gegen Kindesmissbrauch in Berlin vor dem Bundeskanzleramt. Anlass der Kundgebung soll die Veröffentlichungen der Epstein-Akten gewesen sein. Er sprach in die Mikrofone, dass er dort sei, weil es nicht um "normales Sex-Trafficking und Frauen" gehe, sondern um "Menschenfresser". "Die fressen unsere Babys, verdammt nochmal", sagte Naidoo.
In den Videos ist zu sehen und zu hören, wie Naidoo weiter ausführt, dass er sich sicher sei, dass alle Anwesenden schon mal "Menschenfleisch gegessen" hätten, unwissentlich. Kannibalen sei es das Allerwichtigste, dass "wir alle Kannibalen werden, mit ihnen zusammen, damit wir alle in die Hölle runterfahren." Des Weiteren unterstellte er einem US-amerikanischen Unternehmen "embryonales Gewürzmittel" auf Chips zu streuen.
Zusammen mit anderen Demonstrierenden verlangte Naidoo Einlass ins Kanzleramt, um mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) beziehungsweise dessen Vertreter Lars Klingbeil (SPD) zu sprechen.
Antisemitismusbeauftragter übt Kritik
Der baden-württembergische Antisemitismusbeauftragte Michael Blume bezeichnete Naidoos Wortwahl als radikalisierend. Der Sänger habe deutliche Anspielungen zum Antisemitismus gelegt und diese nicht glaubwürdig aufgearbeitet, so Blume: "Ein großer Teil seiner Anhängerschaft wird daher auch die Begriffe 'Kinderfresser' und 'Menschenfresser' als antijüdische Verschwörungsmythen aufnehmen." Dies sei sehr gefährlich.
Seit Jahrhunderten gibt es laut der Bundeszentrale für politische Bildung antisemitische Verschwörungserzählungen, nach denen Juden aus rituellen Gründen kleine Kinder töteten.
Mannheimer OB bezeichnet Äußerungen als "bedauerlich"
Auch der Mannheimer Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) äußerte sich kritisch. Er teilte mit, dass er schon anlässlich der Konzerte Naidoos im Januar, unter anderem in Mannheim, betont habe, dass es wichtig sei, dass der Mannheimer Sänger sich nicht nur einmalig von antisemitischem und fremdenfeindlichem Gedankengut und von Verschwörungserzählungen distanziere. Es sei zutiefst bedauerlich, dass er nun offensichtlich erneut krude Verschwörungstheorien verbreite. Er schade damit sich selbst und seinem künstlerischen Vermächtnis. Der Mannheimer Grünen-Stadtrat und Rechtsextremismus-Beauftragte Gerhard Fontagnier erklärte gegenüber dem SWR, Naidoo habe gezeigt, dass er sich mitnichten geändert habe.
Naidoo hatte in der Vergangenheit wiederholt Verschwörungstheorien verbreitet und sich antisemitisch geäußert. Von diesen Aussagen distanzierte er sich im Jahr 2022. Ende vergangenen Jahres hatte er mit einer Tournee sein Comeback gestartet.
Organisatoren der Demo in Berlin distanzieren sich
Von den Organisatoren der Veranstaltung hieß es auf SWR-Anfrage am Donnerstag, die Demo sei von Betroffenen von sexuellem Kindesmissbrauch für Betroffene gewesen. Sie sollte auf sexualisierte Gewalt an Kindern aufmerksam machen.
Die Demo von justiceforsurvivors_2026 sei offiziell beendet gewesen und sie als Veranstalter nicht mehr vor Ort, als Xavier Naidoo sich geäußert habe. Ihnen sei nicht bekannt gewesen, dass der Sänger beabsichtige, zu kommen.
Zuvor hatten sie sich in einem Post auf Instagram von "sämtlichen parteipolitischen Positionierungen" und von der Teilnahme Xavier Naidoos sowie von Mitgliedern rechter Parteien distanziert. Die Demo habe ausschließlich der "Gerechtigkeit für Kinder" gedient und sollte "frei von politischer Instrumentalisierung und erwachsenen Eigeninteressen" sein.
Naidoo wegen Volksverhetzung im Gerichtsstreit
Am Landgericht Mannheim sind weiterhin zwei Verfahren wegen Volksverhetzung gegen Naidoo anhängig. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll Naidoo dabei Inhalte mit den Holocaust leugnendem und antisemitischem Charakter über einen Telegram-Kanal verbreitet haben. Ob ein Hauptverfahren eröffnet wird, ist noch offen, wie das Gericht bestätigte. Naidoos Anwälte bestreiten die Vorwürfe und beteuern die Unschuld des Musikers.