Zum 140-jährigen Jubiläum präsentiert Mercedes-Benz in Stuttgart eine überarbeitete S-Klasse. Das Luxusmodell erhält ein umfassendes Facelift mit neuer Technik und markanten Design-Details. Am Erfolg der S-Klasse hängt viel für den Hersteller, der wie andere deutsche und europäische Hersteller mittendrin steckt in der Autokrise.
Die neue S-Klasse ist ein Facelift
Um eine komplett neue Generation handelt es sich bei der vorgestellten S-Klasse nicht. In der Autoindustrie wird bei einer solchen Überarbeitung von Modellpflege oder einem "Facelift" gesprochen. Die aktuelle Baureihe der S-Klasse gibt es seit 2020.
Die S-Klasse zielt nicht auf die breite Masse ab. Das Fahrzeug zählt zum Top-End-Segment der Schwaben. Auf der Rückbank der Oberklassen-Limousine lassen sich auch Manager oder Politiker kutschieren.
Viele Teile auf einen neuen Stand gebracht
Mehr als die Hälfte der Bauteile - rund 2.700 Komponenten - seien neu oder überarbeitet, teilte Mercedes mit. Unter anderem komme die S-Klasse mit dem selbst entwickelten Betriebssystem "MB.OS" daher. Von außen betrachtet dürfte vor allem im Dunkeln der größere und beleuchtete Kühlergrill ins Auge stechen. Optional werde auch der Mercedes-Stern auf der Motorhaube beleuchtet.
An den Vordersitzen soll eine Gurtheizung den Komfort erhöhen. Die Gurtheizung könne auch die Sicherheit der Insassen erhöhen, teilte Mercedes mit.
S-Klasse: Gemischte Reaktionen aus der Fachwelt
Der Autoexperte Stefan Bratzel, Gründer und Direktor des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach, sagte im SWR-Interview: "Mercedes, die S-Klasse - man ist, wenn man so will, in einer Zwischenwelt. Die Welt hat sich gedreht. Es gibt innovationsstarke Spieler, gerade auch in China, die eben auch in verschiedenen Feldern mit Neuerungen auftrumpfen können."
Und Bratzel weiter: "Bei der jetzigen S-Klasse holt man Themen nach, die anderweitig auch innerhalb des Mercedes-Konzerns schon in einiger Hinsicht in Serie sind. Insofern fehlt es bei der nächsten S-Klasse, die wir jetzt als Facelift sehen, tatsächlich an einigen Neuerungen, die man sich gewünscht hätte. Insbesondere eben beim Thema automatisiertes Fahren Level 3, eine Weiterentwicklung, die man jetzt erst mal gestoppt hat."
Ein reine E-Variante der S-Klasse wird es nicht geben
Etwa 121.000 Euro mindestens soll die neue S-Klasse kosten. Sie ist als Benziner, Diesel und Hybrid erhältlich. Eine reine E-Variante ist erstmal nicht geplant. Das Unternehmen verweist stattdessen auf die Elektro-Limousine EQS, die seit 2021 auf dem Markt ist.
Die Entscheidung, die neue S-Klasse nicht als Stromer anzubieten, könnte ein Fehler sein, meint Bratzel. "Wenn die S-Klasse selbst keinen reinen Elektroantrieb anbietet, ja, ist das schon eine gewisse Lücke, die in wichtigen Märkten eben wie China ein Problem werden kann."
Stefan Reindl, Direktor vom Institut für Automobilwirtschaft im schwäbischen Geislingen sagte, die S-Klasse sei das Aushängeschild von Mercedes-Benz. "Das ist wirklich das Top-End-Auto". Es gehe weniger um die Stückzahl als um die Erträge pro Auto. Insgesamt werde die S-Klasse die strukturellen Herausforderungen der Automobilindustrie nicht lösen. Sie könne Mercedes jedoch in der aktuellen Situation spürbar unterstützen, sagte Reindl.
Es sei wichtig, dass die S-Klasse nicht veraltet ist und ein Update bekommt, sagte Frank Schwope, Lehrbeauftragter an der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) Köln. Schließlich sei die S-Klasse hinsichtlich der Gewinnspanne eines der Modelle, mit denen Mercedes am meisten Geld verdiene.
Die S-Klasse ist bislang kein Verkaufsschlager
Zuletzt war die Nobelkarosse eher Ladenhüter als Ikone. 2020 kam das bisherige Modell auf den Markt, 2022 wurden laut Mercedes noch über 90.000 verkauft. Inzwischen aber dürfte es noch die Hälfte sein, schätzen Experten. Das Unternehmen selbst veröffentlich keine Verkaufszahlen für einzelne Baureihen mehr. Mit der neuen S-Klasse will Mercedes jetzt wieder Boden gut machen, ob die neue S-Klasse weltweit erfolgreich wird, muss sich in den kommenden Monaten zeigen.