Diskussion um Beihilfe zum Suizid

Nach Tod von Kessler-Zwillingen: Gesetz zur Suizid-Prävention gefordert

Die Kessler-Zwillinge haben gemeinsam den assistierten Suizid gewählt. Nach ihrem Tod bekräftigt die Diakonie Württemberg ihre Forderung nach einem Gesetz zur Suizid-Prävention.

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Von Autor/in Utku Pazarkaya

Kirchliche Sozialverbände in Baden-Württemberg fordern nach dem Tod der Kessler-Zwillinge mehr Maßnahmen zur Suizid-Prävention. "Der Suizid prominenter Personen ist immer ein Signal, weil Prominente Vorbilder sind", erklärt Annette Noller, Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Württemberg, gegenüber dem SWR. Angebote der Prävention könnten verhindern, dass Menschen freiwillig aus dem Leben schieden, so Noller.

Forderung nach Gesetz, um Suizide zu verhindern

"Als Diakonie wollen wir Menschen helfen, Alter, Gebrechen und den Verlust eines Partners durchzustehen", betonte die Oberkirchenrätin. Die Diakonie fordere schon länger ein Suizid-Präventionsgesetz. Jeder Mensch müsse sich darauf verlassen können, bis zuletzt gut leben zu können. "Wir brauchen ein verlässliches Angebot an Beratung, Begleitung und palliativer Versorgung."

Ein Gesetz zur Suizidprävention forderte auch der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Helmut Frister. Die Bundesregierung habe eine entsprechende Regelung für das nächste Jahr angekündigt, erklärte Frister am Donnerstag im ARD-Morgenmagazin.

Gesetzliche Regelung zu assistiertem Suizid fehlt

Frister erklärte, dass in Deutschland eine gesetzliche Regulierung der Suizidassistenz fehle. Nötig sei ein Verfahren, in dem überprüft werde, ob jemand bei einer Entscheidung zum Suizid freiverantwortlich handele. Nach Worten Fristers solle es eine unabhängige Beratung geben. Ein Gutachten muss es nach seiner persönlichen Meinung nur dann geben, wenn Anhaltspunkte für eine psychische Erkrankung der sterbewilligen Person vorliegen.

Gemeinsamer Tod der Kessler-Zwillinge

Hintergrund der laufenden Debatte ist der Tod der bekannten Kessler-Zwillinge Alice und Ellen. Sie waren am Montag im Alter von 89 Jahren gestorben. Die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben bestätigte, sie habe die beiden beim assistierten Suizid begleitet.

Diskussion: Sollte man öffentlich über Suizid sprechen?

Zu der Frage, ob man über das Thema öffentlich sprechen sollte, sagte Frister: "Man hat immer das Problem eventueller Nachahmungseffekte, wenn man drüber spricht." Zu schweigen, bringe aber noch viel weniger. Wichtig sei, "sehr sorgfältig und differenziert" über das Thema zu reden.

Caritasverband: "Keine falschen Signale senden"

Der Deutsche Caritasverband ruft dazu auf, bei der Berichterstattung über den Tod von Alice und Ellen Kessler keine falschen Signale zu senden. "Wir sind sehr besorgt, dass die ausführliche Berichterstattung und Romantisierung des assistierten Suizids des Schwesternpaars einen gesellschaftlichen Druck verstärkt, den wir schon seit einigen Jahren beobachten", erklärte Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa. Insbesondere alte Frauen sähen sich in der Verantwortung, niemandem zur Last zu fallen, und nähmen die Angebote für assistierten Suizid als notwendig zu prüfende Handlungsoption wahr, warnte Welskop-Deffaa.

Caritas-Präsidentin fordert Werbeverbot von Sterbehilfevereinen

"Statt Werbung für das vermeintlich einfache Lebensende braucht es eine Verbesserung der Suizidprävention sowie einen Ausbau von Hospizplätzen. Wir fordern mit Nachdruck die gesetzliche Verankerung von Maßnahmen der Suizidprävention, wie zum Beispiel ein Werbeverbot für Organisationen, die beim Suizid unterstützen, mit anderen gesetzlichen Regulierungen der Suizidassistenz", so Welskop-Deffaa.

Alice und Ellen Kessler sind gestorben

Die Kessler-Zwillinge machten weltweit Karriere mit zweistimmigem Gesang und perfekten Choreografien. Jetzt sind Alice und Ellen Kessler ist im Alter von 89 Jahren gestorben.

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Utku Pazarkaya
Porträt Utku Pazarkaya

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