Der frühere Inspekteur der Polizei muss sich erneut vor Gericht verantworten. Eine Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts hat die Anklage der Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen den Polizisten wegen des Verdachts der Bestechlichkeit zugelassen. Das teilte das Landgericht mit. Der Angeklagte ist vom Dienst suspendiert.
Polizeiinspekteur soll junge Kollegin bedrängt haben
Laut Anklage soll der ehemals ranghöchste Polizeibeamte Baden-Württembergs einer jungen Kollegin in einem Telefonat in Aussicht gestellt haben, sie beim Auswahlverfahren für den höheren Dienst ungeachtet ihrer Leistungen zu fördern.
Seine Unterstützung soll er mit dem Austausch von Zärtlichkeiten und sexuellen Gefälligkeiten verknüpft haben. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn daher im Mai 2025 wegen Bestechlichkeit angeklagt.
Freispruch im Prozess wegen sexueller Nötigung
Der frühere Polizeiinspekteur musste sich bereits 2023 wegen sexueller Nötigung vor dem Landgericht Stuttgart verantworten. Aus Mangel an Beweisen wurde er freigesprochen.
Mit der Affäre und dem vermeintlichen Fehlverhalten von Innenminister Thomas Strobl (CDU) befasste sich auch ein Landtags-Untersuchungsausschuss. Die Opposition im Landtag forderte sogar den Rücktritt Strobls.
Innenminister Strobl musste 15.000 Euro bezahlen
Dieser war in Schwierigkeiten geraten, weil er 2021 ein Anwaltsschreiben des Ex-Polizeiinspekteurs an eine Zeitung weitergegeben hatte. Monatelang blieb unklar, wer das Schreiben durchgestochen hatte - bis Strobl sich dazu bekannte.
Die Staatsanwaltschaft ermittelte dann auch gegen den Innenminsiter. Im Oktober 2022 wurde das Angebot der Staatsanwaltschaft bekannt, das Verfahren gegen Strobl einzustellen, wenn er eine Geldauflage von 15.000 Euro bezahlt. Dieser akzeptierte.