Die Nachfrage nach Bestattungen unter Bäumen steigt in Baden-Württemberg stetig. Aber auch die Baumbestattung hat sich laut dem Bundesverband Deutscher Bestatter inzwischen etabliert - "im Bestattungswald und auch auf vielen Friedhöfen".
Auch wenn es keine Zahlen oder Studien dazu gibt - eine repräsentative Forsa-Umfrage vom September 2024 hat laut Bestatter-Verband ergeben, dass neun Prozent der Befragten auf einem klassischen Friedhof unter einem Baum beigesetzt werden möchten und 16 Prozent eine Bestattung unter einem Baum im Bestattungswald bevorzugen würden.
Wir gehen davon aus, dass sowohl Bestattungswälder als auch Friedhöfe ihre Angebote rund
um Baumbestattungen in den nächsten Jahren erweitern werden. Das Angebot wächst stetig, die Möglichkeiten sind vielfältig.
Was genau ist eine Waldbestattung?
Darf ich mich in jedem Wald bestatten lassen?
Was kostet ein Platz im Bestattungswald?
Was darf ins Grab und was aufs Grab?
Welche Vorteile hat diese Art von Bestattung?
Welche Nachteile hat die Waldbestattung?
Was genau ist eine Waldbestattung?
Eine Waldbestattung ist eine Beisetzung in einem Wald unter einem Baum. Wer sich so bestatten lassen möchte, muss sich vorher einäschern lassen. Die Asche des Verstorbenen wird dann in einer biologisch abbaubaren Urne beigesetzt. Die Pflege der sogenannten Bestattungswälder wird von der zuständigen Forstverwaltung oder den Waldbesitzern erbracht.
Darf ich mich in jedem Wald bestatten lassen?
Nein, denn Bestattungen sind nur in dafür ausgewiesenen Bestattungswäldern erlaubt. In Deutschland gibt es verschiedene, auf Waldbestattungen spezialisierte Anbieter wie FriedWald
oder RuheForst. Sie benötigen einen Betreiber wie eine Gemeinde, eine Kirche oder einen Landesforst, wie ein FriedWald-Sprecher erläutert. Jeder Standort sei ein nach öffentlichem Recht genehmigter Friedhof im Wald.
Was kostet ein Platz im Bestattungswald?
Die kosten richten sich auch nach dem Standort. So kostet ein "Basisplatz" in einem Bestattungswald rund 600 Euro, schreibt FriedWald. Teurer wird es, wenn man sich den
Baum, unter dem üblicherweise mehrere Menschen bestattet sind, selbst aussucht
oder gar einen Baum nur für sich erwirbt. Zudem werden pauschale Beisetzungskosten von rund 500 Euro fällig. Mit einkalkuliert werden sollten darüber hinaus auch die Kosten für den Bestatter, der unter anderem die Einäscherung des Leichnams organisiert.
Was darf ins und was aufs Grab?
Auf das Grab darf eigentlich nichts. Die Grabpflege wird der Natur überlassen, Kreuze oder Grabsteine sind nicht erlaubt, ebenso wenig wie Grablichter oder Blumenschmuck. Stattdessen kann eine Namenstafel an dem betreffenden Baum befestigt werden. Ins Grab dürfen etwa bei FriedWald einzelne Blumen, kleine Steine, Briefe oder ein selbst gemaltes Bild.
Welche Vorteile hat diese Art von Bestattung?
Viele Angehörige bevorzugen es, wenn Kosten und Logistik für Grabpflege und Grabstein entfallen, erläutert Simon Walter vom Bundesverband Deutscher Bestatter. Das allerdings sei auch auf konventionellen Friedhöfen möglich, sofern sie Gemeinschaftsgrabstätten oder Baumbestattungen auf dem Friedhofsgelände anbieten. Viele Menschen beruhige zudem der Gedanke, in der Natur bei einem Baum begraben zu werden. Das gesellschaftliche und das individuelle Bewusstsein für Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz sei in den letzten Jahren stetig gestiegen, so Walter.
Welche Nachteile hat die Waldbestattung?
Bestattungswälder sind laut Walter nicht das ganze Jahr über verkehrssicher. Auch sei die Grabstelle nicht unbedingt barrierefrei zugänglich, so wie das weitgehend bei "normalen" Friedhöfen der Fall sei. Manche kritisierten auch den Verlust eines Raumes für soziale und kulturelle Begegnung. Andere Trauernde, mit denen man sich austauschen könne, finde man
im Bestattungswald nicht so einfach wie auf Friedhöfen.
Gesellschaft Bestattungskultur – Neue Rituale im Umgang mit dem Tod
Beisetzungen verstorbener Personen werden individueller.
Neben Erd- oder Feuerbestattung treten Bäume oder "Re-Erdigungen", die den Abschied und das Trauern erleichtern wollen.
Letzte Ruhestätte im Staatswald
Das Land Baden-Württemberg ist mit Staatswaldflächen inzwischen in das Geschäft eingestiegen. Dabei ist die jeweilige Kommune Träger des Friedhofes. Das Unternehmen FriedWald als Anbieter für Waldbestattungen fungiert als Franchisegeber. In den vergangenen Wochen wurden in Friolzheim im Enzkreis sowie Wiesenbach (Rhein-Neckar-Kreis) zwei solcher Orte eröffnet: Die Urnen von Verstorbenen können hier mitten im Staatswald einen Platz bekommen.