Die Plattform Schule@BW bietet eigentlich alles, was das Lehrkräfte-Herz begehrt: Eine Mediathek, KI-Anwendungen und seit eineinhalb Jahren auch den sogenannten "Digitalen Arbeitsplatz". Dahinter verbergen sich Programme für Mails, Kalender, Aufgaben, Präsentationen, Tabellenkalkulationen. Das Besondere: Alle diese Anwendungen sind datenschutzrechtlich vorbildlich, denn die Daten liegen auf deutschen Servern. Und es handelt sich um Open-Source-Programme - damit sind die Schulen nicht von US-Firmen wie Microsoft oder Apple abhängig.
Lehrer Moritz Mayer ist schon überzeugt. Er unterrichtet am Albert-Schweitzer-Gymnasium in Laichingen (Alb-Donau-Kreis) Deutsch und Geschichte. Um Schule@BW und den Digitalen Arbeitsplatz zu nutzen, sind aus seiner Sicht keine besonderen Computer-Kenntnisse nötig: "Viele benutzen die Microsoft-Sachen oder auch die WorkOS-Geschichten von Apple. Der Vorteil an dem Collabora Office ist, dass das Nutzerinterface sehr ähnlich zu bekannten Programmen ist. Von daher ist eine Umgewöhnung nicht so schwer."
Datenschutz an Schulen besonders wichtig
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Programmen hat die Schulplattform laut Mayer aber den Vorteil, dass sie datenschutzkonform und datensouverän ist - für ihn gerade im Umgang mit Daten von Schülerinnen und Schülern besonders wichtig.
Das sieht auch Inga Klas so. Die Mutter und Digitalaktivistin hat sich im "Bündnis Unsere Digitale Schule" für eine sichere Softwarelösung für die Schulen im Land eingesetzt. Denn: "Wenn ich praktisch als junger Mensch schon starte mit einem Paket an Daten, die in Quellen sind, wo ich eben nicht mehr weiß, wer darauf Zugriff hat, wer was damit macht - dann laufe ich mit einem Rucksack los im Leben und kann den tatsächlich auch nicht mehr ablegen im weiteren Leben."
Über 80 Prozent der Gymnasial-Lehrkräfte nutzen Office-Paket noch nicht
Eine Umfrage des Philologenverbands aus dem Sommer zeigt allerdings: Bei den Gymnasial-Lehrkräften scheint der Wunsch nach digitaler Souveränität noch nicht sehr stark ausgeprägt zu sein. Laut einer Umfrage des Verbands aus dem Sommer nutzen 81 Prozent das Office-Paket des Landes noch nicht.
Cord Santelmann, IT-Experte des Philologenverbands, erklärt das unter anderem so: "Das liegt daran, dass die Bedienbarkeit und der Funktionsumfang, aber auch die Speichermöglichkeiten stark zu wünschen übrig lassen. So ist es bei der Dienstmail - der wichtigsten Anwendung - so, dass die Lehrkräfte nur einen Gigabyte Arbeitsspeicher haben, was viel zu wenig ist."
Was den Speicherplatz angeht, verweist Kultusstaatssekretärin Sandra Boser von den Grünen auf den angeschlossenen Cloudspeicher, in dem Mails und Anhänge archiviert werden könnten. Am Umfrageergebnis des Philologenverbands hat das Kultusministerium Zweifel: Insgesamt seien aktuell etwa 70.000 Lehrkräfte für den Digitalen Arbeitsplatz - also das Office-Paket - angemeldet. Und im Herbst seien in sechs Wochen über eine Million Mails versendet worden.
Boser kündigt Offline-Nutzung an
Trotzdem will Boser noch mehr Werbung für das Angebot machen und es auch weiter verbessern. Im Moment sind die Programme nur im Browser und auch nur online nutzbar - das soll sich ändern, verspricht die Staatssekretärin: "Unser Ziel ist tatsächlich, dass wir das auch nicht-browserbasiert in Zukunft anbieten können. Da sind wir aber auch im Austausch mit dem Landesdatenschutzbeauftragten, der da Probleme sieht. Also es ist nicht eine rein technische Frage, die da dahinter steckt, sondern da liegen auch noch weitere Fragen dahinter."
Mutter Inga Klas wünscht sich für die Zukunft eine gute digitale Gesamtausstattung an Schulen - mit sicherer Software für den Austausch zwischen Schulkindern, Eltern und Lehrkräften. Während der Corona-Pandemie seien an den Schulen viele kleine digitale Insellösungen entstanden, ein Wechsel sei jetzt mit Aufwand verbunden. "Ich denke, man muss den Lehrkräften einfach noch ein bisschen Zeit geben, auch nochmal am Feintuning arbeiten, also das Feedback mit einbeziehen, was die Lehrkräfte geben", sagt Klas.
Mayer: Schülerinnen und Schüler für Digitale Souveränität sensibilisieren
Lehrer Moritz Mayer sieht das Land auf dem richtigen Weg. Für ihn ist Schule@BW nicht nur eine Bildungsplattform, sondern auch eine Möglichkeit, gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern zu lernen. Und sie für Digitale Souveränität zu sensibilisieren - zum Beispiel bei KI-Anwendungen: "Ich erlebe die Schüler da als sehr affin, aber häufig noch als zu unkritisch. Und ich glaube, da sehe ich die Aufgabe der Lehrkraft. Also nicht die Digitalisierung zu verteufeln, sondern die Schüler da ein bisschen anzuleiten und sie dazu zu befähigen - Thema künstliche Intelligenz, Thema Datenschutz, Thema große Konzerne und Netzwerke - kritisch und mündig damit umzugehen."