Bei Einfamilienhäusern im Test

Serielle Sanierung: Standardisiert und nachhaltig dämmen

Während im Bundestag immer wieder über die "richtige" Heizung gestritten wird, wird in Rechberghausen (Kreis Göppingen) ein anderer Ansatz zum Energie Sparen vorgestellt.

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Von Autor/in Jakob Sax

 Fassade vor der Fassade - Wie wird hier gedämmt?

Serielle Dämmbauteile an einem Haus angebracht.
Im Querschnitt sieht man besonders gut die einzelnen Schichten der neuen Dämmung, die das Haus "einpacken".

Aufgebaut sind die Module aus sechs Zentimeter dicken Holzfaserplatten, danach kommt ein Gerüst aus Balken für die Stabilität, die Zwischenräume sind mit Zellulosefasern gefüllt. Holzfaserplatten und Zellulose sind die eigentliche Dämmschicht. Zwischen dieser Schicht und der alten Fassade gibt es noch eine Zwischenschicht, dadurch werden eventuelle Toleranzen ausgeglichen.
Die Module bilden somit eine neue Fassade vor der alten Fassade.

Vom Modell zum energieeffizenten Haus - Welche Schritte sind nötig?

Zuerst muss das Haus in ein digitales 3D-Modell verwandelt werden. Auf Basis des Modells werden dann die einzelnen Module gefertigt. Neue Fenster und Leerrohre für Kabel werden direkt im Werk mit eingebaut. Die fertigen Module werden anschließend im Ganzen an die Baustelle geliefert. Mit einem Kran werden die Dämmbauteile dann vor die alte Fassade montiert, am Ende muss nur noch verputzt werden.

Das Haus in der Mitte befindet sich mitten in der Sanierung, hier wird serielle gedämmt und um ein zusätzliches Stockwerk erweitert.
Die unteren Stockwerke sind bereits gedämmt. Zur Erweiterung des Wohnraums wird das Haus aktuell noch um ein weiteres Stockwerk erweitert.

Warum ist serielle Sanierung noch nicht weit verbreitet in Deutschland?

Solch gut gedämmte Häuser sparen Energiekosten und sind gut fürs Klima, aber noch nicht weit verbreitet, erklärt der ausführende Bauunternehmer. Mit ein Grund so glaub er, die schwäbische Mentalität: "Wir machen das immer so, weil das schon immer so gemacht wurde. Wenn ich was Neues haben möchte, muss erst der Nachbar das machen, dass man sieht, ob das eine gute Sache ist."

Prof. Lamia Messari-Becker vom Karlsruher Institut für Technologie
Prof. Lamia Messari-Becker vom Karlsruher Institut für Technologie forscht seit Jahren zu Energieeffiziente Gebäudetechnik

Wissenschaftler sehen den Grund darin, dass Gebäude in Deutschland sehr individuell sind - standardisierte Bausteine sind daher nicht immer einfach anzuwenden. Dennoch sieht Professorin Lamia Messari-Becker vom Karlsruher Institut für Technologie Zukunft in der Methode.

Was wir brauchen ist, also jetzt Massenproduktion, mehr Auftragsvolumen. Man sollte vielleicht das auch in Quartieren einsetzen, sodass mehrere Gebäude in einem Zug sozusagen saniert werden. Wir brauchen auch mehr spezialisierte Unternehmen in diesem Bereich, sodass einfach mehr Wettbewerb entsteht. 

Serielles Sanieren wird gefördert

Um Anreize für Neues zu setzen und damit den Klimaschutz voranzutreiben, fördert der Bund serielles Sanieren. Pilotprojekte wie hier in Rechberghausen können das die Methode voran bringen, und dafür sorgen, die noch recht teure Dämmmethode in Zukunft billiger werden könnte. Weitere Projekte im gleichen Stil sind schon geplant.

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Jakob Sax
Multimedialer Autor Jakob Sax

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