KI und Energie zogen Investoren an

Start-ups: Bayern erstmals vor Berlin - Baden-Württemberg etwas schwächer

Berlin war immer die deutsche Gründerhochburg. Doch derzeit profitieren Start-ups aus Bayern von Boom-Branchen und sammeln extrem viel Geld ein. BW schließt sich dahinter an.

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Stand

Von Autor/in Michael Wegmer

Nach einer Analyse der Wirtschaftsberatung EY haben Start-ups in Bayern das meiste Geld eingesammelt. Zuvor war Berlin die deutsche Metropole für neue Unternehmen. Entscheidend für das Ranking ist aber nicht die Anzahl der Neugründungen, sondern die Höhe des Wagniskapitals.

Im ersten Halbjahr 2025 haben bayerische Jungunternehmen mit Abstand das meiste Geld in Finanzierungsrunden erhalten: Knapp 2,1 Milliarden Euro erhielten sie insgesamt. In Berlin waren es 1,5 Milliarden Euro.

Boom-Branchen: KI, Energie und Rüstung

Damit ist knapp jeder zweite Euro an Start-up-Investitionen nach Bayern geflossen. Dort konzentrieren sich viele junge Wachstumsfirmen auf die Branchen: Rüstung, Künstliche Intelligenz und Energietechnologien. Ihre Unternehmensfelder sind derzeit angesagt.

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Berlin ist führend beim Online-Handel. Aber der zieht im Moment nicht das ganz große Geld. Berlin hatte sogar mehr Finanzierungsrunden, aber im Ergebnis blieb der Stadtstaat hinter dem Freistaat.

Baden-Württemberg starkes Start-up-Profil

So blieb nicht mehr viel Geld übrig für andere Bundesländer. Die Experten der Beratungsgesellschaft EY betonen zwar, dass Baden-Württemberg ein ähnlich starkes Start-up-Profil hat wie Bayern. Trotzdem ist in den vergangenen 12 Monaten in Baden-Württemberg weniger investiert worden - genauso wie in Nordrhein-Westfalen, einem weiteren starken Start-up-Bundesland.

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Das Stuttgarter Start-up DETAGTO entwickelt eine neue Form der Traceability. Dadurch haben Unternehmen eine schnelle und fälschungssichere Methode zur Einzelteilverfolgung von Produkten. Pressestelle DETAGTO/Gielisch

Spitzenreiter sammelte 600 Millionen Euro ein

Auch unter den größten Finanzierungsrunden hatte Bayern die Nase vorn: Die KI-Firma Helsing erhielt 600 Millionen Euro, der Batteriespeicheranbieter Green Flexibility 400 Millionen Euro, gefolgt vom Rüstungsunternehmen Quantum Systems und der Finanzplattform Scalable Capital. Unter den Top 5 landet aus Berlin nur die Softwarefirma Amboss, so die EY-Studie, die auf der Datenbank "Crunchbase" und Zahlen von Start-ups und Investoren basiert.

Heidelberg bleibt bei Neugründungen ganz vorn

Der Start-Up-Bundesverband zählt am Jahresende immer die Neugründungen pro 100.000 Einwohner. Baden-Württemberg lag 2024 auf Platz 5, etwas unter dem Bundesdurchschnitt. Rheinland-Pfalz ist traditionell kein großes Start-Up-Land. Es nahm Platz 12 ein.

Bei den Städten liegt Heidelberg zusammen mit München ganz vorne mit den meisten Neugründungen pro Einwohner.

Businessplan und Überzeugungskraft

Für die Finanzierungsrunden ist neben der Überzeugungskraft der Jungunternehmer der Geschäftsplan entscheidend. Jedes Start-up hat einen Businessplan für die nächsten Jahre und eine Bewertung für Investoren. Darin steht, wie sich das Unternehmen finanziell entwickeln kann. Damit werden gezielt mögliche Geldgeber angesprochen. Oft sind es größere Unternehmen aus der Branche, die sich beteiligen.

Viele Start-ups verschwinden schnell wieder

Solche "Sammel"-Runden gibt es dann immer wieder. Etwa wenn der Geschäftsbereich erweitert werden soll oder wenn neue Anlagen gekauft werden. Vorteil: Das geht recht schnell, also es ist schnell Kapital da. Für die Geldgeber ist das ein Risiko, eine Wette auf Erfolg. Denn sehr viele Start-ups gehen auch wieder pleite.

Eine große Start-up-Plattform im Internet hat berechnet: Nach fünf Jahren ist die Hälfte aller neu gegründeten jungen Unternehmen wieder verschwunden.

Zahl der Neugründungen steigt bundesweit

In Deutschland werden momentan viele Firmen neu gegründet. Laut EY sind die Investitionen jetzt das dritte Halbjahr in Folge gestiegen. Es gab in der ersten Hälfte 2025 auch etwas mehr Finanzierungsrunden als im Halbjahr davor. Auch die Zahl der Unternehmen steigt.

Die Branche hat sich von der Corona-Krise erholt. Der Bundesverband hat im ersten Halbjahr rund 1.500 Neugründungen gezählt. Das könnte für dieses Jahr die beste Zahl seit fünf Jahren bedeuten, wenn es so weitergeht. Auch ein Indiz dafür, dass der Standort Deutschland doch noch attraktiv ist. Denn Gründungsaktivität gilt als Zeichen dafür, dass ein Land bei neuen Technologien mit dabei ist.

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