Stellenabbau bei Mercedes-Benz und Porsche - Krise bei Zulieferern wie Bosch oder ZF Friedrichshafen: Die Hiobsbotschaften aus der deutschen Automobilindustrie halten sich bereits seit Wochen und Monaten in den Schlagzeilen.
Laut einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY gingen im Jahr 2024 deutschlandweit knapp 19.000 Stellen in der Automobilindustrie verloren. Rund 2.000 davon in Baden-Württemberg, was einem Rückgang von einem Prozent entspricht. Dafür habe man nach eigenen Angaben aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts und der Agentur für Arbeit analysiert.
Warum steckt die Autoindustrie in der Krise?
Für die "massive und umfassende Krise", wie sie EY-Autoexperte Constantin Gall bezeichnet, gebe es viele Gründe. Unter anderem wären da die schwache Nachfrage, aufgrund der anhaltenden Konjunkturflaute, der bislang ausbleibende Erfolg, den man sich von Investitionen in die Elektromobilität versprochen habe und der wegbrechende chinesische Markt.
Trotz Wachstums in meisten Weltregionen Porsche verkauft 2024 weniger Autos - China-Geschäft bricht ein
Der Sportwagenbauer kämpft vor allem mit schwachen Geschäften in China. Andere Weltregionen schließen hingegen mit einem Plus ab.
EY-Studie: Konzerne werden "massiv an der Kostenschraube drehen"
Diese Vielzahl an Herausforderungen wird laut Gall dazu führen, dass sich die Autohersteller in diesem Jahr stark auf Kosteneinsparungen konzentrieren werden, um ihre wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit zu erhöhen. Das würde unweigerlich auch zu Einschnitten bei der Beschäftigung führen.
Der verhältnismäßig geringe Stellenabbau im vergangenen Jahr ist nur der Anfang eines schmerzhaften, aber unabwendbaren Schrumpfungsprozesses.
US-Zölle ein "harter Schlag" für deutsche Autoindustrie
Auch Produktionsverlagerungen in die USA oder nach China hält Branchenexperte Gall angesichts der geopolitischen Lage für "wahrscheinlich". Fast die Hälfte ihres Gesamtumsatzes erwirtschaftet die deutsche Autoindustrie außerhalb der Eurozone.
Die Zölle in Höhe von 25 Prozent, die US-Präsident Donald Trump nun gegenüber Mexiko und Kanada verhängt hat, haben auch die deutsche Automobilindustrie getroffen, denn: Hersteller wie Volkswagen, Audi und Mercedes-Benz sowie einige Zulieferbetriebe haben bereits auf den Produktionsstandort Mexiko gesetzt.
"Knapp 50 Prozent der hier in Mexiko produzierten Fahrzeuge aus deutscher Produktion gehen in die USA. Insofern ist die Betroffenheit schon groß, es ist ein harter Schlag", so Johannes Hauser, Geschäftsführer der Deutsch-Mexikanischen Industrie- und Handelskammer in Mexiko-Stadt. Sollten nun Produktionsstandorte in den USA aufgebaut werden, um diese Zölle zu umgehen, kann das laut EY-Experte Gall den Stellenabbau in Deutschland weiter beschleunigen.
Trumps 25 Prozent-Zölle US-Zölle gegenüber Mexiko: "Harter Schlag" auch für deutsche Firmen
Mehr als 2.000 deutsche Firmen haben auf den Produktionsstandort Mexiko gesetzt. Die neuen Zölle, die US-Präsident Donald Trump nun verhängt hat, treffen die Industrie hart.
Autobranche sollte flexibler und effizienter arbeiten
Mit Sparmaßnahmen allein ist es laut Gall allerdings nicht getan. Zahlreiche Hersteller hätten es verpasst, sich Marktbedingungen und Kundenwünschen rechtzeitig anzupassen. Auch Fehlinvestitionen und zu große Verwaltungsapparate hätten zu hohen Kosten geführt: "Zum Teil sind die Probleme durchaus hausgemacht."
Er empfiehlt daher, Produktzyklen anzupassen und zu verkürzen sowie das Angebot übersichtlicher zu gestalten - gleichzeitig müssten die Unternehmen dringend an Innovationskraft und -geschwindigkeit arbeiten, gerade im Bereich Software und Digitalisierung.
Autozulieferer trifft die Krise härter
Während man bei den Herstellern die Probleme inzwischen klar erkannt habe, fällt die Prognose für Automobilzulieferer allerdings düsterer aus. Laut EY-Studie schrumpfte der Umsatz in Deutschland 2024 im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozent und damit fast doppelt so stark wie bei den Herstellern.
Mit 267.000 Beschäftigten befindet sich die Zahl der Angestellten ohnehin bereits auf einem Tiefstand im Vergleich zu den vergangenen 18 Jahren. Seit dem Vor-Corona-Jahr 2019 hat man 43.000 Stellen in der Zuliefererbranche abgebaut, ein Ende des Negativtrends ist wohl nicht in Sicht. Experten wie Gall rechnen mit einer hohen Konsolidierungswelle.
Für viele Zulieferer wird die Luft immer dünner, gerade der stockende Hochlauf der Elektromobilität belastet die Marge erheblich. Notwendige Investitionen müssen dennoch finanziert werden - auf eigenes Risiko.