Mehr als 1.000 Euro pro Tier

Warum die Steuer auf "Kampfhunde" teils so hoch ist

Manche zahlen kaum etwas, andere mehr als 1.000 Euro: Je nach Wohnort unterscheidet sich die Steuer für sogenannte Listenhunde enorm. Wieso variieren die Regelungen so stark?

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Von Autor/in Isabell Erb

Meike Rödler ist frustriert. Schon dreimal hat sich die Steuer für Listenhunde erhöht, seit sie ihren American Stafford Terrier Leo besitzt. 2016, als die Reutlingerin ihn aus dem Tierheim adoptiert hat, hat sie noch 528 Euro bezahlt. 2022 hat die Stadt die Steuer auf 660 Euro und 2025 auf 936 Euro im Jahr erhöht. Sie zahlt jetzt also fast das Doppelte wie damals, als sie den Hund aus dem Tierheim adoptiert hat.

Doch Reutlingen ist nicht die einzige Stadt, die Besitzer von Listenhunden stark besteuert. Auch wenn die Stadt vergleichsweise viel verlangt, liegt sie im landesweiten Vergleich nicht an der Spitze: Tamm (Kreis Ludwigsburg), Schönaich (Kreis Böblingen) und Ebenweiler (Kreis Ravensburg) etwa verlangen 1.000 Euro im Jahr, Sigmaringen und Weinsberg (Kreis Heilbronn) 1.080 Euro und Wüstenrot (Kreis Heilbronn) sogar 1.200 Euro. Ab jedem weiteren Hund kann sich der Steuersatz pro Tier verdoppeln.

Kommunen bestimmen Steuer für Listenhunde selbst

Und dann gibt es Orte wie Affalterbach und Bietigheim-Bissingen (beide Kreis Ludwigsburg), die auf Listenhunde keine separate Steuer erheben, sondern die normale Hundesteuer anwenden. Dort zahlen Besitzer 80 beziehungsweise 144 Euro für einen Hund. Man sehe keinen Bedarf für die Steuer, weil es etwa kaum Listenhunde gebe - oder weil der bürokratische Aufwand den Nutzen übersteigen würde, heißt es von den Kommunen. Ob und wie viel Steuer die Besitzer zahlen, bestimmt also jede Kommune selbst. Die Obergrenze liegt beim Zehnfachen der normalen Hundesteuer.

"Wir haben die sogenannte Kampfhundesteuer eingeführt, um die Anzahl an gefährlichen Hunden möglichst gering zu halten", sagt Birgit Hannemann, Bürgermeisterin der Stadt Weinsberg (Kreis Heilbronn), die mit 1.080 Euro pro Listenhund in der Spitzengruppe liegt. Immer wieder fällt im Zusammenhang mit den sogenannten Kampfhunden der Begriff "Lenkungsfunktion": Man will eine Hürde schaffen, damit diejenigen, die sich einen Hund anschaffen wollen, eine andere Rasse wählen.

Auch in Reutlingen will man dafür sorgen, dass sich weniger gefährliche Hunde auf dem Stadtgebiet befinden, sagt der Stadtkämmerer Frank Pilz. "In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der gefährlichen Hunde massiv nach oben entwickelt, es sind fast doppelt so viele wie noch vor sechs Jahren."

Besitzer bestreiten grundsätzliche Gefahr durch Listenhunde

Der Reutlingerin Meike Rödler reicht diese Begründung nicht aus. Wie viele Besitzer von Listenhunden widerspricht sie der grundlegenden Annahme, dass die Tiere insgesamt gefährlicher seien als andere Hunderassen - vorausgesetzt, sie würden richtig gehalten und erzogen, sagt sie. "Ich habe seit 15 Jahren eine Praxis für Hunde-Physiotherapie in Reutlingen, arbeite mit vielen Rassen und kann sagen: Die Listenhunde sind keine problematischen Patienten", sagt Rödler.

Außerdem hält sie das Gefahrenargument für vorgeschoben - und vermutet, dass es den Gemeinden mit der Steuererhöhung besonders darum geht, Einnahmen zu generieren.

Reutlingen erhöht mehrere Steuerarten

Die Stadt Reutlingen widerspricht dem nicht - im Gegenteil. "Anlass der Erhöhung war die schlechte finanzielle Lage der Stadt Reutlingen", sagt der Stadtkämmerer Frank Pilz. Bis zu 50 Millionen Euro Defizit habe die Stadt im Haushalt 2026 gehabt. Die Steuer sei neben dem Personalabbau eine der Konsolidierungsmaßnahmen, um die Lücke zu schließen. "Deshalb haben wir zum 1.1.2026 verschiedene Steuerarten angepasst, auch die Zweitwohnungssteuer, die Vergnügungssteuer und eben auch die Hundesteuer." Auch eine in der Bevölkerung umstrittene Pferdesteuer ist geplant.

Haushaltslöcher mit Hundesteuer nicht zu stopfen

Ganze Haushaltslöcher könne man mit der Hundesteuer aber nicht füllen, sagt Frank Kupferschmidt von der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg. Bei der Steuer für Listenhunde handle es sich um sogenannte "kommunale Verbrauchs- und Aufwandsteuern".

"Im Vergleich zu anderen Steuer- oder Einkommensarten spielt diese Steuer im Gesamthaushalt keine große Rolle", sagt er. Weniger als zwei Prozent des Einkommens von Kommunen mache sie bundesweit aus - zumal der Anteil, der dabei auf die Listenhunde entfällt, noch viel geringer sei. Sein Schluss: "Bei der Steuer für Listenhunde steht ganz deutlich der Lenkungseffekt im Vordergrund."

Weinsberg: 6 von 13 Listenhunden abgemeldet

In Weinsberg scheint der Lenkungseffekt tatsächlich eingetreten zu sein: Nachdem die Stadt die Steuer Anfang 2025 erhöht hatte, sind laut Bürgermeisterin Hannemann sechs der damals 13 Listenhunde abgemeldet und weggegeben worden. Manche Besitzer zahlen durch eine Ausnahmeregelung inzwischen die normale Hundesteuer. Wer durch einen Wesenstest nachweisen kann, dass sein Listenhund ungefährlich ist, kann davon Gebrauch machen. Die Stadt hatte die Regelung nach monatelangen Auseinandersetzungen mit betroffenen Hundebesitzern beschlossen.

Meike Rödler fordert von der Stadt Reutlingen eine ähnliche Ausnahmeregelung. Zumal ein Wesenstest dort ohnehin schon verpflichtend sei - allerdings ohne die finanzielle Entlastung, was die Hundebesitzerin nicht nachvollziehen kann. "Jeder Listenhund, der einen Wesenstest absolviert hat, hat bewiesen, dass er in bestimmten Situationen absolut kontrollierbar und händelbar ist", sagt sie. Aber auch wenn sie mit ihrer Forderung nicht erfolgreich wäre: Ihren Terrier abzugeben, käme für Rödler nicht infrage.

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Autor/in
Isabell Erb
SWR-Redakteurin Isabell Erb

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