Der Wohnungsmangel in Deutschland hat einer neuen Studie zufolge ein Rekordhoch erreicht. Aktuell fehlen bundesweit rund 1,4 Millionen Wohnungen. In Baden-Württemberg sind es knapp 200.000 Wohnungen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Pestel-Instituts im Auftrag des Bündnisses Soziales Wohnen. Dazu gehören unter anderem der Deutsche Mieterbund und die Industriegewerkschaft Bau.
Wohnraummangel ein Problem für Jüngere und Ältere
Verlierer auf dem Wohnungsmarkt sind der Studie zufolge jüngere und ältere Menschen. Ausbildungsverträge kämen nicht zustande, weil Jugendliche keine Wohnung finden. Bei den Älteren treffe es immer mehr Baby-Boomer, die mit kleiner Rente aus dem Berufsleben ausscheiden und sich ihre bisherige Wohnung nicht mehr leisten könnten. Der Leiter des Pestel-Instituts, Matthias Günther, spricht von "erzwungenen Umzügen durch Altersarmut".
Aktivisten besetzen Gebäude Wohnungsnot trifft Leerstand: Warum diese Villa in Freiburg so lange leerstehen kann
In Freiburg stehen Wohnungen teils jahrelang leer, obwohl die Stadt wegen der hohen Nachfrage Leerstand verhindern kann – wie ist das möglich?
Forderung: mehr Neubauten, mehr sozialen Wohnungsbau
Das Bündnis Soziales Wohnen fordert gezielte Förderungen für den Neubau von Wohnungen in Städten mit Universitäten und Ausbildungszentren. Die Zahl der Sozialwohnungen müsse bundesweit auf zwei Millionen verdoppelt werden. Bis 2030 müssten bundesweit Jahr für Jahr 400.000 neue Wohnungen gebaut werden.
Diese Zahl hatte auch die Ampel-Regierung als Zielmarke ausgemacht, den Wert aber niemals erreicht. Studienleiter Matthias Günther sieht auch für die kommenden Jahre wenig Hoffnung. Einbrüche bei den Baugenehmigungen zeigten, dass es in den kommenden Jahren nur 200.000 neu gebaute Wohnungen im Jahr geben werde.
Datenrecherche zur Wohnungskrise Wohnungsnot in BW: Schaffa, Schaffa, Häusle net laischda kenna
In Baden-Württemberg fehlen Wohnungen und die Mietbelastung ist seit Jahren konstant hoch, besonders in den Städten. Eine Datenanalyse zeigt, wie angespannt die Situation ist.
Wohnungsmangel wird sich in BW bis 2030 dramatisch verschärfen
Für Baden-Württemberg weist die Studie ein Defizit von 196.000 Wohnungen aus. Bis im Jahr 2030 steige der Bedarf auf bis zu 362.000 Wohnungen. Der Bestand an Sozialwohnungen liegt in Baden-Württemberg seit fünf Jahren unverändert bei 55.000 und damit im Ländervergleich weit unter dem Sozialwohnungsbestand von 409.000 in Nordrhein-Westfalen und 134.000 in Bayern.
Der Mangel an Wohnraum wird zunehmend auch für Menschen mit Behinderung zum Problem. Sie würden zunehmend ausgegrenzt, heißt es in der Studie. Um gegenzuwirken, seien unter anderem Quoten bei der Vergabe von Sozialwohnungen an Menschen mit körperlicher und psychischer Beeinträchtigung notwendig. Bei Auswahlverfahren sollten Betroffene vorübergehend sogar bevorzugt werden, heißt es vom Bündnis Soziales Wohnen.