Kann man so Mitarbeiter in die Neckar-Alb Region locken?

Firmen bauen Wohnungen für Fachkräfte und Azubis

Im 20. Jahrhundert haben Industriebetriebe ganze Siedlungen für ihre Beschäftigten gebaut. Die IHK Reutlingen glaubt: Werkswohnungen werden wieder wichtig. Es gibt schon Beispiele.

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Von Autor/in Peter Binder

Die IHK Reutlingen geht davon aus, dass sich die Unternehmen künftig immer häufiger selbst um Wohnungen für Azubis und Fachkräfte kümmern müssen. Denn in den Kreisen Tübingen, Reutlingen und Zollernalb ist Wohnraum knapp. Nicht nur kleine günstige Wohnungen fehlen, sondern auch solche für Familien mit vergleichsweise hohem Einkommen.

Fehlende Wohnung kann Jobwechsel verhindern

Daniel Zimmermann von der Firma Erbe Elektromedizin berichtet von dringend benötigten Fachleuten, die gerne für Erbe arbeiten würden. Beim Vorstellungsgespräch scheint alles zu passen, nur eine Frage bleibt offen: Wo kann ich in Tübingen oder Umgebung mit meiner Familie unterkommen? Daran kann alles scheitern.

Das betrifft laut IHK Reutlingen, Fachkräfte aus dem Ausland, aber auch aus anderen Teilen Deutschlands. Auch wer es sich leisten könne, eine schöne große Wohnung zu mieten, finde oft keine.

Eine Computergrafik zeigt, wie die Gebäude von der Gartenseite her eines Tages aussehen sollen. Die Firma erbe Elektromedizin baut in Rangendingen 14 Wohungen für Fachkräfte und deren Familien.
Noch ist es eine Computergrafik. So oder so ähnlich soll dann alles aussehen. Anfang Dezember ist der Spatenstich geplant. 14 Wohnungen will Erbe Elektromedizin in Rangendingen bauen. Fußläufige Entfernung zum Rangendinger Erbe-Werk: etwa 15 Minuten. Pressestelle Erbe Elektromedizin

Erbe will deshalb in Rangendingen im Zollernalbkreis 14 Wohnungen bauen. Dort betreibt das Unternehmen ein Werk mit etwa 400 Beschäftigten. Das Grundstück ist gekauft, 15 Fußminuten vom Werk entfernt. Die Pläne sind fertig, am Montag, 1.12.2025 ist Spatenstich geplant.

Interessenten gibt es schon mehr als genug. Und die Vorstellung, mit Kolleginnen und Kollegen auch nach Feierabend zu tun zu haben, weil man im selben Haus wohnt, sei für viele sogar angenehm, sagt Daniel Zimmermann.

Bagger vor einem Neubau. Bald sollen hier Personal und Azubis der Uniklinik Tübingen wohnen können.
Die neuen Wohnungen sind bald bezugsfertig. Zwar wird die Uniklinik Tübingen dafür an anderer Stelle Appartments und Zimmer aufgeben, die in keinem guten Zustand mehr sind. Aber dann hat sie immer noch über 600 Unterkünfte, die sie Beschäftigten anbieten kann, teils eigene, teils angemietete. Peter Binder

Über 500 neue Wohnungen für Fachkräfte

Die Uniklinik Tübingen hat in deutlich größerem Maßstab gebaut: 520 Wohnungen in neun Gebäuden, für Schülerinnen und Schüler, aber auch für Personal. Bald soll die feierliche Schlüsselübergabe stattfinden. Die Häuser liegen genau zwischen den Kliniken auf dem Berg und denen im Tal, so dass die Beschäftigten per Rad oder zu Fuß zur Arbeit kommen können.

Die Bäumchen vor dem Haus sind noch klein, denn alles ist neu: Ein langezogenes Wohnheim mit über 30 Balkonen. Für Azubis sind eher Einzimmer-Apartments gedacht, für andere Beschäftigte der Uniklinik Tübingen gibt es auch größere Wohnungen
Neun neue Gebäude hat die Uniklinik Tübingen bauen lassen, für Personal und Auszubildende. Anfang Dezember wird die Schlüsselübergabe für 520 Wohungen gefeiert. Pressestelle Sascha Heinzelmann

Die Uniklinik als Anstalt des öffentlichen Rechts muss all ihre Einnahmen nutzen, um die Patienten zu versorgen. Sie darf damit nicht bauen. Deshalb hat sie Bausparverträge abgeschlossen, Kredite aufgenommen, um Fördermittel gekämpft, um die neuen Gebäude bauen zu können.

Miete pro Quadratmeter über 20 Euro

Obwohl die Klinik mit der Vermietung keinerlei Gewinn machen will, kostet eine Wohnung mit gut 13 Quadratmetern in den Neubauten über 350 Euro Miete im Monat. Damit will die Uniklinik bis in 34 Jahren ihre Kredite abbezahlt haben.

Ein Container und ein Bagger vor den fast fertigen neuen Personalwohnungen der Uniklinik Tübingen
Verdienen will die Uniklinik mit den Gebäuden nichts. Wichtiger ist ihr, dass sie Fachpersonal locken und binden kann. "Wir haben etwas, wo Sie wohnen können", ist dabei ein immer wichtigeres Argument. Peter Binder

Die Patientenzahlen steigen, sagt Tobias Schneider von der Uniklinik Tübingen. Fach- und Arbeitskräfte seien immer schwieriger zu finden. Da sei es sehr wichtig, dass man Beschäftigten Unterkünfte anbieten kann. Nicht nur, um die Fachkräfte zu gewinnen, auch um sie zu halten.

Wohnungsmangel auch auf dem Land

Das Familienunternehmen, die Bäckerei und Konditorei BeckaBeck mit Hauptsitz in Römerstein-Böhringen, hat ein altes Haus gekauft und renoviert. Darin wohnen jetzt die Azubis aus Vietnam und Madagaskar, erzählt Helena Beck von der Geschäftsleitung. Außerdem habe das Unternehmen ein Haus in Merklingen angemietet und für Beschäftigte hergerichtet. Und als auf dem Firmengelände Lager-Garagen gebaut wurden, haben sie gleich Mitarbeiter-Wohnungen darüber gebaut.

Helena Beck, eine junge Frau mit zurückgebundenen Haaren, lächelt in einem Vortragssaal der IHK in die Kamera. Im Hintergrund kleinere Grüppchen von Unternehmern im Gespräch. Es ging um die Frage, wie Firmen ihren Mitarbeitenden Wohnungen bieten können.
Auch wenn Beschäftigte zum Beispiel nach einer Scheidung Hilfe brauchen, ist es gut, ihnen eine Wohnung auf dem Werksgelände anbieten zu können. Helena Beck von BeckaBeck bei einer Veranstaltung der IHK Reutlingen. Da ging es um Möglichkeiten, wie Betriebe mit Wohungen Fachkräfte gewinnen und halten können. Peter Binder

Denn auch auf dem Land seien Wohnungen knapp, erklärt Helena Beck. Und wenn mal etwas frei würde, wissen die Vermieter meist schon jemanden im Bekanntenkreis, der etwas sucht. Gerade bei den ungewöhnlichen Arbeitszeiten im Bäckereihandwerk sei es aber besonders wichtig, dass die Leute in der Nähe des Arbeitsplatzes auch wohnen können. Denn ohne Auto ist es sonst schwierig, lange vor Sonnenaufgang in der Backstube zu erscheinen.

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Autor/in
Peter Binder
Peter Binder ist Reporter für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Tübingen.

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