Weil immer mehr Patienten an Kliniken in der Region alt sind und ihr Anteil stetig steigt, veranstaltet das Geriatrische Zentrum im Klinikum Stuttgart derzeit eine sogenannte "Alterssimulationswoche" für Mitarbeitende. Es geht dabei darum, als junger Mensch typische Erkrankungen älterer Menschen zu erleben und nachzufühlen. So soll Verständnis für die Patientinnen und Patienten entstehen und gezielte Hilfe im Krankenhausalltag möglich sein.
Plötzlich 30 Jahre älter - so fühlt sich das an
Pflegende der verschiedenen Krankenhausabteilungen im Klinikum Stuttgart können in diesen Tagen verschiedene Hilfsmittel ausprobieren. Mit präparierten Brillen sehen sie zum Beispiel so schlecht wie ein Patient mit grünem Star. Spezielle Handschuhe vermindern die Sensibilität in den Händen, das Halbieren von Tabletten mit den Fingern wird so zur Herausforderung. Umgehängte Gewichte am Körper machen jeden Schritt zum Kraftakt. Alles dauert länger, alles ist eingeschränkter.
Ist schon echt heftig, richtig krass.
Kim Baumert arbeitet im Klinikum Stuttgart in der Geriatrie vorwiegend mit älteren Kranken zusammen. Sie hat dicke Simulations-Handschuhe an, die aussehen wie extrem dicke Gummihandschuhe und versucht, eine Tablette zu halbieren. Es gelingt ihr nicht. Die Tabletten sind zu klein, die Finger zu groß, das Gespür für das kleine Teilchen fehlt. Eine zusätzliche Simulationsbrille vermittelt Kim die verbleibende Sicht mit einem grünen Star. Für sie ist das ein eindrucksvolles Erlebnis: "man stellt sich das immer ein bisschen einfacher vor, wenn man das bei den Patienten sieht und die das nicht hinkriegen, aber es ist ganz schön schwer".
Der Patient lebt 24 Stunden mit diesem Defizit.
Prof. Dr. Ralf Lobmann ist der Ärztliche Direktor für Endokrinologie, Diabetologie und Geriatrie am Klinikum Stuttgart hält die Schulungstage für wichtig. Verständnis für die Patientinnen und Patienten könnten im Alltag helfen, so Lobmann. So könnten die speziellen Übungs-Handschuhe für einen Perspektivwechsel sorgen.
"Hier hat man das Ganze für fünf bis zehn Minuten, zieht die Handschuhe aus, zieht die Brille aus. Der Patient lebt 24 Stunden mit diesem Defizit. Also es ist eine Herausforderung für den älteren Menschen, mit diesen Einschränkungen seinen Alltag zu bewältigen. Und es nützt unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für das Verständnis für diese besondere Patientengruppe."