Wenn Selda Akalin in ihrem Laden am Stadtplatz in Wernau (Kreis Esslingen) türkisches Frühstück für ihre Kunden vorbereitet, erinnert erst einmal nichts an das, was vor einem Jahr am 28. Mai 2025 nur wenige hundert Meter entfernt von hier passiert ist. Aber in Selda Akalin arbeiten die Ereignisse immer noch. "Ich habe mich immer noch nicht verabschieden können. Weil das war wie mein Baby, das ich großgezogen habe."
Laden in Wernau wohl mit Benzinkanister und Böller angezündet
Selda Akalin spricht von ihrem alten Laden, der vor einem Jahr von einem Unbekannten angezündet wurde. Die immer noch unbekannte Person soll nachts einen Benzinkanister vor dem Laden abgestellt und ihn mit einem Böller angezündet haben. Durch das Feuer wurde der Laden von Selda Akalin und ihrem Mann Murat Akalin fast vollständig zerstört.
Überwältigende Unterstützung nach Brand in Bäckerei
"Wir wollten eigentlich aufgeben nach dem Brandanschlag. Wir wollten nicht mehr weitermachen. Aber unsere Gäste, Bekannte und Freunde, die haben uns aufgemuntert, unbedingt weiterzumachen", erzählt Selda Akalin. Nach wenigen Monaten bekamen sie und ihr Mann eine neue Ladenfläche mitten in Wernau angeboten. Handwerker arbeiteten damals ehrenamtlich. Unterstützung kam von Gästen, Freunden, anderen Gastronomen und sogar von alten Bekannten aus der Türkei.
"Es haben so viele Leute angerufen", erinnert sich Murat Akalin. "Auch solche, die ich schon lange nicht gesehen habe." Alle wollten helfen. "Sie sind an unserer Seite gestanden. Sie haben gesagt, wir unterstützen dich." Im Januar haben die Akalins das neue Geschäft am Stadtplatz eröffnet. Mit vielen ihrer Helfer sind sie heute eng befreundet.
Ermittlungen laufen noch, Motiv unklar
Bis heute ist unklar, wer den alten Laden angezündet hat. Laut der Staatsanwaltschaft Stuttgart laufen die Untersuchungen noch. Hinweise auf ein fremdenfeindliches Motiv haben sich demnach bislang nicht ergeben. Murat Akalin wünscht sich, dass die Ermittlungen abgeschlossen werden. Die Versicherung hat laut den Akalins bis heute nicht die Schadenssumme gezahlt, weil sie die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft abwarte.
Doch trotz Schulden haben die Akalins ihr gesamtes Personal behalten. "Die gehören zur Familie", so Selda Akalin. Sie fühlt sich im neuen Laden am Stadtplatz mittlerweile angekommen und freut sich über die vielen Gäste. Das neue Geschäft nennt sie jetzt ihr "neues Baby".