Tanklaster hatte 2.000 Liter Tenside verloren

Nach Lkw-Unglück: Kein Schaum mehr in Bad Ditzenbach

Nachdem in Bad Ditzenbach am Mittwoch tausende Liter Tenside ausgelaufen waren, ist einen Tag später der Schaum fast weg. Trotzdem wird weiter kontrolliert.

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Von Autor/in Kerstin Rudat, Dorina Blau

In Bad Ditzenbach (Kreis Göppingen) sind am Mittwochnachmittag im Ortsteil Gosbach rund 2.000 Liter eines Stoffs, der zur Seifenherstellung verwendet wird, aus einem Lkw ausgelaufen - auf die Straße und in die Fils. Am Donnerstag teilte das Landratsamt Göppingen mit, dass sich die Lage stabilisiere.

Landratsamt: Schaum nur noch in Kläranlage Deggingen

Demnach sei am Tag danach in der Kanalisation und auf der Fils kein Schaum mehr zu sehen, lediglich vereinzelt gebe es noch seifige Schlieren. Nur in der Kläranlage Deggingen schwimme auf dem Wasser noch Schaum. Laut dem Landratsamt handele es sich bei dem Stoff um ein Tensid, das nicht als Gefahrgut deklariert sei. Tenside werden unter anderem zur Herstellung von Seifen, Shampoos und Duschgelen verwendet.

Es hatten sich große Mengen Schaum gebildet, die im Oberen Filstal in die Kanalisation und über ein Regenüberlaufbecken in die Fils liefen. Teilweise trat der Schaum aus Kanaldeckeln und Schächten und floss auch auf die B466. Schaulustige und Anwohner kamen auf die Straße und an den Bach und begutachteten das Spektakel. Die Feuerwehren aus Bad Ditzenbach, Deggingen, Bad Überkingen und Geislingen waren schnell vor Ort und bekämpften den Schaum. Sie überwachten die Situation auch über Nacht. Die B466 musste zwischen Gosbach und Deggingen mehrere Stunden voll gesperrt werden.

Ein Tanklaster verliert in Bad Ditzenbach (Kreis Göppingen) Seife - Schaum in der Kanalisation und auf der Ditz.
Ein Tanklaster hat in Bad Ditzenbach (Kreis Göppingen) Seife verloren: Schaum in der Kanalisation, auf der Straße und auf Ditz und Fils.

Polizei ermittelt gegen Fahrer des Lastwagens

Derweil ermittelt die Polizei wegen fahrlässiger Gewässerverunreinigung. Im Fokus stehen der 32-jährige Tankwagenfahrer und ein weiterer 30-jähriger Mann, wie die Polizei auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Aus bisher ungeklärter Ursache traten beim Abkoppeln des Schlauches vom Lastwagen die Tenside aus. Der 30-Jährige hatte noch versucht, die Schlauchverbindung wieder herzustellen. Dabei zog er sich Verletzungen im Gesicht zu. Wer für den Unfall haften muss, dazu konnte die Polizei noch keine Auskunft geben.

Folgen für Lebewesen und Mikroorganismen noch unklar

Noch sei unklar, welche Auswirkungen der Vorfall für die Mikroorganismen und die Lebewesen in der Fils habe, so das Landratsamt weiter. Vorerst gelte ein Fischereiverbot. Einzelne tote Fische sollen gefunden worden sein; ob ihr Tod aber mit den Tensiden in Zusammenhang steht, sei unklar. Weitere Untersuchungen sowie eine Nachkontrolle des Fischbestands in den betroffenen Gewässerabschnitten seien weiterhin erforderlich, hieß es. Menschen sollten weiter den Kontakt mit dem Flusswasser an den betroffenen Stellen meiden. Möglicherweise betroffene Trinkwasserbrunnen in Deggingen und Bad Überkingen bleiben weiterhin vorsorglich vom Netz, so das Landratsamt.

Den Angaben nach kann das Tensid unverdünnt Haut- und schwere Augenreizungen verursachen. In Schaumform liege jedoch eine Verdünnung vor. Das Landratsamt geht davon aus, dass das Tensid immer weiter verdünnt und ausgespült werde. Die Lage werde laufend überwacht.

Angler sieht Situation entspannt

Harald Matzke von "Harry's Angelshop" in Gingen an der Fils berichtet von einigen besorgten Anrufen in seinem Laden. "Ich sehe die Situation entspannt, mir wurden bisher keine toten Fische gemeldet." Vor allem Forellen werde die Seife im Wasser seiner Meinung nicht schaden: "Forellen schwimmen um diese Zeit am Gewässergrund, der Schaum war aber an der Oberfläche." Er sei trotzdem froh, dass er die fürs Karfreitagsessen geplante Forelle schon letzten Sonntag geangelt habe. Er setzt darauf, dass man spätestens in drei Wochen wieder in der Fils fischen dürfe.

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