Besonders herausfordernde Lage

Notarzt zum Großeinsatz am Engelbergtunnel: "Rauch ist die größte Gefahr"

Ein Großeinsatz im Engelbergtunnel hat am Mittwoch viele Einsatzkräfte gefordert. Notarzt Peter Cartes leitete den Einsatz. Im SWR-Interview erklärt er, wo die Herausforderungen lagen.

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Von Autor/in Christin Hartard

Wegen eines brennenden Autos war der Engelbergtunnel am Mittwoch stundenlang gesperrt. 53 Menschen mussten aus der verrauchten Tunnelröhre gerettet werden. Vor dem Tunnel bildeten sich bei der Sommerhitze lange Staus. Eine besonders herausfordernde Situation für die Einsatzkräfte von Polizei, Technischem Hilfswerk, Feuerwehr und Rettungsdienst. Peter Cartes war als leitender Notarzt des Landkreis Böblingen im Einsatz. Im SWR-Interview erzählt er, was solche Tunneleinsätze so anspruchsvoll macht und warum die Stimmung trotzdem gelassen war.

SWR Aktuell: Herr Cartes, wie haben Sie die Situation am Engelbergtunnel erlebt?

Peter Cartes: Wenn es in einem Tunnel brennt, ist das immer eine besonders herausfordernde Lage für uns. Die Tunnel sind schwer zugänglich und es gibt meistens eine hohe Anzahl von Betroffenen. Im Fall des Engelbergtunnels sah man die Rauchsäule, die aus den Abluftsystemen des Tunnels gedrückt wurde, schon aus einigen hundert Metern Entfernung. Dementsprechend verraucht war es auch im Tunnel, wie die Feuerwehrleute mir erzählt haben. Sich darin zu bewegen ist natürlich sehr gefährlich und die Sicht ist schlecht.

Peter Cartes war als leitender Notarzt beim Brand im Engelbergtunnel im Einsatz.
Peter Cartes war als leitender Notarzt beim Brand im Engelbergtunnel im Einsatz.

SWR Aktuell: So ein Einsatz ist ja nichts Alltägliches für die beteiligten Rettungskräfte. Wie läuft das ab?

Peter Cartes: Wir haben für jeden größeren Tunnel, den es in Baden-Württemberg gibt, Einsatzpläne. Die Abläufe sind klar geregelt. Es ist auch klar, dass wir Rettungskräfte nicht in den Tunnel gehen. Die Feuerwehr ist dafür ausgebildet und hat die entsprechende Ausstattung wie Atemschutzgeräte. Sie retten die Menschen aus dem Tunnel. Durch die Brandmeldeanlage wird der Verkehr bei einem Brand grundsätzlich in beiden Tunnelröhren gestoppt. Die Menschen aus der verrauchten Röhre werden über einen Zwischentunnel evakuiert in die nicht verrauchte Röhre. Von dort bringt die Feuerwehr die Menschen raus. Bei dem Fall im Engelbergtunnel wurden die Menschen dann zu einer Sammelstelle beim Technischen Hilfswerk in Leonberg gebracht. An diesen Übergabepunkten übernehmen dann wir Ärzte.

SWR Aktuell: Verletzt wurde bei dem Brand glücklicherweise niemand. Trotzdem ist das ja eine extreme Situation. Wie sind die Betroffenen damit umgegangen?

Peter Cartes: Alle haben das sehr gelassen genommen und haben verstanden, warum sie aus ihren Fahrzeugen raus mussten. Nachdem wir alle Betroffenen untersucht haben, hat jeder erst einmal etwas zu trinken bekommen. Das war bei der Hitze die wichtigste Maßnahme.

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SWR Aktuell: Was ist die größte Herausforderung bei so einem Einsatz?

Peter Cartes: Die Koordination. Der Einsatz ist ja viel größer als die Rettung der Personen und die Bekämpfung des Brandes im Tunnel. Im konkreten Fall entstand ein unglaubliches Verkehrshindernis mit langen Staus. Bei den aktuellen Temperaturen kommen auch die Klimaanlagen dann irgendwann an ihr Limit und die Hitze wird unerträglich. Deshalb ist es enorm wichtig, dass auch die Personen im Stau mit Getränken versorgt werden. Außerdem dürfen nicht alle nur im Tunnel beschäftigt sein. Auch die Grundversorgung muss weiterhin gewährleistet sein. Ein Patient, der irgendwo anders einen Herzinfarkt hat, muss auch versorgt werden können. Das koordiniert alles der Führungsstab.

SWR Aktuell: Aktuell sind viele Leute auf den Straßen unterwegs und fahren in den Urlaub. Wie sollte man sich verhalten, wenn man in einem Tunnel in eine solche Lage kommt?

Peter Cartes: Grundsätzlich gilt: Ruhe bewahren. Sie können sich sicher sein, dass die Einsatzkräfte alles dafür tun, Sie schnellstmöglich aus der Situation zu retten. Folgen Sie den Anweisungen, die im Tunnel aufleuchten. Gehen Sie zu den Schutzräumen, die vorhanden sind. Die führen sie dorthin, wo der Rauch nicht hingedrückt wird. Der Rauch in der Luft ist die größte Gefahr. Und auch wichtig: Immer genügend Wasser im Auto haben, damit man eine gewisse Zeit in der Hitze aushalten kann.

SWR Aktuell: Üben Rettungskräfte solche Szenarien denn?

Peter Cartes: Ja, das Land schreibt solche Tunnelübungen regelmäßig vor. Nur so ist es möglich, dass alle Einsatzkräfte Hand in Hand arbeiten. In der Regel sollte alle fünf Jahre eine große Tunnelübung durchgeführt werden.

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Autor/in
Christin Hartard
Porträtfoto von Christin Hartard

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