Mehr als 40 Jahre nach dem Tod einer Frau in Deggingen (Kreis Göppingen) hat die Kriminalpolizei Ulm einen 70-jährigen Mann festgenommen. Er wird verdächtigt, die damals 31-Jährige getötet zu haben, um ein Sexualdelikt zu vertuschen. Das teilten das Polizeipräsidium Ulm und die Staatsanwaltschaft Ulm am Donnerstag mit.
Cold Case: Unbekleidete Leiche am Waldrand gefunden
Am 10. März 1985 war die Frauenleiche nackt und an den Beinen mit einem Büstenhalter gefesselt neben einem Waldweg im Gewann Winterhalde gefunden worden. Nach umfangreichen Ermittlungen durchsuchte die Polizei im vergangenen November das Haus eines 70-Jährigen in Schwendi (Kreis Biberach). Dabei wurden etliche Beweismittel beschlagnahmt.
Der Tatverdächtige wurde für die Dauer der Durchsuchung kurzzeitig auf eine Polizeidienststelle gebracht. Festgenommen wurde er nicht. Wie die Staatsanwaltschaft in Ulm auf SWR-Anfrage mitteilt, bestand zu diesem Zeitpunkt noch kein dringender Tatverdacht. Der Mann konnte am selben Abend in seine Wohnung zurückkehren. Auflagen gab es keine.
Tatverdacht gegen Mann aus Schwendi erhärtet sich
Die weiteren Ermittlungen hätten den Tatverdacht allerdings erhärtet, teilen Polizei und Staatsanwaltschaft Ulm mit. Etwa der Abgleich der neuen Beweismittel mit den älteren Asservaten. Außerdem seien ein rechtsmedizinisches Gutachten und auch ein DNA-Abgleich erstellt worden. Deshalb wurde der Tatverdächtige am 14. April festgenommen. Dabei leistete er laut Polizei und Staatsanwaltschaft keinen Widerstand. Seitdem befindet er sich in Untersuchungshaft.
Ob und wann Anklage gegen den 70-Jährigen erhoben wird, sei derzeit noch nicht klar, teilte die Ulmer Staatsanwaltschaft mit. Wenn Tatverdächtige bereits in Untersuchungshaft sitzen, wie in diesem Fall, sei es aber erfahrungsgemäß üblich, dass innerhalb von drei Monaten Anklage erhoben werde.