Die Comic-Künstlerin Barbara Yelin wird ab Juli Professorin für Comics und Comicforschung an der Merz Akademie in Stuttgart. Nach Angaben der Merz Akademie ist es die erste Professur dieser Art im deutschsprachigen Raum. Teil der Leibinger Professur für Comics und Comicforschung wird es sein, eine "International Summer School Comics" ins Leben zu rufen und den berufsbegleitenden Masterstudiengang "Comics und Comicforschung" zu entwickeln.
Bei der Konzeption des neuen Studiengangs sollen auch die Wünsche von potentiellen Studierenden berücksichtigt werden, die bereits eine gewisse Expertise beispielsweise im Bereich Illustration mitbringen und sich auf Comics spezialisieren wollen, erzählt Barbara M. Eggert, Rektorin der Merz Akademie. Für den Studiengang könne man sich aber frühestens ab dem Wintersemester 2027/28 bewerben, so Eggert, da der Studiengang ab dem Sommer erst einmal entwickelt und dann auch noch akkreditiert werden müsse.
Rektorin hat sich jahrelang für Professur eingesetzt
Eggert ist seit 2023 Rektorin der Merz Akademie, die Professur für Comics und Comicforschung ist ihr aber schon länger ein Anliegen. Zehn Jahre habe sie sich bei verschiedenen Hochschulen für einen solchen Lehrstuhl eingesetzt, so Eggert. "Das Zusammendenken von Comic und Comicforschung war überfällig", meint die Rektorin. Das sei aber erst der Anfang. "Wir wollen weitere Türen aufstoßen."
Ich hoffe, dass viele weitere Hochschulen Professuren für Comics und Comicforschung ausschreiben.
"Dass sich ein solcher Lehrstuhl neu formiert, ist wunderbar und sicherlich überfällig", meint auch Künstlerin Barbara Yelin. Sie setzt sich bereits seit Jahren für die Sichtbarkeit des Mediums Comic ein. "Es gibt gerade durch diese Kombination von Zeichnung und Text sehr vielfältige Möglichkeiten", so Yelin. Die Professur soll nach Angaben der Merz Akademie Praxis und Theorie verbinden sowie die Comicforschung und -produktion im deutschsprachigen Raum fördern.
Mit Comics verschiedene Geschichten erzählen
Besonders im Fokus stehe dabei, Comics als Dialogwerkzeug zu benutzen. Es gehe darum, weshalb Comics auch für komplexe Sachverhalte, für emotionale oder historische Erzählungen, für individuelle Sichtweisen als Erzählformat geeignet seien, so Yelin. Die Künstlerin hat in ihren Werken selbst bereits Comics für historische Erzählungen genutzt, beispielsweise in "Emmie Arbel. Die Farbe der Erinnerung". In diesem Comic erzählt Yelin die reale Geschichte der Jüdin Emmie Arbel, die als Kind die Konzentrationslager Ravensbrück und Bergen-Belsen überlebt hat.
Yelin freue sich, Studierende künftig dabei zu unterstützen, ihre Perspektiven zu erzählen.
Stuttgart als Comic-Standort
Sowohl Yelin als auch Rektorin Eggert sehen in Stuttgart einen guten Standort für den Lehrstuhl. "Wir haben hier eine sehr diverse Comic-Community mit vielen Veranstaltungsangeboten", meint Eggert. In der Landeshauptstadt gibt es beispielsweise seit mehreren Jahren die Comictage und in der Stadtbibliothek finden regelmäßig Comicpräsentationen statt. Die Berthold Leibinger Stiftung, die auch die Comic-Professur an der Merz Akademie finanziert, vergibt seit über zehn Jahren den Comicbuchpreis in Stuttgart. Außerdem ist die Stadt Handlungsort der Comics "Der Stuttgarter Schocker".